Berlin. Wie steht es um die Wirtschaft in Deutschland? Bei “Maybrit Illner“ kamen Experten zu Wort. Und siehe da: Der Talk wurde erhellend.

Stagnierendes Wachstum, ausbleibende Investitionen: Die deutsche Wirtschaft gibt Anlass zur Sorge. So sehr, dass sogar die Ampel nicht mehr umhin kam, die Dinge bei der Klausur in Meseberg klar zu benennen und das Wachstumschancengesetz noch etwas aufzubohren.

Wie kommt es zu den Problemen – und wie könnte eine Lösung aussehen? Darüber wurde am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" diskutiert.

"Maybrit Illner": Das waren ihre Gäste am Donnerstag (31. August)

  • Verena Hubertz (SPD), stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion und ehemalige Unternehmerin
  • Claus Ruhe Madsen (CDU), Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein und langjähriger Unternehmer
  • Marie-Christin Ostermann, Unternehmerin und frühere Politikerin, seit 2023 Präsidentin des Verbandes "Die Familienunternehmer"
  • Veronika Grimm, Wirtschaftswissenschaftlerin und Wirtschaftsweise
  • Marcel Fratzscher, Ökonom und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Deutschland: Der neue kranke Mann des Kontinents?

Einen guten Teil der Debatte verwendete die Runde auf die Frage, ob Deutschland der neue "kranke Mann Europas" sei. Veronika Grimm sah dafür zumindest Indizien. "Es gibt eine gewisse Gefahr, dass wir aus der Krise nicht so gut rauskommen", sagte die Ökonomin und sogenannte Wirtschaftsweise. Ursächlich seien viele Faktoren: Die veraltende Infrastruktur, geopolitische Risiken wie China – aber auch der Fachkräftemangel.

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Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht bei
Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht bei "Maybrit Illner" die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr aus der Krise herauskommt. © ZDF/Svea Pietschmann | ZDF/Svea Pietschmann

Der Ökonom Marcel Fratzscher nannte noch weitere Gründe: Deutschland hänge enorm von Exporten ab und spüre so besonders, dass die Weltwirtschaft nicht rund laufe. Außerdem dämpfe die hohe Inflation den Konsum, auch weil viele Löhne kaum gestiegen seien.

Eine weitere Perspektive brachte Claus Ruhe Madsen ein. "Wir sind nicht der kranke, aber der dicke Mann", sagte der CDU-Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein. Deutschland sei träge geworden. "Uns gefällt Transformation nicht. Wir wollen uns lieber zurücklehnen." Dabei brauche es gerade jetzt mehr Mut – und viel weniger Bürokratie.

Debatte bei "Maybrit Illner": Kann ein Industriestrompreis helfen?

Ein entscheidender Faktor für die Probleme ist, dass Deutschland eine große energieintensive Industrie hat – und Energie seit dem russischen Krieg gegen die Ukraine viel teurer geworden ist. Dagegen könnte ein subventionierter Industriestrompreis helfen, der nach den Vorstellungen der Verfechter zumindest den großen Konzernen zugutekommen sollte.

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Verena Hubertz setzte sich in der Runde dafür ein. Es gelte, der besagten Industrie eine Brücke in eine Zukunft zu bauen, in der Energie dank der ausgebauten Erneuerbaren wieder günstiger sei. Auch gelte, dass viele kleinere Unternehmen von den großen abhängig seien. Das man ersteren nicht direkt helfen könne, sei bedauerlich, aber: "Wir können nicht alles künstlich unterstützen."

Marie-Christine Ostermann regte das zu Kritik an. Das Instrument sei eine "krasse Wettbewerbsverzerrung", weil alle Unternehmen den Vorteil weniger letztlich bezahlen müssten. Das stimmte, wenn für die Kosten – im Gespräch sind 30 Milliarden Euro – die Steuern erhöht würden. "Das wäre eine Katastrophe, wenn der Industriestrompreis käme", warnte die Unternehmerin.

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Experte: Wir sind gut darin uns schlecht zu reden

Der überraschende Gedanke kam schließlich von Marcel Fratzscher, der darauf hinwies, dass man auch nicht zu sehr Schwarzmalen dürfe. "Wir sind sehr gut darin, uns schlecht zu reden", sagte der Ökonom. Deutschland habe ein sehr erfolgreiches Jahrzehnt erlebt und sei jetzt Opfer seines eigenen Erfolgs. Dabei sei es wichtig, sich jetzt auch an die eigenen Stärken zu erinnern, mahnte Fratzscher. Nur dann könne es den Mut geben, die Transformation anzugehen.

Diese Ausgabe von "Maybrit Illner" machte deutlich, dass es sich lohnen kann, eine Runde mit mehreren Expertinnen und Experten zu besetzen. Auch wenn Grimm und Fratzscher nicht immer einer Meinung waren, bereicherten sie doch die auch sonst recht informative Debatte. Eine Talkshow, durch die man die Dinge besser versteht – das ist doch auch mal was.

Zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek.