St. Pauli bleibt oben dran

2:0 bei Hansa Rostock! So siegt ein Aufsteiger

Lehmann und Naki treffen in der Schlussphase zum 2:0-Sieg für den FC St. Pauli, der in der Zweiten Bundesliga weiter oben mitmischt.

Rostock. Mathias Hain rastete auf dem Weg in die Kabine völlig aus. Der Torwart malträtierte eine Tür und schrie lautstark seine Wut heraus. Was ihn so wütend machte, waren die Feierlichkeiten seiner Spieler nach dem 2:0-Erfolg gegen Rostock. Deniz Naki hatte zum Zeichen des Triumphs eine St.-Pauli-Fahne in den Rasen gesteckt und damit die Hansa-Fans im Stadion provoziert. Nach seinem Tor zum 2:0 leistete sich Naki zudem mit dem Finger eine eindeutige Geste des Kehledurchschneidens.

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Provoziert wurde aber auch der FC St. Pauli von den Rostockern reichlich. Die Beschimpfungen und Beleidigungen, die aus den Hansa-Fanblöcken via Transparenten und Sprechchören abgesendet wurden, waren gewaltig. Von "Asoziale Wessis" bis hin zu Parolen, die immer weiter unter die Gürtellinie abrutschten, bedienten sich die Rostocker des gesamten Pöbel-Repertoires. Zu allem Überfluss wurde dann auch noch eine aufgeblasene Gummipuppe, eingehüllt in eine St.-Pauli-Fahne und begleitet von lautem Gegröle, über die Brüstung in den Stadion-Innenraum hinabgestürzt. "Rivalität, ja. Gewalt, nein", hatte ein übergroßes Banner, ausgerollt in einem anderen der insgesamt drei Hansa-Fanblocks, verkündet. Nach dem Spiel kam es dann doch noch zu Auseinandersetzungen zwischen randalierenden Fußballfans und der Polizei. Als Fans von Hansa Rostock eine Sperre durchbrechen wollten, setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Steine flogen, einige Randalierer wurden in Gewahrsam genommen. Meldungen über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Auf dem Rasen sah es lange Zeit so aus, dass für St. Pauli im ungeliebten Ostsee-Stadion vieles beim Alten bleiben würde. Als die etwa 1400 mitgereisten Fans nach 20 Minuten ihren stillen Protest gegen die Zerstückelung der Spieltage und damit zusammenhängend gegen den Fernsehsender DSF wie geplant mit einem lautstarken "Aux Armes" beendeten, griff die Mannschaft von Holger Stanislawski nach ihrem abwartenden Beginn zumindest kurzzeitig zu den Waffen. Rechtsfuß Max Kruse und Linksfuß Rouwen Hennings, für Deniz Naki und den wegen muskulären Problemen verhinderten Charles Takyi in die Startelf gerutscht, wechselten auf ihre jeweils starke Seite, und Florian Bruns konnte nach einem Solo eine Minute später nur von Keeper Walke am Torerfolg gehindert werden.

Signale, die nicht erkannt wurden. Rostock übernahm gegen tief stehende und nur noch reagierende Hamburger immer mehr das Kommando, erspielte sich ein Chancenplus, ließ es aber im Angriff an der Zielstrebigkeit vermissen. Nach 15 sieglosen und auch torlosen Jahren an der Ostsee begann sich die nächste Folge der schwarzen Serie immer deutlicher abzuzeichnen. "Aufwachen, aufwachen", skandierten die St. Paulianer nach 70 Minuten auf den Rängen. "Wenn es uns nicht gelingt, mit unserer Art und Weise zu Torchancen zu kommen, dann müssen wir andere Mittel finden", hatte Stanislawski gefordert. Matthias Lehmann schien verstanden zu haben und traf mit einem Freistoß aus 25 Metern zum 1:0. St. Paulis Fans feierten die Führung mit reichlich Pyrotechnik, eine Leuchtrakete flog auf die Rostocker Tribüne.

15 Jahre nach Carsten Pröpper durfte sich wieder einmal ein St. Paulianer als Torschütze feiern lassen. Kurz darauf folgte mit Deniz Naki der zweite. Zwei Treffer, die eine Serie beendeten, eine andere aber verlängerten. Die Hamburger schraubten ihren Rekord auf nun 56 Spiele ohne 0:0 und dürfen sich nach dem Sprung auf Platz drei auf das ausverkaufte Spitzenspiel gegen Fortuna Düsseldorf am Freitag freuen.

Das Spiel hier im Live-Ticker zum Nachlesen

Rostock : Walke - Schöneberg, Bülow, Sebastian, Oczipka - Schlitte, Pannewitz (83. Kroos), Retov (80. Kern), Bartels - Schied, Jänicke.

St. Pauli: Hain - Rothenbach, Morena, Gunesch, Lechner - Lehmann, Boll - Kruse (90.+2 Kalla), Bruns (76. Schultz), Hennings (66. Naki) - Ebbers.

Tore: 0:1 Lehmann (77.), 0:2 Naki (84.). Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne). Zuschauer: 21500. Gelbe Karten: Bülow - Lehmann.

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