Germanys next Topmodel

Heidi sucht das Supermodel

Lesedauer: 4 Minuten
Melanie Höhn

Drei Millionen Menschen waren vor dem Fernsehschirm mit dabei, als Heidi wieder ein neues Topmodel für Deutschland suchte. Das Prinzip blieb das selbe: Runtermachen und wieder aufbauen. „Mach mal das Gewuschel aus dem Gesicht", sagt Klum zu einer Kandidatin. Zu einer anderen: „Geht das auch ohne das Gehampel?" Auf zwei junge Frauen, die es in die nächste Runde schaffen, kommt eine Niete.

Berlin. „Es ist ja auch für uns echt nicht leicht“, sagt Heidi Klum und guckt entschuldigend in die Zuschauerreihen. Mitleid hat man oft während dieses ProSieben-Fernsehabends – kein einziges Mal allerdings mit Klum. "Germany’s Next Topmodel“ setzt auch in der siebten Staffel, die zum Auftakt drei Millionen Menschen sahen, auf das Prinzip: Runtermachen und wieder aufbauen. „Mach mal das Gewuschel aus dem Gesicht“, sagt Klum zu einer Kandidatin. Zu einer anderen: „Geht das auch ohne das Gehampel?“ Auf zwei junge Frauen, die es in die nächste Runde schaffen, kommt eine Niete. „Wir sehen echt kein Potential bei dir“, heißt die Jurybegründung in Model-Fach-Sprache – und besonders gern filmt die Kamera dann die in Tränen aufgelöste Kandidatin im Kreis ihrer Lieben, die sich – kleiner Trost – im Lauf der weiteren Folgen ziemlich sicher freuen wird, von all den Fotoshootings mit Vogelspinnen, an steilen Hauswänden und unsympathischen Kerlen verschont zu bleiben, von Castings für Kaffeeautomaten, Laufstegübungen auf 20 Zentimeter-High Heels und Typ-Optimierungs-Vorschlägen samt rattenscharfer Ponyfrisur.

"Potenzial" ist übrigens ein Lieblingswort von Heidi Klum, genauso wie "Business" und "Mädchen". Aber natürlich geht es in „Germany’s Next Topmodel“ weniger um Potenzial als um Show. Deshalb darf auch eine blonde Nervensäge mit Piercing und Ratte in die nächste Runde einziehen und ein, zwei Mädchen, bei denen feststeht: Die zetteln noch am Abend den ersten Zickenkrieg an. Dann müssen Heidi und ihre Mitjuroren wieder zur Ordnung rufen. Ist auch echt nicht leicht für sie.

Zwar stieg der Gesamt-Marktanteil von „Germany’s Next Topmodel“ seit dem Start 2006 jedes Jahr kontinuierlich an, jedoch musste das Format 2010 einen Marktanteilsverlust von vier Prozentpunkten in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr in Kauf nehmen. 2011 stieg der Marktanteil wieder leicht an. Medienberichten zufolge soll 2013 keine neue Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ folgen. Juror Rath hingegen kündigte an, dass es im nächsten Jahr wieder eine Staffel mit Heidi Klum, Thomas Hayo und ihm geben werde.

+++ Wenn Models Models suchen +++

Inzwischen hat Klums Sendung Konkurrenz bekommen: Am 31. Januar startete der zur Mediengruppe RTL Deutschland gehörende Sender Vox die Casting-Show „Das perfekte Model“ mit Karolina Kurkovà und Eva Padberg. Die beiden Models suchen immer dienstags um 21.15 Uhr nach Mädchen, „die international arbeiten können und Potenzial haben“, wie Kurkovà sagte. Padberg sagte, dass sich die Show von „Germany’s Next Topmodel“ abgrenzen wolle: „Wir werden die Mädchen nicht nur auswählen, sondern sie auch selber coachen“, sagte sie. Auch seien die Aufgaben eng berufsbezogen, die Mädchen müssten keine Ängste oder Ekel überwinden. In Klums Show mussten die Nachwuchsmodels manchmal Shootings in schwindelerregender Höhe oder mit Alligatoren und Bienen absolvieren.

Nicht nur die gefährlichen Aufgaben, die Klum ihren Kandidatinnen stellt, sondern auch das Format der Model-Casting-Show an sich wird von vielen Seiten kritisiert. Einer neuen repräsentativen Studie zufolge beeinflussen Model-Casting-Shows das Körperbild von Jugendlichen, insbesondere von Mädchen. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) des Bayerischen Rundfunks befragte Mädchen, die regelmäßig „Germany’s Next Topmodel“ sahen. Die Gefühle der Befragten schwankten zwischen Bewunderung und Neid, schon eine Elfjährige fand ihren Bauch zu dick. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) warnt davor, dass Casting-Shows Tendenzen zu Essstörungen verstärken können.

Die Zeitschrift Cosmopolitan ist indes zum siebten Mal in Folge der Medienpartner von „Germany's next Topmodel“. Das Premium-Magazin wird die Gewinnerin der siebten Staffel auf dem Cover der Juli-Ausgabe zeigen.