Hamburgs bester Stadtteil

Eimsbüttel: Wo Grün ein Zuhause hat – und alle hinwollen

Hamburgs bester Stadtteil: Eimsbüttel! Altbaufassaden an der Osterstraße gegenüber Karstadt. Die meisten Wohnungen stammen aus dem "Bauboom" nach 1860.

Hamburgs bester Stadtteil: Eimsbüttel! Altbaufassaden an der Osterstraße gegenüber Karstadt. Die meisten Wohnungen stammen aus dem "Bauboom" nach 1860.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Wo ist Hamburg am schönsten? 50 leidenschaftliche Plädoyers. Teil 45: Gastro-Mekka, Suppenküche und eine Gefahr...

Hamburg. "Eimsbüttels Lage ist sehr romantisch und durch Natur und Kunst verschönert. Mehrere reiche und geschmackvolle Garten-Anlagen und viele Wirtshäuser machen das Dorf zu einem der vorzüglichsten Versammlungsörter der eleganten Welt.“

Das erklärte schon 1827 ein Heinrich Meyer in seinem „Handbuch für Fremde und Einheimische“. Damit ist doch alles gesagt. Natürlich ist Eimsbüttel Hamburgs bester Stadtteil, das wissen wir Eimsbütteler ohnehin. Das bemerken aber seit einigen Jahren auch immer mehr Auswärtige und strömen zunehmend in unser Kerngebiet.

Gerne kommen sie zum Osterstraßenfest, einst nur ein Straßen-Flohmarkt am ersten Maiwochenende, der sich zu einem lauten und lustigen „Alstervergnügen 2.0“ entwickelt hat. 2020 findet es zum 35. Mal statt, der Auftakt der Hamburger Freiluft-Feten-Saison mit Bühnen, Buden, Bier und Brimborium. Herzlich Willkommen in Eimsbüttel.

Eimsbüttel: Dörfliche Idylle und nachbarschaftliche Nähe

Tatsächlich wollen immer mehr Hamburger und Quiddjes dauerhaft teilhaben an unserer Mischung aus dörflicher Idylle und nachbarschaftlicher Nähe, an den kulinarischen Verwöhnungen aus aller Welt, an den Grünzügen, die – teils verborgen – mitten im Viertel allerbeste Erholung bieten, am erstklassigen Sportangebot, Shoppingmöglichkeiten – kurz: an der herausragenden Lebensqualität. Und das alles per U-Bahn nur 15 Minuten vom Rathausmarkt entfernt.

Gute Idee übrigens: U-Bahn. Denn Auto und Eimsbüttel, das ist ein schwieriges Kapitel. Insbesondere im Hinblick auf Parkplätze in den engen Anwohnerstraßen. Fahrradwege gibt es dafür immer mehr. Gut so. Der acht Millionen Euro teure Umbau der Osterstraße vor zwei Jahren erzwingt nun ein rücksichtsvolleres Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Die Möglichkeiten für Fußgänger und Radler wurden verbessert, verzweifelte oder rücksichtslose Pkw-Führer stellen ihre Lieblinge dafür gern mal auf den Mittelinseln ab.

Die Osterstraße hat nach dem Zweiten Weltkrieg die zerstörte Eimsbütteler Chaussee als Hauptstraße unseres Stadtteils abgelöst. Insbesondere der „obere“ Teil zwischen Schulweg und Methfesselstraße ist ein schillerndes Gastro- und Shoppingrevier geworden. Manche sagen, es habe in Hamburgs Grünen-Hochburg bereits eine „Lattemacchiatisierung“ eingesetzt, eine gastronomische Gentrifizierung mit entsprechenden Preisen.

Bratwurst bei Karstadt: Der Fettgeruch zieht Kunden an

Aber neben Pasta, griechischen Mezes oder Thai-Currys gibt es auch immer noch die gute, alte Dönerbude und die Bratwurst im Karstadt-Bunker, deren Fettgeruch die einen anzieht – und andere auf die gegenüberliegende Straßenseite zum Biosupermarkt treibt.

Es gibt aber auch eine ganz andere Seite im Stadtteil. Wir müssen nur genau hinschauen. Dann erkennen wir auch dort Eimsbüttels Gemeinsinn und Solidarität. An der Bundesstraße direkt gegenüber dem Eimsbütteler Turnverband betreibt die Diakonie eine Tagesaufenthaltsstelle für Wohnungslose. Sie können hier duschen, haben eine Postadresse, bekommen Rat und ärztliche Hilfe.

Für 50 Cent erhalten Wohnungslose täglich eine warme Mahlzeit, 1,50 Euro kostet es, wenn man eine Wohnung hat. „Wir geben jeden Tag etwa 100 bis 200 Essen aus“, sagt die Leiterin Melanie Mücher, „die Menschen kommen aus ganz Hamburg hierher.“

Eimsbüttel: Das sind die Fakten

  • Einwohner: 58.196
  • Davon unter 18: 7446
  • Über 65: 7368
  • Durchschnittseinkommen: 37.536 € (2013)
  • Fläche: 3,3 km²
  • Anzahl Kitas: 63
  • Anzahl Schulen: 7 Grundschulen; 2 Gymnasien
  • Wohngebäude: 3264
  • Wohnungen: 34.348
  • Niedergelassene Ärzte: 290
  • Straftaten im Jahr 2018: Erfasst: 3957; Aufgeklärt: 1262

Das ist in der Suppenküche in der St.-Bonifatius-Kirche anders. Hier, an der Straße Am Weiher neben dem wunderbaren Eimsbütteler Park mit seinem Ententeich, den alten Weiden und dem satten Grün, werden rund 50 bis 60 Gäste seit bald 25 Jahren jeden Sonnabend mit kostenlosem Eintopf, Kuchen, Keksen, Obst, Kaffee, Tee und Wasser versorgt.

„Der Bedarf dafür ist eindeutig da“, sagt Tobias Emskötter (65), der die Suppenküche mit etwa 25 ehrenamtlichen Helfern in der katholischen Gemeinde organisiert. „Wir haben viele Stammgäste, sehr viele Rentner. Fast alle leben in eigenen Wohnungen. Das Thema hier sind Altersarmut und Einsamkeit.“ Im Eimsbütteler Kerngebiet sind 64 Prozent Singlehaushalte.

Jedes Eckchen wird bebaut

Viele Menschen leben schon sehr lange hier, oft in Altbauwohnungen aus der Bauboom-Zeit nach 1860, als nach Aufhebung der Torsperre das Gebiet zur Ansiedlung systematisch erschlossen wurde. Von großbürgerlichen Luxuswohnungen etwa an der Eichenstraße über die „Hamburger Burg“ im Stellinger Weg bis zu Hinterhöfen zum Beispiel an der Weidenallee wurde für jeden Geldbeutel gebaut.

Andere haben ihre Wohnungen in den Bauten, die nach dem Krieg errichtet wurden. Heute wird jedes freie Eckchen genutzt, um neuen Wohnraum zu errichten. Eimsbüttel ist eben beliebt.

Links und rechts der Osterstraße sind sie, diese Wohnquartiere. Dort, wo man sich tatsächlich noch kennt, sich trifft. Sei es auf dem Wochenmarkt sonnabends an der Grundstraße, im Hamburg Haus mit seinem Kulturangebot, beim Anwohnerflohmarkt auf dem Else-Rauch-Platz, beim Anstehen nach leckeren Brötchen vor der Kleinen Konditorei und im Winter bei dem kleinen, unaufgeregten, wunderbaren, Nachbarschafts-Weihnachtsmarkt an der Apostelkirche. Das alles prägt Hamburgs besten Stadtteil.

Hier joggt halb Eimsbüttel

Am Kaiser-Friedrich-Ufer joggt halb Eimsbüttel den Isebekkanal entlang, wer Glück hat, kann sogar einen Eisvogel sehen. Es geht vorbei am Kaifu-Bad, Hamburgs beliebtestem Schwimmbad mit dem Zehnmeterturm, der Flirtwiese und für den Winter der wunderbaren Sole-Therme. Am Kaifu grillen und chillen junge Familien und Jugendliche im Sommer, Kinder tummeln sich auf dem Spielplatz. Ein Paradies mit dunklem Fleck, denn direkt hier haben die Nazis 1938 Bücher verbrannt. Auch ein Teil Eimsbütteler Geschichte, der nicht vergessen werden darf.

Nur etwa 300 Meter von diesem Gedenkplatz entfernt wurde 1960 an der Hohen Weide die neu gebaute Synagoge eingeweiht. Schwer erträglich ist allerdings, dass sie seit 1973 polizeilich geschützt werden muss.

Eimsbüttel kann und bietet wirklich alles. „Hier herrscht eine positive, sympathische Ausstrahlung auf den Straßen“, hat die Wilhelmsburgerin Melanie Mücher festgestellt, „es wirkt wie eine heile Welt.“ Wo sie recht hat ... Und deshalb ist es der beste Stadtteil Hamburgs – seit nun fast 200 Jahren.

Eimsbüttel: Das sind die Highlights

1. Eimsbütteler Turnverband

Eimsbüttel - ETV
Eimsbüttel - ETV

Hier werden mehr als 15.000 Eimsbütteler bewegt. Der 1889 gegründete Verein hat es geschafft, seine Tradition in seinem 1910 fertiggestellten Turnhallengebäude zu wahren und sich mit einem modernen Angebot an die Bedürfnisse unserer service- und konsumorientierten Zeit anzupassen. In 23 Abteilungen werden mittlerweile 30 Sportarten angeboten.

2. Else-Rauch-Platz

Eimsbüttel - Else-Rauch-Platz
Eimsbüttel - Else-Rauch-Platz

Die ehemalige Straßenbahnkehre hat sich zu einem Ort der Begegnung entwickelt. Kinder spielen, Skater skaten, und das von Fritz Schumacher erbaute ehemalige Toilettenhäuschen ist als „Villa im Park“ zu einem beliebten Café geworden. Der Kulturverein Else-Rauch-Platz veranstaltet seit 19 Jahren monatlich hier seinen Anwohnerflohmarkt am Sonntag.

3. Eimsbütteler Park

Eimsbüttel - Park
Eimsbüttel - Park

Es ist fast wie im Dschungel: tiefes Grün, hängende Äste. Schnatternde Enten und andere Wasservögel ziehen ihre Bahnen auf dem Teich, der im 17. Jahrhundert als Fischteich für das Kloster St. Johannes angelegt wurde. Schon 1875 wurde die 1,9 Hektar große Grünanlage als Park eingerichtet, eine Ruhe-Oase im Bauspekulationsland der Gründerzeit drum herum.