Plagiats-Affäre

Doktorarbeit wird zum Ernstfall für Guttenberg

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Karsten Kammholz und Nina Paulsen

Immer neue Schummel-Vorwürfe tauchen auf. Die Uni Bayreuth setzt dem Minister eine 14-Tage-Frist zur Klärung der offenen Fragen.

Berlin. Die Plagiats-Vorwürfe gegen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reißen nicht ab. Fast stündlich sind gestern weitere Textpassagen fremder Autoren bekannt geworden, die der CSU-Politiker für seine Doktorarbeit kopiert haben soll, ohne sie entsprechend zu kennzeichnen.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll der CSU-Minister in seiner Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag", die mit der Bestnote "summa cum laude" bewertet wurde, von mindestens 15 Autoren abgeschrieben haben. So findet sich in seiner Dissertation nach Informationen von "Spiegel Online" unter anderem ein Absatz, der einem Beitrag von Ex-Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) mit dem Titel "Fünfzig Jahre Bundesverfassungsgericht" aus dem Jahr 2001 entstammt. Zudem habe Guttenberg Textpassagen aus einem Vortrag des CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab und aus einer Rede des Verfassungsjuristen Gerhard Casper entnommen, ohne deren Herkunft korrekt auszuweisen.

Im Internet tragen Nutzer auf der spontan gegründeten Sammel-Website "GuttenPlag" weitere möglicherweise abgekupferte Passagen aus der 475 Seiten starken Dissertation zusammen, die Guttenberg 2006 bei der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth eingereicht hatte. Mehr als 30 Fundstellen sind dort inzwischen aufgelistet.

Die Hochschule hat den Verteidigungsminister gestern ultimativ aufgefordert, innerhalb von 14 Tagen schriftlich zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte der Präsident der Hochschule, Rüdiger Bormann. Die Universität habe sehr strenge Maßstäbe. "Wir sind gut beraten, diese einzuhalten." Hinweise, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäß verlaufen sei, gebe es nicht.

Falls sich herausstellen sollte, dass Guttenberg bei seiner Arbeit bewusst getäuscht hat, könnte er den Doktortitel verlieren. Der Hamburger Rechtswissenschaftler Ulrich Karpen sagte dem Abendblatt, er halte es für möglich, "dass die Fakultät Herrn zu Guttenberg den Doktorgrad aberkennen wird". Der Minister habe "grob fahrlässig" gehandelt und damit die Wissenschaft beschädigt, sagte Karpen. Während aus der Opposition erste Rufe nach einem Rücktritt Guttenbergs laut wurden, mahnte Christian Schmidt (CSU), parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, "die Kirche im Dorf" zu lassen. Ein materielles Plagiat könne er nicht erkennen, sagte er dem Abendblatt. Der Minister werde die Arbeit jetzt noch einmal durchgehen. "Wenn die bisherigen Fußnoten nicht ausreichen, muss es eine zweite, verbesserte Auflage geben."

Guttenberg selbst hatte die Vorwürfe am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme als "abstrus" bezeichnet. Die Nacht zu Donnerstag verbrachte er bei deutschen Soldaten in Nord-Afghanistan. Der Blitzbesuch sei "lange geplant" gewesen, sagte ein Ministeriumssprecher. Einen Wahlkampf-Auftritt gestern Abend in Sachsen-Anhalt sagte der Verteidigungsminister kurzfristig ab. Stattdessen traf er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin, berichtete das ZDF-"heute journal". Merkel wolle "ein paar Erklärungen" von ihrem Minister.

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