Moskauer Geiselnehmer stellen Ultimatum bis Sonnabend

Mutmaßliche Terroristen forderten "unverzügliches" Ende des Tschetschenienkrieges, berichtet die Angehörige einer Geisel. Ansonsten würden die ersten Menschen erschossen.

Moskau. Die tschetschenischen Geiselnehmer mehrerer hundert Menschen in Moskau haben der russischen Staatsführung ein neues Ultimatum gestellt. Sollten die Forderungen nicht unverzüglich erfüllt werden, würden am Samstagmorgen die ersten Geiseln erschossen werden.

Das sagte die Angehörige einer Geisel am Freitag der Deutschen Presseagentur (dpa) nach einem Telefonat mit ihrem in der Konzerthalle festgehaltenen Vater. Die mutmaßlichen muslimischen Rebellen fordern das Ende des Krieges in Tschetschenien und den Abzug russischer Truppen aus der Kaukasusrepublik.

Zuvor hatten die etwa 50 Besetzer des Musical-Theaters 15 Geiseln freigelassen, darunter acht Kinder. Die Minderjährigen sollen nach Angaben des Roten Kreuzes körperlich unversehrt sein. Die vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB nach Verhandlungen angekündigte gestellte Freilassung der 75 Ausländer unter den 600 bis 800 Geiseln kam jedoch zunächst nicht zustande.

Hoffen auf Freilassen der Kinder

Der russische Parlamentsabgeordnete Dmitri Rogosin sagte der Nachrichtenagentur Interfax, es gebe die Hoffnung, dass eine weitere Gruppe von Kindern freigelassen werde. Dagegen wurden die Verhandlungen zur Freilassung der Ausländer am Morgen plötzlich abgebrochen, wie der US-Generalkonsul in Moskau, James Warlick, mitteilte.

Die beiden russischen Parlamentsabgeordneten Irina Chakameda und Josif Kobson hatten nach Gesprächen mit den Geiselnehmern am Donnerstag erklärt, sie wollten alle Gefangenen aus Ländern freilassen, die "mit Tschetschenien nicht im Krieg" sind. Unter den Geiseln sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes mindestens zwei Deutsche sowie Briten, Amerikaner, Niederländer, Österreicher und Australier.

Über die Situation im Inneren des Theaters gab es am Freitag widersprüchliche Angaben. Eine der Geiseln, Anna Adrianowa, sagte dem Radiosender Echo Moskau: "Wir sind sicher und gesund, es ist warm und wir haben Wasser." Eine andere Geisel sagte jedoch, die Situation sei angespannt. Den Gefangenen fehle es an Wasser, und sie müssten den Orchestergraben als Toilette benutzen.

Geiseln äußern Sympathie für Rebellen

Einige der Geiseln begannen nach Angaben von Geheimdienstsprecher Sergej Ignatschenko damit, Sympathien für die Forderungen der Geiselnehmer zu zeigen. Sie riefen ihre Angehörigen zu Demonstrationen für ein Ende des Tschetschenien-Krieges auf. In der Nähe des Theaters versammelten sich am Morgen etwa 100 Demonstranten mit Plakaten. Sie forderten den Abzug der russischen Truppen aus dem Kaukasus.