WM-Vergabe 2018 und 2022

Bestechungsvorwürfe gegen drei Fifa-Schwergewichte

Neuer Druck auf die Fifa kurz vor der Doppel-Vergabe: Stimmberechtigte Mitglieder sollen Gelder von über zehn Millionen Dollar kassiert haben.

Frankfurt/Main. Die umstrittene Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gerät immer stärker ins Zwielicht und droht für den Weltverband Fifa zu einem Fiasko zu werden. Nachdem am 18. November bereits die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Amadu (Nigeria) wegen Verletzung des Ethik-Codes suspendiert wurden, stehen nun drei weitere namhafte Funktionäre aus der Weltregierung des Fußballs unter Korruptionsverdacht . Zwei südamerikanische Spitzenfunktionäre und ein hochrangiger Offizieller aus Afrika, die am Donnerstag über die Gastgeber der WM-Turniere 2018 und 2022 mitabstimmen, sollen nach übereinstimmenden Medienberichten Bestechungsgelder angenommen haben.

Der Züricher „Tagesanzeiger“ berichtete am Montag, dass das Fifa-Trio in der Vergangenheit von der 2001 bankrottgegangenen Vermarktungsagentur ISL Bestechungsgelder von mehr als zehn Millionen Dollar kassiert haben soll. Allerdings in unterschiedlichem Umfang: Zwei Funktionäre hätten vergleichsweise geringe Summen in Höhe von 600.000 Dollar bzw. knapp 25.000 Schweizer Franken erhalten. Ein hochrangiges Exekutivmitglied aus Südamerika habe dagegen allein im Zeitraum zwischen dem 10. August 1992 und 28. November 1997 über eine Tarnfirma in Liechtenstein 9,5 Millionen Dollar eingestrichen.

Die Fifa wollte sich bis zum Montagnachmittag nicht zu den neuen Vorwürfen äußern. Eine Verschiebung der WM-Vergabe, die erstmals in der Geschichte gleich für zwei Turniere gilt, erscheint unwahrscheinlich. „Die Ausschreibung war so und man kann die Ausschreibung nicht mehr rückgängig machen. Du kannst es wieder neu ausschreiben, aber dazu wurde schon viel zu viel Geld investiert. Zum Schluss hat man gesagt, trotz aller Korruptionsvorwürfe einzelner Mitglieder: Wir ziehen das durch. Am 2. Dezember werden jetzt beide Weltmeisterschaften entschieden“, sagte Franz Beckenbauer am Sonntagabend im Pay-TV-Sender Sky.

Der „Kaiser“, der sich im Frühjahr 2011 aus der Fifa-Exekutive zurückzieht , kritisierte die doppelte WM-Vergabe. „Es war ein Fehler, beide Weltmeisterschaften gemeinsam zu vergeben. Der Grund war die Planungssicherheit – vielleicht kann man zwei Weltmeisterschaften hintereinander besser vermarkten als eine. Im Nachhinein sind alle der Meinung, dass es ein Fehler war“, erklärte Beckenbauer.

Die anhaltenden Korruptionsvorwürfe dürften dem Ehrenpräsidenten des deutschen Rekordmeisters Bayern München ebenfalls ein Dorn im Auge sein und ihm seine Entscheidung zum Rückzug aus der Fifa-Regierung erleichtert haben. Zumal sich der Weltverband im Umgang mit der neuerlichen Affäre schwertun dürfte, da es sich bei den drei Exekutivmitgliedern um Schwergewichte im internationalen Sport handelt und die Fakten intern wohl lange bekannt sind.

Schon 2008 waren beim Strafprozess gegen die ISL Zahlungen an Funktionäre der Fifa, des IOC und weiterer Verbände in Höhe von insgesamt 138 Millionen Euro öffentlich geworden. Die FIFA war damals sehr darum bemüht, einen Korruptionsprozess abzuwenden.

Für Montagabend hatte der englische Sender BBC weitere Enthüllungen über bestechliche Fifa-Exekutivmitglieder angekündigt, was auf der Insel mit Entsetzen zur Kenntnis genommen wurde. Im Mutterland des Fußballs befürchtet man dadurch Nachteile bei der Kandidatur für die WM 2018, um deren Ausrichtung sich auch Spanien/Portugal, Niederland/Belgien und Russland bewerben.

„Das ist natürlich frustrierend. Aber dies ist ein freies Land. Ich denke, die Fifa versteht das“, sagte Großbritanniens Premierminister David Cameron. Englands Bewerbungschef Andy Anson warf der BBC sogar ein „unpatriotisches“ Verhalten vor, die Sendung so kurz vor der WM-Vergabe am Donnerstag in Zürich auszustrahlen. Unterdessen hofft Australien im Kampf um die WM 2022 auf eine „Lex Ozeanien“. Obwohl der Kontinentalverband nach der Suspendierung von Temarii in der Fifa-Exekutive derzeit nicht vertreten ist, wollen die Australier ein Stimmrecht für Ozeanien bei der Abstimmung am Donnerstag. Auch dazu hat sich die Fifa bisher nicht geäußert.

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