Öl im Golf von Mexiko

Die USA mobilisieren gegen die Ölpest alle verfügbaren Kräfte

Foto: dpa / dpa/DPA

US-Präsident Obama rief die Regierung zusammen, um über die "nationale Katastrophe" zu beraten. In vier Bundesstaaten ist der Notstand ausgerufen.

Venice. Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko bereiten sich die US-Regierung und mehrere Bundesstaaten im Süden der USA auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen am Freitag (Ortszeit) auch Alabama und Mississippi den Notstand aus. US-Präsident Barack Obama forderte eine „vollständige Aufklärung“ des Desasters.

Der Ölteppich sei eine „ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft“, sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. In Mississippi wies Gouverneur Haley Barbour die Nationalgarde an, die örtlichen Einsatzkräfte im Kampf gegen die Ölpest zu unterstützen. Zuvor hatte nach dem US-Bundesstaat Louisiana bereits Florida den Notstand ausgerufen.

Das Pentagon genehmigte am Freitag den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana. Gouverneur Bobby Jindal hatte zuvor die Entsendung von 6000 Reservisten angefordert. Jindal teilte zudem mit, dass auch der Einsatz von Häftlingen des Bundesstaates im Kampf gegen gegen die Ölpest erwogen werde.

Obama rief unterdessen in Washington Regierungsmitglieder zusammen, um über die Koordinierung der nationalen Maßnahmen im Kampf gegen die Ölpest, die er am Vortag als „nationale Katastrophe“ bezeichnet hatte, zu beraten. Der US-Präsident beauftragte zudem Innenminister Ken Salazar mit der Anfertigung eines Berichtes zur „vollständigen Aufklärung“ der Ereignisse.

Seit in der vergangenen Woche eine von dem britischen Ölkonzern BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko sank, fließen täglich rund 800.000 Liter Öl ins Meer. In den USA wächst die Befürchtung, dass eine noch verheerendere Ölpest droht als nach dem Unglück des Tankers „Exxon Valdez“ im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas. Damals waren fast 40.000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten eine beispiellose Umweltkatastrophe ausgelöst.

Auf der von BP betriebenen Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, die Lecks in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen. Im Süden der USA ist ein einzigartiges Ökosystem in Gefahr. Am Freitag erreichten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas.