WM-Vergabe der Fifa

Russland ist Favorit für 2018, Katar Geheimtipp für 2022

Die britischen Buchmacher haben sich festgelegt. Bei der Doppelvergabe der Fifa haben Russland und Katar die besten Chancen auf die Fußball-Endrunden.

Zürich/Berlin. Ungeachtet des Korruptionsskandals in den eigenen Reihen vergibt der Weltverband Fifa am Donnerstag erstmals an einem Tag gleich zwei Endrunden der Fußball-Weltmeisterschaft. Bei vielen britischen Buchmachern ist Russland klarer Favorit auf die Vergabe der WM 2018. England wird laut Wettanbietern die zweitbesten Chancen eingeräumt. Die gemeinsame Bewerbung von Spanien und Portugal folgt auf Rang drei. Belgien und die Niederlande sind krasser Außenseiter. Für die WM 2022 ist der Wüstenstaat Katar heißer Favorit. Danach folgen in der Wettliste die USA, Australien und Japan und schließlich Südkorea.

Die Bewerber für die WM 2018:

England , Gastgeber von 1966, plant mit einem Budget von 2,54 Milliarden Dollar. Gespielt werden soll in zwölf Städten mit 17 Stadien, davon allein vier in London. Bei der Inspektionsreise der FIFA wurden keine Schwächen in der Bewerbung festgestellt. Offen ist, ob die negative Berichterstattung über die Fifa in den englischen Medien, die den neuen Korruptionsskandal aufdeckten, für den Favoriten zum Bumerang wird.

Russland hat noch nie eine WM ausgerichtet. Die großen Distanzen zwischen den geplanten 13 Spielorten sind in dem riesigen Land ein Problem, zumal die Flug- und Zugverbindungen schlecht sind. Die veranschlagten Gesamtkosten liegen mit 3,82 Milliarden Euro daher wesentlich höher als beim Rivalen aus England. Von den geplanten 16 Spielstätten müssen 13 neu gebaut oder komplett umgebaut werden.

Die Gemeinschaftsbewerber Spanien und Portugal haben von den Fifa-Inspektoren in den wichtigsten Punkten die besten Noten erhalten. Vorgesehen haben die Iberer 21 Stadien in 18 Spielorten, davon mit Porto und Lissabon nur zwei in Portugal. Die Kosten sind mit 2,0 Milliarden Euro vergleichsweise gering. Angeblich sollen sich bereits sieben Exekutivmitglieder für den Geheimfavoriten entschieden haben.

Die sicherlich schwächste Bewerbung mit wenig Aussichten auf Erfolg schicken Belgien und die Niederlande ins Rennen, die bereits die Europameisterschaft 2000 gemeinsam ausrichteten. 14 Stadien in zwölf Städten stünden zur Verfügung, die Kosten belaufen sich auf 2,43 Milliarden Euro. Schwachpunkte sind die touristische Infrastruktur und fehlende staatliche Garantien. Ein Vorteil sind die kurzen Wege zwischen den Spielorten.

Die Bewerber für die WM 2022:

Der „Fünfte Kontinent“ Australien war noch nie Schauplatz einer WM. Geplant sind zwölf Stadien in zehn Spielorten, die mit Ausnahme von Perth und Townsville alle im Südosten des Landes liegen. Die veranschlagten Kosten betragen 2,29 Milliarden Dollar. Größtes Manko ist der Zeitunterschied zu Europa, dem wichtigsten TV-Markt. Dort würden die Spiele in der Nacht oder am frühen Morgen stattfinden. Dennoch gelten die „Socceroos“ als aussichtsreicher Kandidat.

In Japan ist dank der WM 2002 ein Großteil der 13 geplanten Stadien in elf Spielorten auf modernstem Stand. Lediglich eine Arena müsste neu gebaut werden, weshalb bei den Kosten mit maximal 1,3 Milliarden Dollar geplant wird. Trotz einer starken Bewerbung sind die Aussichten auf den Zuschlag gering, zumal staatliche Garantien fehlen.

Südkorea , Co-Gastgeber von 2002, verfügt über eine intakte Stadion-Infrastruktur. 14 Arenen in 12 Städten sind vorgesehen, die veranschlagten Kosten sind mit 0,87 Milliarden Dollar am geringsten. Als Plus gelten die kurzen Wege, ungenügend ist dagegen die Hotelkapazität. Nur Außenseiterchancen.

In den USA schweigt man sich über die Kosten für die WM-Organisation aus. 18 Stadien in 18 Städten sind im Land das WM-Gastgebers von 1994 geplant. Moderne Spielstätten sind zur Genüge vorhanden, dafür liegen die Orte weit auseinander und in vier verschiedenen Zeitzonen. Die Bewerbung ist ein neuerlicher Versuch, den Fußball in den USA zu etablieren. Sie gilt als sehr aussichtsreich.

Im Wüstenstaat Katar spielt Geld für die Scheichs keine Rolle. In dem kleinen Land am Persischen Golf liegen fünf der sieben Spielorten im Umkreis von 25 Kilometern – fürwahr eine WM der kurzen Wege. Geplant sind zwölf Spielstätten, die Kosten werden mit 2,87 Milliarden Dollar veranschlagt. Das Hitzeproblem wollen die WM-Macher lösen, indem sie die befürchteten Temperaturen von bis zu 50 Grad herunterkühlen. Dennoch besitzt Katar lediglich Außenseiterchancen - sieht man von den Quoten der britischen Buchmacher ab.