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Glaube, Heimat, FDP: Merkel stellt Röslers Biografie vor

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Mit 38 Jahren blickt er zurück auf eine steile Karriere: Ausgerechnet Kanzlerin Merkel soll mitten im Euro-Streit Röslers Porträt vorstellen.

Berlin/Hamburg. Er ist 38 Jahre jung, Bundeswirtschaftsminister, Vizekanzler und wollte ursprünglich mit Mitte 40 aus der Politik aussteigen. Philipp Rösler (FDP) hält mit seiner Beharrlichkeit im Streit um die Euro-Rettung und Griechenland-Hilfen das politische Deutschland in Atem. Und nun soll seine zur fast Gegenspielerin gewordene Chefin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – die Biografie des Mannes vorstellen, der es vom vietnamesischen Waisenkind in die Beletage der Politik brachte. Der Termin am 27. September verspricht reichlich Spannung. Denn die Stimmung in der schwarz-gelben Koalition ist unter anderem wegen der Euro-Rettung angespannt. Rösler hat zuletzt seine umstrittene Spekulation über eine mögliche Insolvenz Griechenlands mehrfach wiederholt – und dabei Warnungen der Kanzlerin ignoriert.

Das 156 Seiten starke Buch mit dem Titel „Philipp Rösler – Ein Porträt. Glaube. Heimat. FDP.“ ist vom Journalisten Michael Bröcker geschrieben worden. Bröcker ist Leiter der Berliner Parlamentsredaktion der „Rheinischen Post“. Das Werk erscheint im Leipziger St. Benno-Verlag. Entstanden sei ein sehr persönliches Buch, das auf vielen Gesprächen des Autors mit Rösler basiere, aber auch die Aussagen von Weggefährten, Freunden und politischen Gegnern einbeziehe. So heißt es beim Verlag. Ergänzt wird die Biografie durch private Fotos und ein Interview mit Röslers Ehefrau Wiebke. Sie haben Zwillinge.

Unterdessen pocht FDP-Chef Rösler trotz des Machtworts von Merkel auf eine Debatte über die finanzielle Zukunft Griechenlands. „Ich tue das, was ich für richtig halte“, sagte Rösler auf der Wahlkampfabschlussveranstaltung der Berliner FDP. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass der deutsche Steuerzahler für die Schulden in anderen Staaten haftet“, sagte er. Rösler sprach sich für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone aus. Es müsse aber „automatische Sanktionsmechanismen“ und „Schuldenbremsen in allen nationalen Verfassungen“ geben.

Der härtere Kurs der FDP-Spitze in der Euro-Politik scheint sich auszuzahlen: Im ARD-Deutschlandtrend legen die Liberalen erstmals wieder in der Wählergunst zu. Sie könnten mit fünf Prozent der Stimmen rechnen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als beim vorigen Deutschlandtrend. Die Union sinkt in der am Freitag veröffentlichten Umfrage um zwei Punkte auf 33 Prozent. Für den Deutschlandtrend befragte Infratest dimap am Dienstag und Mittwoch – also nach den umstrittenen Äußerungen von Rösler – 1001 Wahlberechtigte. Die SPD kommt laut Umfrage auf 30, die Grünen auf 19 und die Linken auf sieben Prozent. Die Unzufriedenheit mit dem Kurs der Bundesregierung in der Euro- und Schuldenkrise bleibt groß. Erneut äußerten zwei Drittel der Befragten die Meinung, die Regierung habe etliche Fehlentscheidungen getroffen. (abendblatt.de/rtr/dpa)