Europa bangt - wie weise sind die Griechen?

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Karsten Kammholz, Olaf Preuß und Christoph Rybarczyk

Das Volk soll über das Sparpaket abstimmen. Aktienkurse brechen weltweit ein. Experten geben Tipps für sichere Anlagen in der Krise

Athen/Berlin. Das Aufatmen währte nur kurz: Überraschend ist die Griechenland-Krise mit voller Wucht wieder ausgebrochen. Nach der Ankündigung von Premierminister Giorgos Papandreou, eine Volksabstimmung über die Sparbeschlüsse anzuberaumen, stürzten die Aktienkurse weltweit ab. Der deutsche Leitindex DAX verlor fünf Prozent. In Griechenland brach eine Regierungskrise aus. Viele europäische Politiker reagierten bestürzt.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Euro-Gipfel ein neues Milliardenpaket und einen 50-prozentigen Schuldenschnitt für das Land auf den Weg gebracht. Jetzt fürchten Experten, dass die Griechen die vereinbarten sozialen Einschnitte in dem Referendum ablehnen werden. Damit wäre die europäische Hilfe hinfällig. Griechenland stünde vor der Pleite.

Schon heute wollen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu Krisenberatungen in Cannes (Südfrankreich) treffen, noch vor dem dort geplanten G20-Gipfel. Sie mahnten Griechenland, sich an die getroffenen Vereinbarungen zu halten.

Ähnlich äußerte sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Es wäre hilfreich, wenn so rasch wie möglich Klarheit geschaffen würde, welchen Weg Griechenland gehen möchte", sagte er dem Abendblatt. Schäuble erinnerte daran, dass die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone in der vergangenen Woche ein umfassendes Paket zur Stabilisierung der Euro-Zone beschlossen hätten, "inklusive der Eckpunkte für ein zweites Hilfspaket für Griechenland". Die Bundesregierung gehe davon aus, "dass Griechenland sich seiner Verantwortung bewusst ist und die gemeinsam und einstimmig beschlossenen Maßnahmen weiter mittragen wird".

Papandreou hatte betont, er wünsche sich ein klares Ja oder Nein von den Griechen. Über den genauen Wortlaut der Frage oder den Zeitpunkt des Referendums sagte er nichts. Papandreou will außerdem am Freitag im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Seine Sozialisten verfügen dort nur noch über eine Mehrheit von zwei Stimmen. Doch gestern Abend eskalierte die innenpolitische Krise: Selbst Papandreous eigene sozialistische Partei Pasok rebellierte gegen ihn und forderte die Bildung einer "Regierung der nationalen Rettung". Beobachter hielten einen schnellen Rücktritt des Premiers für möglich.

Der in Hamburg ausgebildete Anwalt Alkiviadis Pappas sagte dem Abendblatt in Athen: "Papandreou macht das, um innenpolitisch mehr Stabilität zu gewinnen. Die Regierung würde das sicherlich nicht riskieren, wenn sie sich eines positiven Ausgangs nicht ganz sicher wäre - und das Ergebnis kann man durch die Fragestellung ja maßgeblich beeinflussen." Erst am 24. Oktober seien neue Regeln für eine Volksabstimmung - die erste seit 1974 - still und heimlich im griechischen Gesetzblatt veröffentlicht worden. Die Griechen wollten keine Neuwahlen und keinen Austritt aus der Euro-Zone.

Wie sollten sich Anleger verhalten? Im Abendblatt warnen Experten vor den Risiken einer Aktien-Anlage und raten vom Neuabschluss von Lebensversicherungen ab. Als sicher gelten nur Tages- und Festgeld.