Ölpest im Golf von Mexiko

Ölteppich in USA wächst unaufhörlich – Katastrophe droht

Foto: AP

Die Gesamtkosten der Havarie mit allen Folgen werden von Experten auf bis zu 14 Milliarden Dollar geschätzt. Es droht eine Katastrophe.

Venice. Der Ölteppich im Golf von Mexiko droht sich zu einer der größten Umweltkatastrophen der USA auszuwachsen. Die Gesamtkosten dieser Havarie mit allen Folgen werden von Experten auf bis zu 14 Milliarden Dollar geschätzt. Allein für die Reinigung verschmutzter Küsten und Meeresregionen würden sieben Milliarden Dollar benötigt. Hinzu kämen die Ausfälle in der Fischerei und im Tourismus. Kaum zu berechnen sind die drohenden Schäden in Flora und Fauna. US-Präsident Barack Obama machte bei einem Besuch in der Katastrophenregion am Sonntag deutlich, dass der Ölkonzern BP für das Desaster verantwortlich sei und dass BP auch dafür zahlen müsse. Die US-Regierung werde ihrerseits alles in ihrer Macht stehende tun, um die Folgen zu begrenzen.

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Die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest wurden am Wochenende durch starken Wind und heftige Wellen erschwert. Es ist nach Angaben der Behörden nun nicht mehr zu verhindern, dass der Öl-Teppich die Küste in Mitleidenschaft zieht – erste Ausläufer erreichten bereits die Küste Louisianas.

Die Küste von Louisiana bis Florida ist gefährdet, vielen Regionen droht eine Katastrophe. Der immer noch wachsende Öl-Teppich hat eine Länge von mehr als 200 Kilometern und ist rund 110 Kilometer breit. Knapp 800.000 Liter Öl laufen pro Tag ins Meer. Schlimmstenfalls könnten es bis zu 15,9 Millionen Liter pro Tag werden, sagte Innenminister Ken Salazar am Sonntag. Die Behörden halten es für unvermeidlich, dass der Ölteppich die Küste belasten wird. „Es ist nur noch eine Frage des wo und wann“, sagte Thad Allen von der Küstenwache.

Es wurde erwartet, dass das Öl zuerst die Chandeleur-Inseln an Rande des Mississippi-Deltas erreicht. Sie gehören zum Wildreservat Braton National Wildlife, wo zahlreiche Vögel ihre Brutgebiete haben. In der betroffenen Meeresregion wurde unterdessen der gesamte Fischfang verboten. Das betrifft sowohl kommerzielle Fischer als auch Hobbyangler.

Die Verschmutzung im Golf von Mexiko könnte sich zur schlimmsten Katastrophe dieser Art in der amerikanischen Geschichte auswachsen. Bisheriger Höhepunkt war 1989 das Öl-Schiff „Exxon Valdez“, das vor der Küste Alaskas auf ein Riff auflief. Der US-Kongress schränkte daraufhin die Öl-Schifffahrt vor der Küste Alaskas ein.

Die amerikanische Regierung erhöhte den Druck auf den Öl-Riesen BP, sich als Besitzer der gesunkenen Bohrplattform beim Stopfen des Lecks und der Eindämmung des Ölteppichs stärker zu engagieren. Dazu sei das Unternehmen per Gesetz und nach den Verträgen verpflichtet, sagte Innenminister Salazar. Nach seinen Worten gibt es keinen Zweifel, dass eine Vorrichtung zum Schutz vor einem solchen Ölaustritt nicht funktionierte.

Eine Lösung, das Loch in 1600 Meter Tiefe zu stopfen, war jedoch nicht in Sicht. Mehrere Hundert Boote und Flugzeuge beteiligten an Versuchen, den Teppich auf der Wasseroberfläche zusammenzuhalten. Die Küstenwache weitete den Einsatz von schwimmenden Sperren und Schranken aus, um das Öl aufzunehmen. Ein Sturm und hoher Wellengang machte diese Versuche aber vielerorts zunichte.

Mindestens vier Wochen, wenn nicht zwei bis drei Monate dürfte es Experten zufolge dauern, bis entweder eine Abzugsröhre das Öl in ein Schiff umleiten oder eine zweite Quelle angebohrt werden kann, aus der das Öl kontrolliert entweichen kann. BP räumte ein, Schwierigkeiten zu haben, das Leck unter Kontrolle zu bringen. Einem Bericht der britischen Zeitung „Mail on Sunday“ zufolge könnten auf BP Kosten in Höhe von mehr als 4,6 Milliarden Dollar zur Eindämmung der Ölpest und zur Reinigung der Küsten zukommen.

Die Küstengewässer und Sumpfgebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikane sowie anderer Vögel. Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Fischen, Austern, Krabben und Muscheln. Tierschützer und auf Ölkatastrophen spezialisierte Helfer bereiteten sich auf einen Großeinsatz vor.

Die jüngste Katastrophe wirft ein Schlaglicht auf geplante Bohrungen vor den US-Küsten. Zum Entsetzen vieler Anhänger hatte Obama erst kürzlich Tiefseebohrungen zur Öl- und Gassuche gebilligt, die nun aber erst einmal ausgesetzt wurden.

Der sich abzeichnende wirtschaftliche Schaden führt zu Unmut in der Bevölkerung. Allein die Fischereiindustrie in Louisiana könnte der Öl-Teppich einem Analysten zufolge 2,5 Milliarden Dollar kosten. Der Schaden für die Tourismusindustrie entlang der Golfküste Floridas könnte sich auf drei Milliarden Dollar summieren, schätzte die Investmentgesellschaft Bernstein.