Frankreich

Toulouse fürchtet weitere Anschläge des Attentäters

Die französischen Behörden befürchten, dass der Attentäter von Toulouse erneut zuschlagen könnte. Höchste Terror-Warnstufe weiterhin gültig.

Die Angst in Frankreich ist groß, dass der Attentäter von Toulouse erneut zuschlagen könnte. „Wir sind mit einer extrem entschlossenen Einzelperson konfrontiert, die weiß, dass sie gejagt wird“, sagte der Pariser Staatsanwalt Francois Molins. Weitere Taten seien nicht auszuschließen. Sämtlichen Hinweisen werde nachgegangen. Für Toulouse, wo der Unbekannte am Montag vor einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Rabbiner kaltblütig erschossen hatte, galt die höchste Terror-Warnstufe. Die Sicherheit rund um religiöse Einrichtungen wurde verstärkt. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen den Täter mit einer kleinen Videokamera um den Hals, mit der er seine Tat offenbar filmte. Das Gesicht ist nicht zu erkennen, da er einen Motorradhelm trug.

„Wir werden dieses Monster aufspüren. Wir werden ihn finden, ihn zur Rechenschaft ziehen und ihn bestrafen“, sagte Außenminister Alain Juppe. Der Mann ist auch Hauptverdächtiger im Fall der Tötung von drei Fallschirmjägern nordafrikanischer Abstammung vor wenigen Tagen in der Region. In allen Fällen verwendete er einen gestohlenen Motorroller und einen 45er Colt. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, der Täter habe vermutlich aus rassistischen Beweggründen gehandelt.

+++Toulouse: Täter trug Videokamera um den Hals+++

+++Europaweit Bestürzung über Anschlag auf Kinder in Toulouse+++

Der Todesopfer des Anschlages in Toulouse wurde am Vormittag mit einer Schweigeminute an Schulen in ganz Frankreich gedacht. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der israelischen Botschaft in Frankreich um einen 30-Jährigen, seine zwei Kinder im Alter von vier, fünf und einer Siebenjährigen. Alle vier besaßen die französische und die israelische Staatsbürgerschaft. Ihre Leichen sollten noch am Dienstag nach Israel überführt werden.

Der Täter sei zielstrebig und präzise vorgegangen, sagte Innenminister Claude Gueant. Im Raum stand der Verdacht, es könne sich um einen ausgebildeten Scharfschützen handeln. Aus Polizeikreisen hieß es, dass drei ehemalige Soldaten aus dem 17. Fallschirmspringer-Regiment verhört wurden. Sie seien 2008 wegen Neo-Nazi-Aktivitäten entlassen worden. Die Befragung habe aber ergeben, dass sie mit der Tat nichts zu tun hätten. Auch die drei getöteten Soldaten gehörten dem Regiment an.

+++Offenbar rassistisch motivierte Anschlagsserie in Frankreich+++

Sarkozy sagte derweil wie seine Rivalen, der Sozialist Francois Hollande und die Rechtsextremistin Marine Le Pen, bis Mittwoch sämtliche Wahlkampfauftritte ab. Experten gehen davon aus, dass sich der bislang aggressive und populistische Tonfall ändern wird. Sie schlossen aber nicht aus, dass Sarkozy sich unbequemen Fragen ausgesetzt sehen dürfte, etwa ob er nicht die rechtsradikale Stimmung im Land angefacht habe. Der Präsident hatte unter anderem mit seinem Versprechen, die Einwanderungszahlen zu halbieren, versucht, Le Pen Anhänger abzujagen. Die zwei Runden der Präsidentenwahl sind für April und Mai angesetzt. (Reuters)