Iran-Krise: Deutschland ruft Botschafter aus Teheran zurück

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Eskalation im Atomstreit. London weist Diplomaten aus. Mullah-Regime droht dem Westen mit neuen Raketen

London. Der Atomstreit zwischen dem Iran und dem Westen wird zum offenen Konflikt. Nach der Erstürmung seiner Botschaft in Teheran verwies Großbritannien gestern alle iranischen Diplomaten des Landes. Die Gesandtschaft in London muss binnen 48 Stunden geschlossen werden. Das Mullah-Regime seinerseits wies alle britischen Botschaftsangehörigen aus.

Viele Länder erklärten sich solidarisch mit Großbritannien. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief den deutschen Botschafter aus Teheran nach Berlin zurück. Die Bundesregierung nannte die Erstürmung der Botschaft und eines zu ihr gehörigen Geländes, auf dem auch die Deutsche Schule liegt, eine "grobe Verletzung des Völkerrechts".

Auch der Uno-Sicherheitsrat und die Europäische Union verurteilten es scharf, dass die iranischen Sicherheitsbehörden tatenlos zusahen, als Hunderte Demonstranten auf das exterritoriale Gelände vordrangen. Ungehindert konnten sie britische Fahnen anzünden und Bilder von Königin Elizabeth II. von den Wänden reißen. Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani warnte, der diplomatische Konflikt könne weltweite "negative Auswirkungen" haben. Es gebe eine "Instabilität im internationalen Sicherheitsgefüge".

Gleichzeitig meldete die staatliche Nachrichtenagentur Fars, dass die iranische Marine mit einem besonders präzisen Raketentyp ausgerüstet werde. Die Raketen hätten eine Reichweite von 200 Kilometern und könnten Schiffe und feindliche Ziele zu Land angreifen. Nach Ansicht von Beobachtern deutet das Regime in Teheran damit an, dass es den Westen auch von der Erdölversorgung durch die arabischen Golfländer abschneiden könnte. Erst vor Wochen hatte die Internationale Atomenergiebehörde von klaren Indizien gesprochen, dass Teheran an Atombomben arbeite. Israel machte mehrfach klar, dass es eine Produktion iranischer Kernwaffen nicht dulden werde.

Die EU will im Streit mit dem Iran nun die Sanktionen verschärfen. Die Außenminister wollen darüber beraten, auch die Öleinfuhren aus dem Iran zu verbieten und Geschäfte mit der Zentralbank des Iran zu untersagen.