Krawalle im Schanzenviertel

Polizist Björn Buck: "Ich hatte Angst um mein Leben"

Der Hauptkommissar und Gewerkschafter stand mit nur 17 Kollegen 50 Gewalttätern gegenüber. Er kam mit Prellungen ins Krankenhaus.

Björn Buck ist ein Kerl von einem Mann: Stämmig, stoisch, stark und durch kaum etwas zu erschüttern. Großeinsätze hat der Polizist in rauen Mengen erlebt. Umgehauen hat ihn das bisher nie. Doch nach der Krawallnacht in der Schanze, deren Ende er im Krankenhaus erlebte, sagt der aktive Polizeigewerkschafter, der als einer von 50 Polizisten bei dem Einsatz verletzt wurde: "Ich hatte zum ersten Mal wirklich Angst."

Als Dienstgruppenleiter im Polizeikommissariat 16 an der Lerchenstraße, der Wache, die Randalierer kurzzeitig zu stürmen versuchten und vor der sie ein Auto anzündeten, kennt Buck das Viertel in- und auswendig. "Ich identifiziere mich mit der Schanze", sagt Buck, Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). In der Nacht zum Sonntag war ihm ein Zug der Alarmhundertschaften unterstellt. Bucks Auftrag lautete zunächst, Raumschutz an der Max-Brauer-Allee zu gewährleisten. Schnell, sehr schnell sei es damit vorbei gewesen, sagt Buck. Als es auf der Piazza am Schulterblatt Steine und Flaschen regnete, habe er gesehen, dass er den Kollegen helfen musste. Seine Gruppe rannte mitten hinein in die Linien der Gewalttätigen.

Im Laufschritt wurde der Trupp weitergeschickt, als an der Wache 16 ein Streifenwagen brannte. Buck und seine Leute verfolgten die Verdächtigen bis zur Thadenstraße, immer eingedeckt mit, so Buck, "unfassbaren Mengen an Flaschen und Steinen". An der Thadenstraße warfen die vermummten Randalierer mit Baulampen auf die Beamten. Mit 17 Kollegen stand Buck einer Menge von rund 50 Gewaltbereiten gegenüber. Trotzdem gelang es den Beamten, ein Drohszenario aufzubauen, das dem reinen Selbstschutz diente. Buck: "Sie haben nicht gemerkt, dass man uns hätte überrennen können."

Weiter ging es am Neuen Pferdemarkt. Wieder flogen Böller und Flaschen auf die Beamten, denen nach mehreren Stunden unter Vollschutz die Kräfte schwanden. Zeit, ein Wasser zu trinken, hatten die Beamten kaum. Am Paulinenplatz, wo Bucks Team einer anderen, in massive Not geratenen Einheit helfen wollte, sah er Vermummte, die sich mit Wurfmaterial bewaffneten und einen Sportwagen aufschaukelten, um ihn auf die Straße zu ziehen. Buck und seine Kollegen rannten auf die Täter zu. In diesem Moment trafen den Zugführer zwei Steine: Einer am Helm, der zweite, Sekundenbruchteile später, am Knie. Buck sackte zusammen. "Ich bekam Angst", erzählt er. "Echte Angst, dort nicht mehr herauszukommen." Angesichts der eigenen Verwundbarkeit sei ihm die Absurdität der Situation bewusst geworden. Sein Hundertschaftsführer habe ihn dann "aus dem Spiel genommen", wie Buck es formuliert.

Im Rettungswagen sei ihm das Zittern gekommen. "Wenn es einem aus dem Nichts die Beine wegreißt, das ist ein Schock", sagt der Hauptkommissar. Zudem belastet ihn, dass scheinbar ganz normale Leute diese unfassbare Feindseligkeit an den Tag legten. Eine Frau, die er bat, die Straßenseite zu wechseln, trat nach ihm. Menschen, die ihn eben noch anlächelten, warfen Sekunden später Flaschen auf ihn - ohne Hemmungen. Die Frage, ob der Einsatz aus seiner Sicht gut verlaufen ist, beantwortet der krankgeschriebene Polizist mit einem Lächeln: "Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen", sagt er. "Aber ich glaube nicht, dass die Lage zu jeder Zeit unter Kontrolle war."