Schach-WM: Kramnik gewinnt die zehnte Partie

Anand muss auf den Titel warten

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Rainer Grünberg

Wladimir Kramnik aus Russland erringt in der zehnten Partie seinen ersten Sieg.

Hamburg. Viswanathan Anand hat den vorzeitigen Triumph bei der Schach-Weltmeisterschaft in Bonn zum zweiten Mal verpasst. Der 38 Jahre alte indische Großmeister verlor mit den schwarzen Steinen die zehnte Wettkampfpartie gegen Wladimir Kramnik nach 29 Zügen und 2:54 Stunden Spielzeit.

Durch diesen Erfolg, dem ersten im Match, verkürzte der 33-jährige Russe den Rückstand in der Gesamtwertung auf 4:6 Punkte. Sieger ist, wer zuerst 6,5 Punkte hat. Anand fehlt damit weiter ein Remis zum Titelgewinn. Die elfte Partie, die vorletzte, wird am Mittwoch um 15 Uhr gespielt, wieder live bei www.abendblatt.de/schachwm. Dann führt Anand die weißen Steine. Mit dem Anzugsvorteil hat er noch nie eine Turnierpartie gegen Kramnik verloren. Während Anand in der ersten Hälfte des Matches, in den Partien eins bis sechs, mit drei Siegen überzeugen konnte, schwächelt er in der zweiten Phase. Bereits in der neunten Partie am Sonntag konnte er nur deshalb ein Remis erreichen, weil Kramnik seinen Vorteil nicht entschlossen genug umsetzte. Die zehnte Partie wiederum war Anands mit Abstand schwächste Leistung in diesem Wettkampf. Wird er etwa auf der Zielgeraden, den Sieg dicht vor Augen, noch nervös? In der zehnten Partie folgten beide Seiten bis zum 18. Zug bekannten Vorbildern. Aufgrund seines Läuferpaares und des schwachen schwarzen c-Bauern hatte Kramnik einen leichten Stellungsvorteil, den er diesmal konsequent behauptete. Der Russe setzte auf seine Initiative am Damenflügel und ließ sich durch Anands Manöver auf der anderen Seite des Brettes nicht irritieren. Der Inder verbrauchte viel Bedenkzeit, fand aber keine Lösung. Auch nach 22….Sc4 (statt 22…Lg4) 23. Da6 Sxe3 24. Txe2 Sxg2 25. Kxg2 Td8 26. Tb1 bleibt Weiß am Drücker. In der Schlussstellung verliert Schwarz entscheidend Material. 29…Td8 (Es drohte 30. Te7) 30. Db4 Td7 31. a6 Sb6 32. Lxb6 axb6 33. Dxb6. "Meine Aussichten haben sich heute verbessert, aber meine Chancen sind immer noch sehr weit entfernt von 50 Prozent. Es war heute eine sehr seltsame und ganz delikate Stellung. Ich bin froh, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe", sagte Kramnik nach der gewonnenen Partie.

WM in Bonn, 10. Partie: Weiß: Wladimir Kramnik (Russland); Schwarz: Viswanathan Anand (Indien). Nimzowitsch-Indisch. 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Sf3 c5 5.g3 cxd4 6.Sxd4 0-0 7.Lg2 d5 8.cxd5 Sxd5 9.Db3 Da5 10.Ld2 Sc6 11.Sxc6 bxc6 12.0-0 Lxc3 13.bxc3 La6 14.Tfd1 Dc5 15.e4 Lc4 16.Da4 Sb6 17.Db4 Dh5 18.Te1 (neu) c5 19.Da5 Tfc8 20.Le3 Le2 21.Lf4 e5 22.Le3 Lg4 23.Da6 f6 24.a4 Df7 25.Lf1 Le6 26.Tab1 c4 27.a5 Sa4 28.Tb7 De8 29.Dd6 1-0. Stand: Anand Kramnik 6:4.