Nach der Explosion der Bohrinsel

Ölpest: Hoffnungen ruhen auf einem dünnen Rohr

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Das aus der gesunkenen Bohrinsel sprudelnde Öl soll durch ein Rohr abgesaugt werden. Täglich tritt viel mehr Öl aus als bislang angenommen.

London. Der britische Ölkonzern BP setzt im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko auf eine neue Methode: Das aus dem Hauptleck sprudelnde Öl solle durch ein dünnes Rohr abgesaugt und in einen Tanker an der Wasseroberfläche geleitet werden, sagte BP-Sprecher Bryan Ferguson am Donnerstag (Ortszeit). Nach Angaben von Experten könnte zehn- bis 14 mal mehr Öl aus den Lecks austreten, als von den US-Behörden bislang angenommen.

Die schwierige Operation soll laut BP mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern ausgeführt werden, die das nur 15 Zentimeter dicke Rohr in 1500 Meter Tiefe direkt am Bohrloch einsetzen sollten. Einstweilen wurde der Versuch, das Loch mit einer Stahlglocke abzudecken, unterbrochen. Sollte es misslingen, das Absaugrohr zu installieren, wollte BP den Angaben zufolge den Versuch mit der Stahlglocke wiederaufnehmen.

Ein erster Versuch mit einer größeren Abdeckung war vergangene Woche gescheitert, weil sich darin Eiskristalle bildeten und das Absaugen des Öls verhinderten. Die neue Glocke ist kleiner, eine Wärmevorrichtung soll Eis zum Schmelzen bringen. BP-Einsatzleiter Doug Suttles sagte, alle Versuche könnten den Ölfluss derzeit nur eindämmen, jedoch aber nicht vollständig stoppen. Solche Maßnahmen könnten erst am Ende nächster Woche beginnen.

Wissenschaftler analysierten anhand eines Videos von BP und der US-Regierung, wie schnell und weit das Öl nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April bereits gekommen ist. Demnach sind es täglich eher 1,1 Millionen Liter mit einer Abweichung von 20 Prozent nach oben und nach unten als die bisher angenommene Menge von täglich 800.000 Litern, die austreten. Steven Wereley, Wissenschaftler der Purdue-Universität, sagte im öffentlich-rechtlichen US-Rundfunk, es könnte sogar 14 mal mehr Öl als zuvor angenommen sein.

Der Konzern schätzt die Kosten für die Bekämpfung der Ölpest mittlerweile auf 450 Millionen Dollar (358 Millionen Euro). BP-Chef Tony Hayward sagte der britischen Zeitung „Times“ vom Freitag: „Ich glaube, wir können das regeln und wir werden es auch schaffen. Die einzige Frage ist nur wann.“ US-Präsident Barack Obama traf sich unterdessen mit Beratern, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Einem Bericht der „New York Times“ zufolge erteilte die US-Behörde für Rohstoffverwaltung Genehmigungen für Ölbohrungen, ohne sich nötigen Zulassungen einzuholen. Darunter soll sich auch die Genehmigung für diese BP-Förderplattform befinden.

Die von BP betriebene Bohrinsel war am 20. April im Golf von Mexiko explodiert, dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Zwei Tage später sank die Plattform, das Öl bedroht die Küstengebiete mehrerer südlicher US-Bundesstaaten.