Zweite Bundesliga

St. Pauli: Der Aufstieg ist zum Greifen nah

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Ebbers und Naki trafen beim 2:0-Sieg für die Hamburger, die am Ende verdient gewannen. Boll und Retov mussten mit Rot vom Platz.

Hamburg. Sieg im brisanten Nordderby und Schützenhilfe aus Aachen: Sechs Spieltage vor Saisonende hat der FCSt. Pauli im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga wieder alle Trümpfe in der Hand. Dank des eigenen 2:0 (1:0)-Erfolgs gegen Hansa Rostock und des zeitgleichen Augsburger Patzers sind die Hamburger (55 Punkte) wieder auf den zweiten Tabellenplatz vorgerückt. Torjäger Marius Ebbers (41. Minute) und Deniz Naki (54.) sorgten am Sonntag für den achten Heimerfolg der Hanseaten, die nun einen komfortablen Vorsprung von neun Punkten auf den Vierten Fortuna Düsseldorf haben. „Das ist ein Riesen-Schritt für uns“, sagte Trainer Holger Stanislawski und sprach seinem Team weiter Mut zu: „Wir haben nichts zu verlieren, denn niemand hat erwartet, dass wir aufsteigen.“

Während die befürchteten Ausschreitungen rund um das Millerntor- Stadion vor und während der Partie ausblieben, wurde es auf dem Rasen hitzig. Nach einem groben Foulspiel von Martin Retov stürmte St. Paulis Mittelfeldabräumer Fabian Boll auf den Hansa-Kapitän zu und die beiden gerieten aneinander. Die Konsequenz: Beide Profis sahen nach der Rangelei und anschließender Rudelbildung die Rote Karte (57.). Stanislawski hat nach dem dritten Sieg in Serie indes nur Retov als Sündenbock ausgemacht und hofft, dass Boll in den kommenden Topspielen gegen die direkten Rivalen Düsseldorf und Augsburg nicht gesperrt fehlt: „Ich gehe davon aus, dass der DFBdie Rote Karte für Fabian Boll zurücknimmt.“ Alles andere wäre für ihn eine Farce“.

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Dass die Hanseaten den Sprung auf Rang zwei der Hilfe seiner Ex-Kollegen von Alemannia Aachen, die den FC Augsburg (53) mit 4:0 vom Platz fegten, verdankten, hatte auch Matthias Lehmann erkannt: „Ich muss gleich mal die Jungs anrufen und ihnen ein großes Kompliment machen.“ Kapitän Fabio Morena blickte bereits dem Hit am kommenden Montag entgegen: „Wir fahren mit breiter Brust nach Düsseldorf und wollen die erste Mannschaft sein, die dort in diesem Jahr gewinnt.“

Vor 19 146 Zuschauern machten die Rostocker die Räume zunächst geschickt zu und unterbanden so St. Paulis Spielaufbau frühzeitig. Die Hausherren taten sich schwer und kamen erst nach 31 Minuten durch einen Fernschuss von Florian Lechner zu ihrer ersten Chance. Dann aber „schenkte“ ihnen Kevin Schöneberg mit einem Blackout die Führung: Einen missglückten Rückpass des Rechtsverteidigers zu Hansa- Keeper Alexander Walke nahm Ebbers dankbar auf, umkurvte Walke und schob zu seinem 15. Saisontor ein. „Er ist einfach eiskalt vor dem Tor“, lobte Regisseur Charles Takyi den Angreifer.

Hansa kam nur durch Fin Bartels (11.) und Helgi Valur Danielsson (66.) gefährlich vor das Tor der St. Paulianer. Beide Male klärte Hamburgs Torhüter Mathias Hain. Für die Vorentscheidung der nach dem Seitenwechsel besser werdenden Partie sorgte Deniz Naki. Nachdem Walke einen Schuss von Max Kruse nicht festhalten konnte, staubte der quirlige Dribbler zum 2:0 ab.

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Der für die Rostocker Fans vorgesehene Gästeblock war leergeblieben. Als Konsequenz aus den gewalttätigen Auseinandersetzungen rund um das Hinspiel am 2. November 2009 in Rostock, als 27 Polizisten verletzt und 23 Randalierer in Gewahrsam genommen worden waren, hatte die Polizei verfügt, dass nur 500 personalisierte Sitzplatzkarten an Hansa gehen sollten. Daraufhin gaben die Rostocker ihren Verzicht auf die Tickets bekannt. Mit im Gästeblock aufgehängten Bannern verliehen sie ihrem Protest still Ausdruck: „Stellt Euch vor es ist Fußball und keiner darf hin...“ und „Hier stirbt der Fußball!“ war darauf zu lesen.

Die Statistik

St. Pauli : 25 Hain - 2 Lechner, 4 Morena, 16 Thorandt, 6 Bastian Oczipka - 17 Boll, 20 Lehmann - 18 Kruse (ab 77. Hennings), 13 Takyi (ab 84. Kalla), 23 Naki (ab 62. Schultz) - 9 Ebbers. - Trainer: Stanislawski

Rostock : 33 Walke - 35 Schöneberg (ab 80. Fillinger), 4 Orestes (ab 46. Bülow), 5 Sebastian, 14 Schlitte - 2 Langen, 21 Danielsson, 6 Retov, 3 Dahlen (ab 69. Jänicke) - 22 Johansson, 27 Bartels. - Trainer: Kostmann

Schiedsrichter : Babak Rafati (Hannover)

Tore : 1:0 Ebbers (42.) , 2:0 Naki (54.)

Rote Karten : Retov (Foulspiel, 58.), Boll (58., Tätlichkeit)

Zuschauer: 19.000