Konflikt

USA verstärken Militärpräsenz am Persischen Golf

Iran meldet erfolgreichen Test von Raketen mit großer Reichweite. Raketen können US-Stützpunkte am Persischen Golf oder Ziele in Israel treffen.

New York/Teheran. Die USA haben nach einem Zeitungsbericht in den vergangenen Monaten ihre Militärpräsenz am Persischen Golf deutlich verstärkt. Ziel sei es, den Iran davon abzuhalten, die Straße von Hormus für Öltanker zu sperren, schreibt die "New York Times“ am Dienstag. Außerdem werde der Druck im Atomstreit mit der Führung in Teheran erhöht. Es seien mehr Kampfflugzeuge in die Region beordert worden, die iranische Raketenstellungen oder Atomanlagen angreifen könnten.

Die Straße von Hormus ist eine strategisch bedeutende Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran. Der Wasserweg verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. An der engsten Stelle ist er nur rund 50 Kilometer schmal.

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Ein Großteil der Ölexporte aus Nahost wird auf der Meeresstraße befördert. Durch das Nadelöhr befördern Tanker nach unterschiedlichen Quellen bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls – unter anderem nach Europa, Fernost und in die USA.

Eine Blockade der Straße von Hormus würde faktisch den Ölexport aus dem Persischen Golf unterbinden. Über Leitungen durch Saudi-Arabien könnte nur ein kleiner Bruchteil der geförderten Menge transportiert werden. Betroffen wäre neben den arabischen Ölstaaten bis hin zum Irak auch der Iran selbst.

Unterdessen meldet der Iran einen erfolgreichen Test von Raketen mit großer Reichweite. Im Rahmen eines dreitägigen Manövers hat der Iran am Dienstag mehrere Raketen getestet, darunter auch solche mit großer Reichweite. Sie sind nach Angaben aus Teheran in der Lage, US-Stützpunkte im Persischen Golf oder Ziele in Israel zu treffen. Das Manöver dürfte die ohnehin gewachsenen Spannungen in der Region weiter anheizen.

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Die Tests seien eine Reaktion auf die Weigerung Israels und der USA, Angriffe auf den Iran wegen dessen Atomprogramm auszuschließen, erklärte der Kommandeur der Revolutionsgarde, General Hossein Salami, im staatlichen Fernsehen. "Es ist eine Reaktion auf die politische Unhöflichkeit derer, die davon reden, alle Optionen lägen auf dem Tisch“, sagte Salami.

Die Boden-Boden-Raketen hätten ihre Ziele getroffen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Der halbamtlichen Agentur Fars zufolge wurden unter anderem Raketen vom Typ Schahab-3 getestet. Sie hätten eine Reichweite bis zu 1.300 Kilometern, berichtete Fars unter Berufung auf den Leiter der Luft- und Raumfahrtdivision der Revolutionsgarden, General Amir Ali Hadschisadeh. Mit den Tests sollten die Genauigkeit und die Effektivität der Sprengköpfe und Waffensysteme überprüft werden, erklärte der General.

In der Vergangenheit hat der Iran bereits eine Variante der Schahab-3 mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern getestet. Israel liegt etwa 1.000 Kilometer von der Westgrenze des Irans entfernt, die Fünfte Flotte der US-Marine ist in Bahrain stationiert, etwa 200 Kilometer vom Iran entfernt.

Teheran hält im Jahr mehrere Großmanöver ab. Die jetzige Übung fällt mit dem Beginn eines von Europa verhängten Ölembargos zusammen, das am Sonntag in Kraft trat und den Druck auf den Iran zur Einstellung seines mutmaßlichen Atomwaffenprogramms verstärken soll. Israel hatte im Atomstreit mit der Regierung in Teheran in den vergangenen Monaten einen möglichen Militäreinsatz gegen den Iran angedeutet. Die USA und ihre Verbündeten verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an der Entwicklung von Kernwaffen zu arbeiten. Der Iran weist dies zurück.

Nach drei erfolglosen Verhandlungsrunden im Atomstreit mit Teheran trifft sich am heutigen Dienstag eine Expertenkommission der sogenannten 5+1-Gruppe mit iranischen Vertretern in Istanbul. Die Gespräche sollen zumindest auf niedriger diplomatischer Ebene am Leben erhalten werden, nachdem die letzten Verhandlungen in Bagdad mit Chefunterhändlern beider Seiten gescheitert war.

Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China – sowie Deutschland befürchten, der Iran könne unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an der Entwicklung von Kernwaffen arbeiten. Die Regierung in Teheran weist dies zurück und will an der Urananreicherung festhalten. Die USA und ihre Verbündeten hatten in den vergangenen Monaten scharfe Sanktionen gegen den Iran verhängt. Seit Sonntag ist ein Öl-Embargo der EU in Kraft.

(dpa, dapd)