Wende in dem spektakulären Verfahren

Stress und Langeweile: Warum die Sauerland-Gruppe gesteht

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Maike Röttger

Der Terrorprozess in Düsseldorf neigt sich womöglich bald dem Ende. Dem einen Angeklagten ist langweilig, der andere steht unter Stress. Im Hintergrund wird verhandelt.

Hamburg/Düsseldorf. Eigentlich sah es immer so aus, als würde Adem Yilmaz das Gericht einfach provozieren wollen. „Ich stehe nur für Allah auf“, hatte er gleich zu Beginn des Terrorprozesses gerufen und war mehrmals demonstrativ sitzen geblieben, wenn die Richter den hochgesicherten Gerichtsaal betraten. Doch nun ist klar, dass auch noch etwas anderes hinter seinem ignoranten Verhalten steckt: Langeweile! Der „Finanzminister“ der Sauerlandgruppe, der sich mit seinen Komplizen Daniel Schneider, Fritz Gelowicz und Atilla Selek derzeit wegen der Planung einer Serie von Anschlägen gegen US-Einrichtungen in Deutschland vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten muss, hat schlicht keine Lust mehr der komplizierten Gerichtsverhandlung zu folgen. Er gab damit den Anstoß dafür, dass nun alle vier Angeklagten Aussagen angekündigt haben, um die Prozessdauer zu verkürzen. Sie war auf bis zu zwei Jahre geschätzt worden.

Mit großem Interesse wird deswegen nun der nächste Prozesstag erwartet. Bis zum 23. Juni hat der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling den Angeklagten nun Zeit gegeben, ihre Aussagen zu formulieren. Bis dahin wird sich entscheiden, wer von den Angeklagten vor Gericht aussagt und wer seine Aussage vor Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) macht. Diese würden dann wiederum als Zeugen im Prozess gehört.

Bisher sieht es so aus, als würde Yilmaz vor BKA-Beamten reden, Selek im Gerichtssaal. Der Deutsche mit türkischen Wurzel soll laut Anklage für die Gruppe die Zünder besorgt haben, mit denen die Islamisten ihre selbst gebauten Bomben zur Detonation bringen wollten. Selek hatte von Anfang an in dem Prozess erkennbar unter Stress gestanden. Sein Anwalt kündigte nun an, Selek werden „alle Karten auf den Tisch legen“. Gelowicz, der als Rädelsführer gilt, will „gestehen, was es zu gestehen“ gibt. Doch bisher ist noch nichts festgezurrt.

Die Mauer des Schweigens begann schon Mitte Mai zu bröckeln. Damals versuchte Daniel Schneider Yilmaz einen Zettel zuzuschmuggeln mit der Frage: „Wann ist es sinnvoll, dass alle schweigen oder aussagen?“ Damals hatte Richter Breidling schon die Aussagebereitschaft der vier Angeklagten gewittert und ihnen geraten: „Tun Sie das bald, wenn Sie etwas davon haben wollen.“

Jetzt zeigt er sich hocherfreut von der Ankündigung der Aussagen. Das könne einen spürbaren Strafnachlass geben, sagt er, forderte dafür aber auch klare Angaben: „Butter bei die Fische. Alle Karten auf den Tisch – und zwar offen, nicht gezinkt."