Ermordete Polizistin

Ralf Kiesewetter: Meine Tochter kannte keine Nazis

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Der Stiefvater getöteten Polizistin, Ralf Kiesewetter, hat Beziehungen zwischen seiner Tochter und dem Zwickauer Neonazi-Trio dementiert.

Gera/Oberweißbach. Der Stiefvater der getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter hat Beziehungen zwischen seiner Tochter und ihren mutmaßlichen Mördern von der rechtsextremen NSU zurückgewiesen. Weder Michèle noch ihre Familie hätte jemals Kontakt zu Uwe Mundlos oder einem anderen Mitglied des Jenaer Neonazi-Trios gehabt, sagte Ralf Kiesewetter einer thüringer Zeitung. „Frei erfunden ist die Meldung, wonach ich ein Lokal besessen haben soll, in dem sich die rechte Szene traf“, widersprach er anderslautenden Meldungen.

Seine Tochter habe auch niemals gegenüber dem Gasthof in Lichtenhain an der Bergbahn (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) gewohnt, den 2005 ein Jenaer übernahm, welcher offenbar Verbindungen zu Rechtsextremisten unterhielt. „Meine Tochter ist bereits 2003 zur Polizeischule nach Baden-Württemberg gegangen und nur noch zu Besuch nach Oberweißbach gekommen“, sagte Kiesewetter weiter. Zugleich betonte er, dass er nie einen Koch beschäftigt habe, der mit Beate Zschäpe verwandt ist.

Ob die Polizistin ihren späteren Mördern vor der Tat 2007 jemals - bewusst oder unbewusst – begegnete, ist also völlig unklar. Auch dass ihr in Heilbronn gezielt aufgelauert wurde, scheint fragwürdig: Am Tag ihres Todes war Kiesewetter für einen Kollegen eingesprungen, hätte eigentlich Urlaub gehabt. Das BKA hatte vor einigen Tagen von möglichen Beziehungen Michèle Kiesewetters zur Zwickauer NSU-Terrorzelle berichtet.

„Ich glaube nicht, dass Kiesewetter bewusst mit den Neonazis in Kontakt war“, sagt die Thüringer Linke-Abgeordnete Katharina König. Im Moment bestehe die Gefahr, dass in diesem Fall „viel zu schnell Antworten gegeben werden“, die es eigentlich noch nicht gebe. Richtig sei aber auch, dass in einem Nachbarort eine bekannte Neonazi-Aktivistin gewohnt habe. Und dass in der ländlichen Gegend nahezu jeder jeden kenne. „In kleinen Orten können sich die Lebenswege schonmal kreuzen“, sagt auch Weinberg.

Mit Material von dpa und dapd