Leser fragen Experten

Standort des Heizungssensors

Experten aus der Wohnungsbranche beantworten im Wochenrhythmus Ihre Fragen

Seit Juli 2009 sind wir Eigentümer eines neu erbauten Mittelreihenhauses, das zu den beiden Nachbarhäusern in versetzter Bauweise angeordnet ist. Realteilung liegt vor und wir befinden uns in der Gewährleistungszeit. Der Heizungssensor eines Nachbarhauses ist wegen der versetzten Bauweise an dessen Aussenwand auf unserer Grundstücksseite neben unserem Küchenfenster in 2,31 m Höhe montiert. Wir beabsichtigen, in diesem Bereich in ca. 2,60 m Höhe auf einem Unterbau ein Glasvordach von ca. 2,50 m Tiefe als Regenschutz für die Terrasse anbringen zu lassen. Dieses soll unmittelbar an die Außenwand der Nachbarn heranreichen. Das hätte zur Folge, dass sich der Sensor des Nachbarn unter unserem Glasdach befände und unterUmständen in seiner Funktion gestört würde. Der Sensor müsste sich daher an der Eingangsseite des Nachbarhauses befinden oder zumindest so hoch, dass er sich oberhalb des geplanten Glasdachs befände. Auf tel. Anfrage, ob es eine Beeinträchtigung geben könnte, sagte uns der Heizungsmonteur, der Sensor müsse angeblich an der „Wetterseite“ angebracht sein; eine Schutzbehauptung, wie wir meinen, denn er befindet sich an der Südseite. Die Eingangsseite auch des Nachbarhauses ist hingegen Richtung Osten ausgerichtet. Wir meinen, dass insofern ein baulicher Mangel vorliegt, als wir den genannten Bereich unse-res Grundstücks wegen der Position des Sensors unseres Nachbarn nicht in der gewünschten Weise nutzen können. Unsere Frage ist folgende: Wer hat hier gegen wen den Anspruch auf Versetzung des Sensors?

Der Nachbar wird einen Mängelanspruch gegen den Bauträger haben, weil ein Außentemperaturfühler grundsätzlich an der kältesten Gebäudewand (i.d.R. Nordseite) angebracht werden soll. Ein eigener Anspruch gegen den Bauträger auf Beseitigung des Fühlers dürfte ebenfalls bestehen, weil der Außentemperaturfühler einen Überbau nach § 912 BGB darstellt, wenn unterstellt wird, dass die Nachbarwand direkt an die Grenze gebaut wurde und der Fühler im Luftraum in das eigene Grundstück hineinragt. Der Überbau ist aber zu dulden, weil das Verschulden des Bauträgers dem Nachbarn nicht zugerechnet werden kann und nicht sofort mit der Grenzüberschreitung ein Widerspruch erhoben wurde. Ein solcher entschuldigter Überbau stellt wiederum einen Baumangel dar, der gegenüber dem Bauträger geltend gemachtwerden sollte. Der Bauträger kann hier somit von beiden Eigentümern in Anspruch genommen werden.

Würde der Außentemperaturfühler vor Errichtung des Glasdaches nicht versetzt werden, könnte der Nachbar einen Anspruch aus § 1004 BGB auf Beseitigung der Beeinträchtigung der Wirkungsweise des Außentemperaturfühlers geltend machen.

Experte:

RA Volkmar Meyhöfer

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Rechtsanwälte Klemm & Partner

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