Iran droht mit Seewegblockade

USA: Wir sind bereit, böswillige Aktionen zu kontern

Washington kündigt an, eine Ölblockade durch den Iran nicht zu tolerieren. Langfristig rüsten die USA ihre Verbündeten in Nahost auf.

Teheran. Das Säbelrasseln zwischen Washington und Teheran wird aggressiver: Eine iranische Blockade der Straße von Hormus werde die USA "nicht tolerieren", warnte Washington die Regierung in Teheran. Die Marine sei „immer bereit, böswillige Aktionen zu kontern, um die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten“, so eine Sprecherin der 5. Flotte der US-Marine am Mittwoch. Die Straße von Hormus ist eine bedeutende Schifffahrtsstraße zu den Ölhäfen Irans und der Golfstaaten. Durch die Wasserstraße am Persischen Golf wird rund ein Sechstel der weltweiten Öllieferungen transportiert. Die USA verlassen sich jedoch nicht ausschließlich auf Sanktionen. Langfristig versucht Washington, seinen erbittersten Gegner im Nahen Osten durch Waffenlieferungen an seine Verbündeten und dem Iran feindlich gestimmte Staaten zu schwächen. Saudi-Arabien etwa soll 84 Kampfjets von den USA erhalten.

+++"Es wird keine Schließung geduldet"+++

Eine Sperrung der Straße von Hormus würde Teheran nach Auffassung des iranischen Marinekommandeurs Admiral Habibollah Sajjari vor keine größeren Probleme stellen. Die iranischen Streitkräfte hätten die Kontrolle über die Meerenge und könnten sie leicht schließen, sagte Sajjari dem staatlichen Fernsehsender Press TV am Mittwoch. Bereits am Dienstag hatte der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi mit der Schließung der Straße von Hormus gedroht, sollte der Westen seine Sanktionen auf iranische Ölexporte ausdehnen. Um die Meeresenge zu schließen, müsste die iranische Marine die Wasserstraße verminen und einige passierende Schiffe direkt angreifen, sagte der Analyst am Militärinstitut für den Nahen Osten und die Golfregion in Dubai, Theodore Karasik. „Sie müssten fremdes Eigentum physisch angreifen. Jeder in der Region wird versuchen, sie zu stoppen“, sagte Karasik. Derzeit findet in internationalen Gewässern nahe der Straße von Hormus ein zehntägiges Manöver der iranischen Marine statt. An den Übungen sind seit Sonnabend auch U-Boote und Drohnen beteiligt. Zudem werden Raketen und Torpedos getestet.

Aus offizieller Quelle in Teheran verlautete, der Iran hätte einen US-Flugzeugträger während eines iranischen Manövers nahe einer strategisch wichtigen Wasserstraße aufgenommen. Dies zeige, dass die iranische Marine „Bewegungen ausländischer Kräfte beobachtet“, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA Konteradmiral Mahmoud Mousavi am Donnerstag. Die Agentur machte keine weiteren Angaben und teilte auch nicht mit, welcher US-Flugzeugträger fotografiert und auf Video aufgenommen wurde.

Eine mögliche Blockade der Meerenge wäre nach Ansicht der Energieexpertin Claudia Kemfert beherrschbar. Sollte es wirklich zu einer kompletten Schließung dieser wichtigen Handelsroute kommen, falle zwar ein wichtiger Öl-Transportweg weg, sagte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch „Handelsblatt Online“. Doch würde dies nicht sofort zu Engpässen führen, da teilweise auf alternative Transportrouten ausgewichen werden könne und es ein Überangebot an Öl auf dem internationalen Markt gebe.

Nach den Drohungen aus Teheran erklärten die Golfstaaten, sie könnten ausfallende iranische Öllieferungen auf dem Weltmarkt ersetzen. Sie seien vorbereitet, einen möglichen Verlust iranischen Öls auszugleichen, teilte ein ranghoher Vertreter des saudischen Ölministeriums am Dienstag mit. Angesichts der saudischen Ankündigung gab der zuvor angestiegene Ölpreis am Mittwoch nach. Im vormittäglichen Handel ging der Preis für Rohöl in New York um 1,99 Dollar oder rund zwei Prozent auf 99,35 Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter) zurück. In London fiel der Preis für ein Barrel Rohöl um 2,20 Dollar auf 107,07 Dollar. Der Iran ist mit täglich rund vier Millionen Barrel Rohöl der zweitgrößte Produzent innerhalb der Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC). Die Umsätze aus dem Ölexport machen etwa 80 Prozent der Staatseinnahmen aus.

Kampfjets für Saudi-Arabien

Die US-Regierung ist offenbar zum Verkauf von F-15-Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien im Wert von 30 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) bereit. Das arabische Königreich soll 84 neue Flugzeuge erhalten und 70 weitere sollen aufgerüstet werden, hieß es in Regierungskreisen. Vor etwa einem Jahr stimmte der US-Kongress einem auf zehn Jahre angelegten Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien im Wert von 60 Milliarden Dollar zu. Darin enthalten war der Verkauf von F-15-Flugzeugen, Hubschraubern, verschiedener Raketen, Bomben sowie Radarwarnungssystemen und Nachtsichtgeräten. Einige Abgeordnete stimmten dem Geschäft erst zu, nachdem ihnen versichert wurde, dass es keine Bedrohung für die militärische Überlegenheit Israels in der Region darstelle.

Mit Material von dpa/dapd