St. Pauli

Rote Karte für Fußball-Rowdys - Chaos in Hamburg befürchtet

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Der DFB droht im Kampf gegen die Gewalt in den Stadien mit drastischen Urteilen. Sonntag werden in Hamburg Krawalle befürchtet.

Frankfurt/Main. Rote Karte für Fußball-Rowdys: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) droht im Kampf gegen die zunehmende Gewalt in den Bundesliga-Stadien mit noch drastischeren Urteilen."Wir können auch härter, Geisterspiele sind nicht ausgeschlossen. Wer randaliert, dem nehmen wir die Bühne weg", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, der Süddeutschen Zeitung.

Allerdings könnte die Ankündigung einer kompletten Aussperrung der Krawallmacher die ohnehin angespannte Lage zwischen Fans, DFB und Polizei bereits am Wochenende eskalieren lassen. Das Hass-Duell der Zweitligisten FC St. Pauli und Hansa Rostock am Sonntag birgt jede Menge Brisanz. Für Unmut bei den Anhängern beider Lager sorgt vor dem heiklen Spiel eine Verfügung der Hamburger Polizei, dass vor dem Spiel lediglich 500 personalisierte Sitzplatzkarten an Rostocker verkauft werden dürfen. Aus Protest gab der FC Hansa alle 500 Karten zurück.

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Sieben Hansa-Anhänger werden dennoch nach Hamburg reisen, um im ansonsten verwaisten Gästeblock mit Plakaten und Transparenten für den "Erhalt der Fanrechte im Rostocker Zuschauerblock" zu demonstrieren. Das Stadion wird trotzdem zur Hochsicherheitszone: Die Hamburger Polizei wird rund 700 Beamte einsetzen. "Unsere Maßnahme dient der Gefahrenabwehr. Wir werden eine Bannmeile von mehreren hundert Metern rund um das Stadion einrichten", sagte Polizeisprecher Ralf Meyer.

Diese Vorgehensweise könnte sich am Sonntag als Bumerang erweisen. Denn die Fan-Organisationen rechnen unisono damit, dass sich dennoch mehrere Hundert gewaltbereite Rostocker auf den Weg in die Hansestadt machen. Allerdings nicht zum Stadion, sondern in die Innenstadt. Der bereits auf Flyern gesichtete Slogan "Spuk unterm Riesenrad" lässt in Hamburg das Schlimmste befürchten, da dort derzeit das größte Volksfest des Nordens stattfindet. Um 13.12 Uhr wollen sich Chaoten beider Fanlager treffen. Die Uhrzeit (13.12) könnte aber auch als Code zu verstehen sein: Übertragen ins Alphabet ergibt sich die Buchstabenfolge A.C.A.B. - ein gängiges Kürzel in der Hooligan- und Krawallmacherszene. A.C.A.B. steht für "All Cops Are Bastards" ("Alle Bullen sind Schweine").

"Ich bin mir sicher, dass die Leute trotz der Maßnahmen der Polizei nach Hamburg kommen werden", sagte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) und fügte ein Beispiel an: "Vor der WM 1998 in Frankreich hat England eine Million Pfund für eine Kampagne ausgegeben, damit englische Fans nicht ohne Ticket anreisen. Das hatte dann zur Folge, dass 30.000 Engländer kamen, obwohl nur 5000 Tickets hatten." Wilko Zicht vom Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF) erklärte: "Es ist durchaus zu befürchten, dass die Rostocker nach Hamburg fahren. Und es wäre besser gewesen, man hätte diese Leute im Stadion als außerhalb."

Beim DFB und der Polizei stoßen die Fanvertreter mit diesen Argumenten auf taube Ohren. Im Zuge der Urteile in dieser Woche gegen die Bundesligisten Hertha BSC Berlin, 1. FC Nürnberg und 1. FC Köln wurde deutlich, dass der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach den jüngsten Ausschreitungen weniger die Vereine als die gewaltbereiten Fans ins Visier genommen haben.

"Wir wollen mit der neuen Form der Sanktion das Übel an der Wurzel packen und gezielt den Auswärtsfan treffen", sagte Lorenz, der die Urteile gegen Berlin, Nürnberg und Köln als "unüberhörbare Denkanstöße" bezeichnete.

Hertha BSC Berlin muss nach den Jagdszenen im Spiel gegen den1. FC Nürnberg die Zuschauerzahl seines Heimspiels gegen den VfB Stuttgart am 10. April auf 25.000 begrenzen. Die Nürnberger Fans werden für die Auswärtsspiele beim Hamburger SV am 17. April und SC Freiburg am 1. Mai keine Stehplatzkarten erhalten. Zudem muss der Club für die Spiele personalisierte Sitzplatztickets verkaufen. Die Anhänger des 1. FC Köln sind vom Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim am 10. April komplett ausgeschlossen.