Hamburgs bester Stadtteil

Fuhlsbüttel – Amazonas-Feeling und Shopping am Flughafen

Villen am Wacholderweg in der Nähe
des Wacholderparks in Hamburg.
Die Straße
liegt zwischen
Erdkampsweg und
der U-Bahn-Station
Fuhlsbüttel.

Villen am Wacholderweg in der Nähe des Wacholderparks in Hamburg. Die Straße liegt zwischen Erdkampsweg und der U-Bahn-Station Fuhlsbüttel.

Foto: Thorsten Ahlf

Wo ist es in der Stadt am schönsten? Teil 27: Entspanntes und familiäres Leben zwischen Alstertal und Flughafen.

Hamburg. Alstertal – das klingt für Bewohner der Innenstadt immer ein wenig nach „zu weit draußen“. Nach Müttern in SUVs und Kindern beim Hockey, nach Pferden und Golfplatz, nach grüner Steppjacke, Ralph-Lauren-Poloshirt oder Burberry-Schal. Und, so ehrlich muss man sein, schon länger auch nach verdammt teuren Immobilien.

Als wir vor 20 Jahren eine Tochter bekamen, wurde die geliebte, eigentlich tolle Jugendstil-Wohnung in Winterhude plötzlich unpraktisch. Kein Garten, eine ziemlich stark befahrene Straßenkreuzung vor der Tür, die U-Bahn nebenan, deren Passagiere einem fast ins Zimmer glotzen konnten – und vor allem: steile Treppen, aber kein Fahrstuhl.

Es war die Zeit, als ich mit dem Kinderwagen lange Spaziergänge den Alsterlauf entlang machen konnte – den friedlich dösenden Nachwuchs im Blick, aber auch beeindruckt schauend auf die Gegend um den Fluss herum, der gesäumt ist von einem schönen Wanderweg, liebevoll gepflegten Kleingärten, prächtigen Villen. Und da der Weg mehr oder weniger an der U 1 entlang stadtauswärts führte und eine schnelle Rückfahrt somit immer möglich war, trieb es mich bei den Spaziergängen Tag für Tag weiter hinaus – einmal über Alsterdorf und Ohlsdorf sogar bis nach Fuhlsbüttel.

Fuhlsbüttel ist Alstertal ohne Schickimicki

Diesen Stadtteil kannte ich flüchtig vom Durchfahren, aber er war anfangs für mich keine Option. Als Student hatte ich zunächst in Barmbek-Süd und in der Neustadt gelebt, später mit meiner Freundin, die meine Frau wurde, nahe der Sierichstraße. Als ich nun aber auf Höhe des Brombeerweges den Alsterwanderweg verließ und ein wenig durch die Straßen rund um den Heinrich-Traun-Platz stromerte, dachte ich: Hier lässt es sich ja auch ganz gut leben!

Fuhlsbüttel: Das sind die Fakten

  • Einwohner: 13.384
  • Davon unter 18: 2298
  • Über 65: 2513
  • Durchschnittseinkommen: 39.526 € (2013)
  • Fläche: 7,8 km²
  • Anzahl Kitas: 7
  • Anzahl Schulen: 2 Grundschulen, 1 Gymnasium
  • Wohngebäude: 2067
  • Wohnungen: 6854
  • Niedergelassene Ärzte: 25
  • Straftaten im Jahr 2018: Erfasst: 3572, Aufgeklärt: 2465

Es war eigentlich mehr ein flüchtiger Gedanke denn ein festes Vorhaben, doch als die Suche nach einer eigenen Immobilie ein paar Monate später konkrete Formen annahm und uns sogar einmal (und nicht wieder) bis nach Henstedt-Ulzburg führte, gehörte die von mir entdeckte Ecke in Fuhlsbüttel ebenso zur engeren Wahl wie Wellingsbüttel und Alsterdorf. In einem Punkt waren meine Frau und ich uns einig: Wir wollten in Als­ternähe bleiben und nicht in die Elbvororte ziehen.

Alster wie der Amazonas

Eines Tages stand tatsächlich eine Anzeige im Abendblatt, die vielversprechend klang: Endreihenhaus, Baujahr 1930, Rarität. Wir schauten uns das teilsanierte Objekt mit großem Garten an, dann in die Augen – und waren sofort einig, dass dies jetzt unsere neue Bleibe werden könnte. So kam es auch.

Die Entscheidung haben wir nie bereut. Denn Fuhlsbüttel hat viel mehr zu bieten, als mancher Hamburger ahnt. Ein Traum ist der hier fast wie ein Stück vom Amazonas mäandernde Alsterlauf, der von uns aus gesehen fast vor der Tür liegt (150 Meter). Und für Kinder ein Knaller: der Spielplatz, der zu den schönsten der Stadt (aber wohl schon zu Klein Borstel) gehört. Das stille Örtchen dort wurde zu einem kleinen Café umgebaut, zu den Wiesen drum herum kommen Leute mit dem Kanu zum Grillen angepaddelt, Jogger und Radfahrer lieben die grüne Idylle ebenso wie Herrchen und Frauchen mit Hund. Im Herbst protzen die Blätter der Laubbäume in allen Gelb- und Rottönen – ein „Indian Summer“, von dem Amerikaner immer so schwärmen, direkt vor der Haustür.

Wer mit dem Fahrrad im Stadtteil unterwegs ist und mal kreuz und quer durchs Revier streift, ist erstaunt, wie viele schöne Häuser – Jugendstil-Villen genauso wie rot geklinkerte „Kaffeemühlen“ – es hier gibt. Aber auch die Wohnungen der dunkelroten Backsteinzeilen aus der Schumacher-Ära finden sich allerorten und haben viel Charme. Selbst an der Alsterkrugchaussee, die seit der Verengung auf zwei Fahrstreifen nicht mehr trennt wie eine Schneise, sondern verbindet als normale Straße.

Weniger Fluglärm wäre ein Traum

In dieser Ecke Fuhlsbüttels wohnt seit 14 Jahren Annett Wegner mit Mann und vier Kindern. Die studierte Stadtplanerin mag den Stadtteil ebenfalls sehr, könnte sich aber durchaus noch ein paar Verbesserungen vorstellen: „Mir gefällt hier die übersichtliche Struktur mit viel Grün und die Citynähe. Sehr vieles ist in direkter Umgebung; Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Sportvereine, Erholungsflächen. Fuhlsbüttler sind in der Regel entspannte Menschen, sie nehmen sich nicht zu wichtig, aber sind auch nicht langweilig.

Stadtteilserie: Wacholderweg
Stadtteilserie: Wacholderweg

Ausbaufähig ist auf jeden Fall der ÖPNV, kurze Verbindungen wie nach Eppendorf sind ohne Fahrrad umweltfreundlich leider eine Qual. Eine Stadtteilschule und ein konfessionsloser Jugendtreff oder ein Quartierstreffpunkt würden Fuhlsbüttel bunter und lebendiger werden lassen. Und: Weniger Fluglärm wäre natürlich ein Traum!“ Man trifft Annett Wegner auch mal auf dem Markt, wenn sie an einem Biostand Obst und Gemüse verkauft.

Café Luise ist eine Topbäckerei

Eingekauft wird überwiegend rund um den Erdkampsweg. Mittwoch und Freitag sind Markttage, die von der Vielfalt her allerdings etwas schwächeln, jedenfalls verglichen mit der Zeit, als ich dort oft noch selbst einkaufen ging. Was wohl auch daran liegt, dass die Angebote der Supermärkte (vor allem Edeka und Rewe) vielfältiger geworden sind und dort auch Bioware zu bekommen ist. Es gibt im Stadtteil Drogerien und Schuhgeschäfte, einen Naturkostladen, Tchibo, Reisebüros und Bankfilialen, ein Fischgeschäft, die Bücherstube (seit 1927!) und ein Antiquariat, Eiscafés, Reinigungen, Schuhmacher, Schneider und mit dem Café Luise auch eine Topbäckerei.

Ein Kultladen ist Eisenwaren/Gartenbedarf Behnke-Beck in der Hummelsbütteler Landstraße: Hier findet man Schrauben noch lose – und dazu immer einen guten Rat. Wer mehr oder anderes braucht, zum Beispiel neue Mode, hat es nach Poppenbüttel ins AEZ nicht allzu weit. Ach ja: Einen Flughafen haben wir in Fuhlsbüttel bekanntlich auch. Den nutzen wir nicht nur zum Verreisen, sondern auch zum Einkaufen. Weil der Edeka dort sonntags geöffnet hat.

Fuhlsbüttel: Das sind die Highlights

1. Der Flughafen

Stadtteilserie: Flughafen
Stadtteilserie: Flughafen

Zwar sorgt der Helmut-Schmidt-Airport hin und wieder für etwas Fluglärm und Kerosin-Duft im Stadtteil, man gewöhnt sich aber daran. Planespotter treffen sich am Coffee to Fly.

2. Einkaufen und mehr

Stadtteilserie: Erdkampsweg
Stadtteilserie: Erdkampsweg

Rund um den Erdkampsweg sowie am Platz vor der U-Bahn findet man Geschäfte und das eine oder andere (Eis-)Café. Es gibt auch ein paar Restaurants und Bistros, das Angebot ist aber überschaubar.

3. Das grüne Abenteuer

Stadtteilserie: Alsterlauf
Stadtteilserie: Alsterlauf

Das Alstertal ist nicht nur mit dem Rad ein echtes Highlight. Man kann sich an der Ratsmühle ein Kanu ausleihen, damit die Alster hinauf fahren und sich dabei wie auf einer Dschungel-Expedition fühlen