Hamburgs bester Stadtteil

Bramfeld – nicht nur Otto und Coca-Cola finden’s gut

Das jährliche Schafschurfest auf dem Gut Karlshöhe lockt stets viele Besucher an.

Das jährliche Schafschurfest auf dem Gut Karlshöhe lockt stets viele Besucher an.

Foto: Jasmin Blajecki

Wo ist es in der Stadt am schönsten? 50 leidenschaftliche Plädoyers. Teil 43: Auch Pferde- und Naturliebhaber sind begeistert.

Hamburg. Viele Hamburger kennen Bramfeld nur, weil sie den Stadtteil schon einmal auf seiner bekanntesten Straße, der Bramfelder Chaussee, durchquert haben. Wer sich einmal abseits dieser viel befahrenen Nord-Süd-Verbindung umguckt, erkennt schnell, warum man sich auch in Bramfeld sehr wohlfühlen kann.

Seinen Namen verdankt der Stadtteil, der seit der Kindheit meine Heimat ist, einem blühenden gelben Ginsterbusch – altdeutsch Braambusch. Es ist heute einer der bevölkerungsreichsten aber auch einer der grünsten Stadtteile und unter anderem Sitz des Otto Versands sowie der Coca-Cola-Abfüllung.

Bramfeld hatte früher einen eher dörflichen Charakter und war nach dem Ersten Weltkrieg das zweitgrößte Gemüseanbaugebiet in Deutschland – nach den Vier- und Marschlanden. Übrig blieben nur noch einige Kleingarten-Kolonien, die den Stadtteil wie grüne Inseln durchziehen. Dazu gehören auch der kleine und der große Bramfelder See, der genau genommen in Steilshoop liegt und der viele Besucher anlockt.

Bramfeld: Das sind die Fakten

  • Einwohner: 52.498
  • Davon unter 18: 7771
  • Über 65: 11.284
  • Durchschnittseinkommen: 30.928 € (2013)
  • Fläche: 10,1 km²
  • Anzahl Kitas: 24
  • Anzahl Schulen: 5 Grundschulen; 3 Gymnasien; 2 Stadtteilschulen
  • Wohngebäude: 9126
  • Wohnungen: 28.254
  • Niedergelassene Ärzte: 71
  • Straftaten im Jahr 2018: Erfasst: 3577; Aufgeklärt: 165

Wer nach einem stressigen Tag entspannen will, kann dort bei einem Spaziergang den Graureihern beim Fischen zusehen. Wer sich lieber sportlich betätigt, joggt die 3,8 Kilometer um den See oder radelt sie. In direkter Nachbarschaft ist der Eingang zu Europas größtem Parkfriedhof Ohlsdorf.

Für einen Einkaufsbummel empfiehlt sich die Marktplatz Galerie, die erst 2011 eröffnet wurde. Rund 60 Geschäfte und gastronomische Betriebe bieten fast alles, was das Herz begehrt. Direkt vor dem Einkaufszentrum findet an jedem Dienstag und Freitag ein Wochenmarkt mit bis zu 50 Ständen statt. Hier treffen sich die Bramfelder zum Klönschnack.

Am Marktplatz findet man auch eine Bücherhalle und das „Haus der Jugend“, das ein breitgefächertes Angebot für Kinder und Jugendliche bietet.

Empfehlung: Sonntagsbrunch im Kleinhuis Gartenbistro

Sehr zu empfehlen ist auch das Umweltzentrum Karlshöhe. Es bietet mit seinen Angeboten an Kursen und Führungen von „Achtsamkeitsübungen“ bis „Waldfondue unter freiem Himmel“ ein tolles Programm. Den Brunch am Sonntagmorgen in dem hauseigenen Kleinhuis Gartenbistro kann ich nur wärmstens empfehlen. Dort achtet man darauf, dass Lebensmittel und Zutaten möglichst aus der Region kommen und aus saisonaler Ernte stammen. Auch der selbst gebackene Kuchen ist ein Hochgenuss!

Für die kulturelle Unterhaltung sorgt das Brakula direkt an der Bramfelder Chaussee. Beheimatet in einem 135 Jahre alten Bauernhaus mit einem U-Bahn-Waggon davor, zeugt es noch von der dörflichen Atmosphäre aus den Anfängen des Stadtteils. Das Angebot reicht von Konzerten bis Poetry-Slam und bis zu Flohmärkten. In dem angeschlossenen veganen Restaurant Vistro gibt es leckere Pizzen und hausgemachten Kuchen sowie Mittagstisch aus Restlebensmitteln – sehr vorbildlich!

Auch die verschiedenen Kirchengemeinden in Bramfeld bieten vielen Bramfeldern ein reichhaltiges kulturelles und soziales Programm. Der Zwiebelturm der 1913/1914 gebauten Osterkirche überragt den Stadtteil. Die Kirche wurde gerade in Teilen saniert.

Bramfelder See
Bramfelder See

Wer es lieber italienisch mag, speist wunderbar im La Fortuna im Hildeboldtweg. Dort kocht noch „La Mama“ mit Liebe und Passion. Das Restaurant liegt im Souterrain und bietet eine wunderbare italienische Atmosphäre. Traditionelle deutsche Küche findet man im Restaurant Zum Bramfelder Hof. Die alte Villa, in der man sehr gut bewirtet wird, bietet im angeschlossenen Hotel mit acht einfachen aber zweckmäßigen Zimmern Übernachtungsmöglichkeiten für rund 20 Personen. Der Eisliebhaber kehrt auch gerne bei Dante oder im Eiscafé Höft – beide an der Bramfelder Chaussee – ein.

Bauer Kruse
Bauer Kruse

Wer am Freitag und Sonnabend tanzen möchte, geht in den Tanzclub Starlight am Trittauer Amtsweg. Dort trifft sich eher die Ü-40-Generation, und die „Taxitänzer“ waren sogar dem NDR schon eine Reportage wert. Wer es sportlich mag, kann beim Bramfelder SV an der Ellernreihe aktiv werden oder findet diverse Fitness- und Sportstudios sowie ein Hallenbad an der Fabriciusstraße.

Engagierte Bürger kümmern sich um ihren Stadtteil

Sucht man nach den dörflichen Wurzeln von Bramfeld, findet man diese auch am Fahrenkrön bei Bauer Kruse, der zwar kein Bauer ist, aber einen erfolgreichen Reit-, Dressur und Zuchtstall führt. Bei Herbert Kruse werden seit mehr als 40 Jahren Dressurpferde zum Verkauf angeboten. Für Pferdenarren ab 6 Jahren gibt es einen Ponyclub. Während des Unterrichts können sich die Eltern im Reitstall-Restaurant Hufschlag stärken.

Wochenmarkt
Wochenmarkt

Jährlich findet dort das Bramfelder Fenster statt, eine Verkaufs- und Dienstleistungsmesse mit Stadtteilfestcharakter. Viele engagierte Bürger kümmern sich um ihren Stadtteil: Die Initiative Brain (Motto: „Bramfelder unterstützen Bramfeld“) will den Geschäftsstandort beleben und an der Ortskernsanierung teilhaben. Auch der Bürgerverein Bramfeld will das Gemeinwohl fördern. Er bietet ein buntes Freizeitprogramm und beteiligt sich an Projekten wie „Bramfeld räumt auf“.

Bramfeld: Das sind die Highlights

1. Das Brakula
Der Kulturladen bietet diverse Workshops, Tanzprojekte und größere Veranstaltungen.

2. Die Marktplatz Galerie
Seit 2011 bietet das Einkaufszen­trum auf über 19.500 Quadratmeter Verkaufsfläche eine große Auswahl an Geschäften.

3. Umweltzentrum Karlshöhe
Ein Lern- und Erlebnisort, an dem alle Menschen von Jung bis Alt erfahren, wie „einfach gut leben“ mit natürlichen Ressourcen gelingt.