Doktorarbeit von zu Guttenberg

Justizministerin fordert Aufklärung der Plagiatsvorwürfe

Gegen Karl-Theodor zu Guttenberg sind Plagiatsvorwürfe erhoben worden. Leutheusser-Schnarrenberger fordert Aufklärung.

Berlin. Es geht um den Ruf, die Glaubwürdigkeit und vielleicht die Doktorwürde des Verteidigungsministers. Die Universität Bayreuth untersucht Vorwürfe, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe in seiner Jura-Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben, ohne dies kenntlich zu machen. Eine Kontrollkommission der Universität forderte gestern den Minister zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, könnte Guttenberg der Doktortitel aberkannt werden.

Der Minister steht nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" im Verdacht, mehrere Passagen in seiner Doktorarbeit fast wortgleich abgeschrieben, aber die Quellen nicht genannt zu haben. Dies wäre ein Verstoß gegen die Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. Der heutige Verteidigungsminister hatte die Dissertation 2006 an der Uni Bayreuth eingereicht. Sie trägt den Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" und wurde als Buch veröffentlicht.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte Aufklärung. "Die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister sollten ganz in Ruhe aufgeklärt werden", sagte die FDP-Politikerin dem Hamburger Abendblatt. "Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen."

Guttenberg wies die Vorwürfe als "abstrus" zurück. Er sei jedoch bereit zu prüfen, "ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten". Er fügte hinzu: "Sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meiner Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu."

Gestern wurden weitere Fälle bekannt, in denen der Minister Textstellen kopiert haben soll. Ausgerechnet die ersten Sätze der Einleitung seiner mit der Bestnote "summa cum laude" bewerteten Dissertation soll Guttenberg nahezu wortwörtlich aus einem am 27. November 1997 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschienenen Text der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig übernommen haben. Die "Saarbrücker Zeitung" berichtet, Guttenberg werde auch vorgeworfen, Textpassagen eines Tübinger Juristen verwendet und nicht korrekt gekennzeichnet zu haben.

Auch die gebürtige Hamburgerin Sonja Volkmann-Schluck, Schwester eines Abendblatt-Redakteurs, fand in der Dissertation eine Passage aus ihrer Diplomarbeit. "Im ersten Augenblick habe ich mich ein bisschen geehrt gefühlt, dass ausgerechnet Herr Guttenberg meine zehn Jahre alte Diplomarbeit gelesen hat."

Einen ganzen Absatz habe der Minister fast eins zu eins kopiert, ohne Anführungszeichen oder Quellenvermerk. "An anderer Stelle hat er mich korrekt zitiert. Es kommt mir so vor, als wenn er unsauber gearbeitet hat", sagte die Journalistin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte vieldeutig. "Die Bundeskanzlerin hat davon gerade erst erfahren, interessiert sich dafür und glaubt, dass es beim Ombudsmann der Universität Bayreuth in genau den richtigen Händen ist", sagte ihr Regierungssprecher.

Am Mittwochabend traf Guttenberg zu einem Überraschungsbesuch in Afghanistan ein. Ziel sei der Besuch der deutschen Soldaten.