Öl im Golf von Mexiko

Die USA kämpfen gegen das Öl: Obama setzt Bohrungen aus

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Weiter strömt viel Öl in den Golf von Mexiko und hat die US-Küste erreicht. BP übernimmt die "volle Verantwortung" für die Katastrophe.

Washington. Naturschützer befürchten im Golf von Mexiko die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Im Mississippi-Delta werden Naturschutzgebiete von den Ölmassen gefährdet, die am frühen Freitag die Küstengewässer Louisianas erreichten. Das Öl sprudelt aus mehreren Lecks einer Ölleitung der gesunkenen Plattform „Deepwater Horizon“. Nach dem US-Staat Louisiana wurde am Freitag auch für Teile Floridas der Notstand erklärt. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal forderte die Nationalgarde an, um bei den erwarteten Säuberungsarbeiten zu helfen. Die Aussichten sind nicht gut: Meteorologen zufolge werden über das Wochenende hohe Wellen erwartet, die das Öl tief ins Marschland im Südosten Louisianas drücken könnte.

Nach dem Untergang der Plattform sprudeln mittlerweile jeden Tag Hunderttausende Liter Öl ins Meer. Tausende Helfer waren an Land im Einsatz. Das Wetter arbeitete gegen sie: Starke Winde und eine raue See trieben den Ölteppich voran und verhinderten Säuberungsarbeiten auf dem Meer. Augenzeugen berichteten zudem, dass ölverschmutztes Wasser über die ausgebrachten Barrieren gedrückt wird. Umweltschützer fürchten, die Ölpest könne das Tankerunglück der „Exxon Valdez“ 1989 in Alaska noch in den Schatten stellen. Es gilt bisher als schlimmste Ölpest der USA – Hunderttausende Vögel und Fische sowie tausende Säugetiere starben.

Der Ölfilm war am Freitag bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. Hohe Wellen trieben das Öl auf das von Menschen unbewohnte Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta zu. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen.

Die bisher verlegten Barrieren mit einer Länge von 61 Kilometern reichten nach Angaben der Experten längst nicht aus, um das Öl von Louisianas Küste fernzuhalten. „Sie halten das Öl nicht draußen“, sagte der Chef des Landkreises Plaquemines Parish, Billy Nungesser, der Zeitung „Times-Picayune“ nach einem Flug über die Gegend. „Es wird schlimmer werden, bevor sich eine Besserung einstellt.“

„Das ist ein Desaster, jenseits jeden Ausmaßes, das ich je erlebt habe“, sagte ein Experte der Ozean-Gesellschaft in San Francisco, Stan Minasian, in US-Medien. Auch die Fischerei- und Tourismus-Industrie verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge, sie sehen erneut ihre Existenz bedroht. Die US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama waren im August 2005 vom Hurrikan „Katrina“ heimgesucht und schwer verwüstet worden.

Ein Sprecher von Barack Obama schloss einen Besuch des US- Präsidenten in der betroffenen Region nicht aus. In den nächsten Tage sei damit aber nicht zu rechnen. Der Präsident unterstrich in Washington, dass BP für die entstehenden Kosten der Ölpest im Golf von Mexiko aufkommen muss. Der Energiekonzern erklärte am Freitag, man wolle die „volle Verantwortung“ für den Ölteppich übernehmen.

Die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, sprach am Freitag von einer „Herausforderung erster Ordnung. Sie hatte zusammen mit Innenminister Ken Salazar und Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Freitag die Katastrophen-Region besucht. Salzar machte keine Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, erklärte er in Louisiana.

Die Regierungsvertreter machten deutlich, dass sie den Druck auf BP verstärken wollen. Der Ölkonzern müsse „härter, schneller, schlauer“ arbeiten, sagte Salazar. Man werde nicht ruhen, bis die Ölquelle geschlossen und „jeder Tropfen Öl“ beseitigt sei. Das Unternehmen werde „saubermachen“ und „rechtmäßige Schadensersatzforderungen“ akzeptieren, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen sei per US-Gesetz dazu verpflichtete, die Kosten zu tragen.

Die USA setzen als Konsequenz aus der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko neue Tiefsee-Bohrungen aus. Die Bohrarbeiten in neuen Felder würden erst wieder genehmigt, wenn die Ursache des Unglücks auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ geklärt sei, sagte Präsidenten-Berater David Axelrod am Freitag dem Fernsehsender ABC.

Unterdessen hat der US-Konzern Halliburton bestätigt, einen Tag vor der Explosion auf der Bohrinsel im Golf von Mexiko an den Bohrleitungen gearbeitet zu haben. Rund 20 Stunden vor dem Zwischenfall seien die Betonierarbeiten an den letzten Unterwasser-Leitungen beendet worden, erklärte das als Zulieferer an dem Bohrvorhaben beteiligte Unternehmen am Freitag. Zu dem damaligen Zeitpunkt hätten die "Aktivitäten auf der Bohrinsel noch nicht das Ausmaß erreicht", das den Einbau eines Verschlusses nötig gemacht hätte, der in Notfällen eine zeitweilige Aufgabe der Ölplattform ermögliche.

Gegen Halliburton sind bereits ebenso wie gegen den Betreiber BP und den Eigentümer Transocean eine Reihe von Klagen eingegangen. Ihnen wird vorgeworfen, keine ausreichenden Vorkehrungen zur Vermeidung der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko getroffen zu haben. Halliburton erklärte sich zur Zusammenarbeit bei der Untersuchung des Unglücks bereit. Doch sei es zum gegenwärtigen Zeitpunkt "verfrüht und unverantwortlich, über die Ursachen zu spekulieren".