EHEC-Krisenmanagement

"Die scheinen gar nicht zusammenzuarbeiten"

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Angehörige von EHEC-Patienten strandet im Kompetenz-Wirrwarr. Die Zuständigkeiten der Anlaufstellen sind nicht eindeutig geklärt.

Hamburg. Marianne Kaiser (Name geändert) ist wütend auf das Robert-Koch-Institut (RKI). Vor drei Wochen erkrankten ihr Mann und ihre beiden Kinder am HU-Syndrom. Marianne Kaiser wollte bei der Suche nach dem Ursprung des Keims helfen. Ihre Familie hatte Salat und Sprossen gegessen.

Die Sprossen stammen von einem Gemüseladen im Einkaufszentrum Mercado. Das wollte Marianne Kaiser dem RKI mitteilen. "Ich landete in der Telefonzentrale. Man sagte mir, eine Sachbearbeiterin sei nicht zu sprechen. Schließlich bin ich in der Pressestelle gelandet. Dort sagte man mir, ich solle einen Brief schreiben. Nach meinem Namen und meiner Telefonnummer haben die gar nicht gefragt."

Kaiser war im Kompetenz-Wirrwarr der EHEC-Krise stecken geblieben. Für die Suche nach der Erregerquelle ist in erster Linie das RKI in Berlin zuständig. Es ist eine Unterbehörde des Gesundheitsministeriums von Daniel Bahr (FDP). Weil aber Gesundheitsfragen in Deutschland im Prinzip Ländersache sind, darf das RKI nur beraten und helfen. Parallel befassen sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit EHEC. Sie gehören zum Verbraucherschutz-Ministerium von Ilse Aigner (CSU).

Auch in den Bundesländern gibt es Ministerien und Gesundheitsämter. In Hamburg sammeln Mitarbeiter der bezirklichen Verbraucherschutzämter Proben in Restaurants und Märkten. Im Institut für Hygiene und Umwelt werden sie untersucht. In die Lebensmittelkontrolle ist bei einem positiven Befund wieder das BfR eingebunden.

Nach Bekanntwerden der ersten Infektionen haben RKI-Experten in Hamburg 60 Patienten befragt. Grundlage war ein 27-Seiten-Fragebogen zu Essgewohnheiten. Auch die Gesundheitsämter der Bezirke interviewten Patienten. Dabei sollten eigentlich nicht dieselben Patienten zweimal befragt werden. Marianne Kaiser sagt: "Erst kam das RKI, dann das Gesundheitsamt, und ich musste den fast identischen Bogen erneut ausfüllen. Das Amt wusste nichts vom RKI, die scheinen gar nicht zusammenzuarbeiten."

Kritik am Krisenmanagement des Hamburger Senats gab es am Mittwoch auch in der Bürgerschaft. Die Linke wirft dem Senat vor, dass der öffentliche Gesundheitsdienst unterbesetzt ist. Beim Amt für Verbraucherschutz waren im vergangenen Jahr 63 Stellen nicht besetzt und beim Amt für Gesundheit 23 Stellen, beim Institut für Hygiene und Umwelt 62, sagte Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. In den Bezirken fehlten zudem rund 40 Prozent des Personals an Lebensmittelkontrolleuren. "Das alles ist ein Skandal", sagte Artus.

Bund und Länder bescheinigten sich am Mittwoch ein gutes Krisenmanagement. Über Konsequenzen will man reden, wenn die Infektionswelle überstanden ist.