WM 2022 in Katar

Asiaten wollen Verlegung der Hitze-WM in den Winter

Asiatischer Verband fordert Fifa auf, WM in Katar wegen Hitze im Januar und Februar auszutragen. Fifa-Boss Blatter: "Kalender lässt dies nicht zu."

Kuala Lumpur/Frankfurt/Main. Der "Kaiser" brachte das Thema zuerst auf, nun setzt auch der Asiatische Fußball-Verband (AFC) eine mögliche Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar in den Winter auf die Agenda. In einer Stellungnahme fordert der AFC den Weltverband Fifa auf, enstprechende Maßnahmen zu prüfen.

AFC-Generalsekretär Peter Velappen plädierte am Donnerstag in Kuala Lumpur dafür, das Turnier wegen der großen Sommerhitze in der Wüste auf die Monate Januar oder Februar vorzuziehen. Franz Beckenbauer hatte sich als deutsches Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees bereits vor ein paar Tagen für eine Winter-WM ausgesprochen.

Derartigen Plänen erteilte Fifa-Präsident Sepp Blatter in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview eine Absage. „Die Basisausschreibung spricht gegen eine Winter-WM in Katar. Die Bedingungen waren, dass die WM 2018 und 2022 anhand des bestehenden internationalen Kalenders im Juni, Juli ausgetragen werden muss", sagte Blatter.

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Velappen sagte hingegen, es sei „keine Lösung“, die Stadien und Trainingsplätze mit Klimaanlagen herunterzukühlen. Er warnte, dass einige europäische Mannschaften das Turnier wegen der Hitze boykottieren könnten. Im Sommer herrschen in Katar Temperaturen von über 40 Grad.

In den ersten Monaten des Jahres wiederum könnte es für die Fußballer in dem Emirat ähnlich kühl werden wie bei der Endrunde 2010 in Südafrika. In den letzten Wintern wurden auch in Katar vermehrt Temperaturen unter zehn Grad Celsius gemessen. In Südafrika zitterten sich die Spieler bei Minusgraden zum Teil in Mütze und Handschuhe gehüllt über den Platz. DFB-Nationalspieler musste gar wegen einer Erkältung eine Trainingspause einlegen.

Weniger Probleme mit den klimatischen Bedinungen in Katar könnten unterdessen die Teilnehmer der Handball-WM 2015 haben. Für diese Endrunde will sich das Emirat am Freitag beim Handball-Weltverband IHF in Basel bewerben. Die Entscheidung über die Vergabe der Titelkämpfe fällt im Januar 2011 in Malmö.

Die große Sportoffensive des Wüstenkleinstaats stößt zumindest bei den Fußballern weithin auf Kritik. Stefan Effenberg bezeichnet die Vergabe der WM 2022 nach Katar als reine „Katastrophe“, Matthias Sammer die „großen Fußball-Nationen“ als Verlierer - doch politisch kann die Wahl des Emirats große Auswirkungen haben. „Katar kann in den kommenden zwölf Jahren für einen Brückenschlag zwischen den westlichen und islamischen Kulturkreisen sorgen, die sich zuletzt immer weiter voneinander entfernt haben. Bislang war eine WM eine westliche Kulturveranstaltung. Für die eine Milliarde Muslime im arabischen Raum ist die Vergabe der WM nach Katar deshalb eine wichtige Entscheidung“, sagte der Sportunternehmer Tilman Engel.

Engel, bis 2007 General Manager beim Football-Klub Frankfurt Galaxy, arbeitete in den vergangenen Jahren als Vorstand der ersten Profi-Liga von Katar auch für den nationalen Fußball-Verband des Emirats. Dabei erhielt Engel tiefe Einblicke in die Kultur und kann deshalb auch mit dem ein oder anderen Vorurteil aufräumen. Alkohol werde es für die Fans sicher geben. Und auch die weiblichen Anhänger müssen sich nicht drauf einstellen, verschleiert durch die Straßen zu laufen.

„Wir haben in Katar auch eine Mittelschicht von rund 300.000 Indern. Die indischen Frauen tragen die ihren Kulturkreis entsprechende Klamotten. Daran stört sich niemand“, sagte Engel. Katar werde überhaupt alle Anstrengungen unternehmen, ein perfektes Turnier auszurichten. So ist eine Hochseeautobahn von Bahrein über 300 km nach Katar bereits geplant, weil Bahrein unter Hotelkapazitäten verfügt und einen großen Teil der Fans aus aller Welt aufnehmen kann. Eine Sorge teilt Engel mit den Kritikern aber: „Es wird heiß werden, sehr heiß.“

Heiß diskutiert wird die umstrittene Vergabe der WM 2022 nach Katar seit vergangenen Donnerstag, als FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in der Züricher Messehalle überraschend das Emirat zum Sieger des Bewerbungsverfahrens verkündete. Während die USA das Votum als „falsch“ bezeichneten, hielt sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit einer Bewertung erst einmal zurück. Dann bezeichnete erst Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff die Entscheidung als „nicht optimal“, ehe DFB-Sportdirektor Matthias Sammer auch mit Blick auf die kommenden Juniorenturniere die Maßnahme geißelte.

„Die Vergabe der WM 2022 nach Katar ist das eine, aber wenn ich sehe, dass die kommenden Europameisterschaften der U17 und U19 in Rumänien, Serbien, Estland, Litauen und der Slowakei stattfinden, muss man das schon hinterfragen dürfen“, sagte der Europameister von 1996 der Tageszeitung Die Welt und führte hinsichtlich der großen Fußball-Nationen aus: „Man darf nicht vergessen, dass die großen Fußballnationen diesen Sport zu dem gemacht haben, was er heute ist. Der Solidargedanke ist grundsätzlich richtig, aber man sollte auch die Verhältnismäßigkeiten berücksichtigen.“

Noch schärfer kritisierte der ehemalige Nationalspieler Stefan Effenberg hat die WM-Vergabe nach Katar. „Katar ist nicht Fußball. Das ist eine absolute Fehlentscheidung. Die Bedingungen sind katastrophal. Das ist mir unerklärlich“, sagte der 42-Jährige über die Vergabe der WM durch die Fifa. Effenberg stand 2003/2004 bei Al Arabi in Katar unter Vertrag.