22.11.12

IBA

Hamburgs nächste HafenCity - Ein Modell von einer Stadt

Die Internationale Bauausstellung feiert ab März 2013 ihr Präsentationsjahr. Insgesamt werden mehr als 60 Projekte realisiert.

Von Friederike Ulrich
Foto: IBA
IBA
Eines der herausragenden Projekte der IBA: die "Waterhouses" am Inselpark

Wilhelmsburg. Sie heißen WaterHouse, Soft House oder BIQ, haben auffällige Fassaden und bilden mit anderen innovativen und nachhaltigen Gebäuden zusammen das Herzstück der Internationalen Bauausstellung. Wenn diese 2013 ihr Präsentationsjahr feiert, wird in der Mitte Wilhelmsburgs, ähnlich einer zweiten HafenCity, ein komplett neues Wohn-, Arbeits- und Freizeitquartier entstanden sein. Noch allerdings wird hier kräftig gearbeitet. Bei seinen Erläuterungen während einer Tour über das Gelände musste IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg gegen den Lärm der Baumaschinen ankämpfen.

"Wir hoffen, dass das Wetter noch drei Wochen hält", so Hellweg. Am 23. März will die IBA offiziell eröffnen, früher Frost ist da wenig willkommen. Denn während manche Gebäude schon fast fertig sind, stecken andere noch in den Anfängen. Der "Woodcube" etwa, der in Holzbauweise um einen Treppenhauskern aus Beton gebaut wird. Oder das "Soft House", dessen textile Membranfassade sich später ähnlich einer Sonnenblume stets dem Sonnenlicht zuwenden wird. Zu den "Smart Material Houses" gehört auch ein Haus mit seiner Algenfassade, das Sonnenenergie in Wärme und Biomasse umwandeln kann, oder das "Smart ist grün"-Haus, das mehr Energie erzeugt, als seine Bewohner verbrauchen.

"Bauausstellung in der Bauausstellung" nennt sich das Herzstück der IBA. Neben den markanten Gebäuden mit insgesamt 130 Wohnungen entstehen hier - oft in Kooperation mit der Internationalen Gartenschau (igs) - auch viele Sporteinrichtungen. Etwa die Basketballhalle, in der im kommenden Jahr zunächst Blumenschauen veranstaltet werden, eine Kletterhalle, ein Skatepark und ein neues Schwimmbad.

Gegenstand einer Bauausstellung sei jedoch auch immer der Planungsprozess, sagte Hellweg. Der hat in Hamburg 2006 begonnen. Seitdem haben sich mehr als eine halbe Million Besucher über die Fortschritte auf der Elbinsel informiert. Das Programm im Präsentationsjahr richte sich in erster Linie an die Menschen vor Ort, aber auch an die Hamburger und die Bewohner der Metropolregion. Doch auch das Interesse der Fachwelt sei groß. "Wir gehen hier mit Problematiken um, die auch andere Großstädte betreffen", so Hellweg. Hauptsächlich gehe es um drei zentrale Fragestellungen: Wie gehe die IBA mit dem Bestand (Menschen und Industriebetrieben) auf einer Insel um, die stark vom Klimawandel betroffen ist? Wie mit den Emissionen von Hafen und Verkehrstrassen? Und wie mit der Sozialstruktur, die durch die ersten beiden Bedingungen geprägt sei: Schließlich seien wegen der Flut und der Emissionen in der Vergangenheit viele Leute von der Elbinsel weggezogen.

Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet, die Angst vor Gentrifizierung geht um im Stadtteil. Am größten ist sie im Reiherstiegviertel mit seinen charmanten Altbauten. "Die Befürchtungen der Menschen lassen sich statistisch-empirisch nicht belegen", sagte Hellweg. "Die Mieten stagnieren allerdings nicht, sondern nähern sich dem Hamburger Durchschnitt an." Ausreißer wie auf St. Pauli und in St. Georg gebe es in Wilhelmsburg nicht.

Trotzdem: Als der Bus vor dem IBA-Energie-Bunker stoppte, wurde er von rund 15 Demonstranten empfangen. Verkleidet als IBA-Biber oder lebendige IBA-Infosäule störten sie mit Tröten und Buhrufen die Erklärungen von Uli Hellweg. Ihre Kritik: steigende Mieten und fehlende Möglichkeiten für Bürger, sich an den IBA-Planungen zu beteiligen. "80 Prozent der Bewohner des IBA-Projekts Weltquartiers können nach der Sanierung wegen zu hoher Mieten nicht zurückziehen"; sagte einer. Das wollte Hellweg nicht gelten lassen. "Die Miete ist bei den IBA-Projekten nach Sanierungen um 13 Cent pro Quadratmeter angestiegen", sagte er.

Und: Von den vorübergehend umgesiedelten Bewohnern des Weltquartiers seien 90 Prozent im Viertel geblieben. Um niemanden zu verdrängen, habe man sich besonders auch um ausländische Mitbürger bemüht - etwa mit dem muslimischen Seniorenheim oder den Kleinbetrieben am Weimarer Platz. Auch mangelnde Bürgerbeteiligung könne man der IBA nicht vorwerfen, so Hellweg. "Wir haben die Bürger immer zu Workshops und Veranstaltungen eingeladen." Gekommen sei aber meist nur der "deutsche Mittelstand".

Insgesamt hat die IBA mehr als 60 Projekte in Wilhelmsburg, auf der Veddel und im Harburger Binnenhafen realisiert. Das kleinste ist der Wiederaufbau einer historischen Backstube in der Windmühle Johanna, das größte der Energieberg Georgswerder. Besucher haben 2013 viele Gelegenheiten, die IBA-Projekte kennenzulernen. Dazu gehören die "Inseltouren" mit IBA-Bussen und verschiedene Ausstellungen, etwa im IBA-Dock (Müggenburger Zollhafen), im Energiebunker (Neuhöfer Straße, Wilhelmsburg) oder im Zug der Ideen (Schlossinsel Harburg).

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