"Guinness World Records Day" Blutige Kokosnüsse: Zertrümmern bis zum Rekord

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Am Tag der Weltrekorde geht es um skurrile Versuche. In Hamburg stehen etwa Kokosnüsse, Marshmallows und Zahnbürsten im Mittelpunkt.

Hamburg. Nach dem Kokosnuss-Rekord bleibt nur ein Trümmerhaufen übrig. Rund um Muhamed "Die Hammerhand" Kahrimanovic liegen versprengte Kokosnuss-Stückchen, manche sind mit Blut getränkt. Der Boden ist glitschig, voller Kokosmilch. Der Karatesportler aus Hamburg hat gerade einen neuen Weltrekord aufgestellt: Mit beiden Händen gleichzeitig hat er in einer Minute 16 Kokosnuss-Paare zerschlagen. Und auch eine der vier Betonplatten, auf denen die Tropenfrüchte liegen, muss dran glauben – die Wucht der Schläge hat sie zerstört. "Ich möchte da keine Kokosnuss sein", sagt Rekordrichter Olaf Kuchenbecker schmunzelnd.

Kahrimanovics aufgeschürften Händen sieht man die Strapazen an. Die schwarzen Bandagen, die die Haut schützen sollen, haben sich im ersten und einzigen Versuch schnell gelöst. Doch für den 53-Jährigen sind das nur "ein paar kleine Kratzer": "Das tut nicht weh." Stolz und Freude überwiegen wohl, schließlich stecke "lange, harte Arbeit" dahinter. Mit Zertrümmern bis zum Rekord kennt er sich aus: 118 Kokosnüsse hat er schon in einer Minute mit einer Hand zerschlagen, erzählt er, und auch 55 Baseballschläger, in der gleichen Zeit.

Ob das Rekorde seien, die die Welt nicht braucht?, wird die "Hammerhand" gefragt. "Nein", sagt er, "die Leute sehen das gerne." Der kuriose Wettstreit scheint in der Tat eine Faszination auszustrahlen: Für Rekordjäger ist der "Guinness World Records Day", der am Donnerstag seine achte Auflage feiert, der wichtigste Tag des Jahres. Weltweit sind nach Angaben der Veranstalter Hunderttausende Teilnehmer dabei. Allein in den USA gehen 420.000 Schüler an den Start, um mit "Sport Stacking" (Becherstapeln) den Eintrag ins Guinness-Buch zu schaffen.

50 verrückte und spektakuläre Rekordversuche sind Kuchenbecker zufolge weltweit angemeldet, neun davon in Deutschland. In Hamburg stellen am Donnerstag gleich zwei weitere Kandidaten eine neue Bestmarke auf: In der Volksbank-Arena fahren Rolf Allerdissen und Jens Scherer mit einem Auto innerhalb von zwei Minuten jeweils fünf komplette Achten auf dem Eis. Damit knacken sie den bisherigen Rekord aus Kanada, der bei drei lag.

Eigentlich wollte Allerdissen die Bestmarke auf sechs Achten schrauben. Das klappte aber weder in den ersten beiden Versuchen, in denen er vorwärts fährt, noch im dritten Anlauf, in dem er rückwärts unterwegs ist. Dennoch: Der Weltrekord sei "eine absolut geile Sache", schwärmt er. Die Urkunde will er über den Kühlschrank hängen: "Weil das einfach dazu passt." Allerdissen hält auch schon andere Rekorde, darunter den Titel für die schnellste Schlittenfahrt auf Schnee. Sein Antrieb? "Ich denke, ein Eintrag ins Guinness-Buch ist, was eigentlich für den kleinen Mann ... zählt."

Rekordrichter Kuchenbecker – graue Hose, dunkelblaues Jackett mit "Guinness World Records"-Emblem – sieht bei den vielen Rekordversuchen eine "hohe Chance zu scheitern". Aus Hamburg kann er aber gleich mehrere erfolgreiche Meldungen an den Firmensitz in London schicken: Schon beim Auftakt der Rekordjäger in Deutschland am Mittwoch gelang es etwa Joe Alexander, 15 Marshmallows in einer Minute mit Essstäbchen aus der Luft zu fangen. Und Michael Kopp schaffte es, einen Basketball auf einer Zahnbürste 26 Sekunden lang zu drehen – und die Zahnbürste dabei mit dem Mund zu halten.

"Mich beeindruckt immer, wenn etwas klappt", sagt Kuchenbecker. Nach den Hamburger Bestmarken kann der Rekordrichter das im sächsischen Mittweida überprüfen: Dort will etwa der Kraftsportler René Richter den eigenen Rekord von 173,5 Kilo für das größte mit dem Mund gehobene Gewicht brechen.