04.09.12Auf- und Abstieg
Conti und Lanxess vor Einstieg in den Dax
Was die Bundesliga im Fußball ist, ist der Dax für deutsche Aktiengesellschaften. Deutsche Börse entscheidet über mögliche Veränderung.
Von Claudia Kahlmeier, Volker Danisch
Foto: dapd/ZGBZGH
Der Aktien-Leitindex Dax umfasst die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse, die ihren Sitz in Deutschland haben
Frankfurt/Main.
In die erste Börsenliga Dax drängen neue Mitspieler.
Continental
und
Lanxess
rein,
MAN
und
Metro
dafür raus - auf diesen Nenner lassen sich die Prognosen von Analysten für die Entscheidung über Auf- und Absteiger an diesem Mittwoch bringen.
Der Aktien-Leitindex umfasst die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse, die ihren Sitz in Deutschland haben. Unternehmen, die dem Dax angehören, stehen im Blickpunkt internationaler Investoren. Auf den Dax spezialisierte Fonds kaufen und halten gezielt Aktien dieser 30 Unternehmen.
+++ Salär betragt das 54-fache eines Angestellten +++
+++ Dax-Konzerne im zweiten Quartal mit Umsatzrekord +++
Bei der regulären Überprüfung des deutschen Leitindexes einmal im Jahr im September ist es für einen Nebenwert leichter aufzusteigen als bei der quartalsweisen Überprüfung. Bei diesem Termin gelten im Regelwerk niedrigere Hürden. Kriterien sind die Marktkapitalisierung (Kurs mal Aktienzahl im Streubesitz) und der Börsenumsatz der letzten zwölf Monate.
+++ Unternehmensgewinne treiben Gehälter auf
Rekordniveau +++
+++ Trotz Schuldenkrise: Aktien wieder hoch im Kurs +++
Der Arbeitskreis Aktienindizes bei der Deutschen Börse wird seine Entscheidung auf Basis der August-Rangliste treffen. Die Ergebnisse werden noch am selben Tag am späten Abend veröffentlicht. Umgesetzt werden die Beschlüsse dann zum Montag, 24. September.
Continental steht nach knapp vier Jahren Abstinenz vor der Rückkehr in den Leitindex Dax. "Conti kommt sicher wieder in den Dax", sind die Index-Experten Uwe Streich von der LBBW und Silke Schlünsen von Close Brothers Seydler Bank überzeugt. Wegen des überraschenden Übernahmevorstoßes durch den damaligen Konkurrenten Schaeffler waren die Titel des Autozulieferers im Dezember 2008 zusammen mit der Hypo Real Estate aus dem Dax ausgeschieden und im MDax gelandet. Die folgende Erholung verlief fast so rasant wie der Kurssturz zuvor: Seit dem Tief bei knapp über 10 Euro Anfang 2009, erholten sie sich bis heute wieder um sagenhafte 700 Prozent.
Auch Lanxess dürfte sich laut den Prognosen einen Platz in der ersten Börsenliga gesichert haben. Das Spezialchemieunternehmen ist keine zehn Jahre alt. Abgespalten vom Bayer-Konzern 2004 durchlief Lanxess in den vergangenen Jahren ein hartes Sanierungsprogramm. Unternehmensteile wurden abgestoßen, Arbeitsplätze gestrichen und die ertragsschwachen Segmente auf Rendite getrimmt. 2006 erzielte Lanxess erstmals einen Gewinn. Aktuell notiert das Papier bei Kursen über 60 Euro und liegt damit gegenwärtig um etwa ein Vierfaches über seinem Ausgabekurs. Die Lanxess-Erstnotiz lag bei 15,75 Euro je Aktie.
+++ Metro AG – ein Handelsriese im Abstiegskampf +++
+++ Service: Hier finden Sie die aktuellen Börsenkurse im Detail +++
Der Handelsriese Metro gehört dem Dax schon seit 16 Jahren an. Die Metro AG dürfte vor allem wegen der stark unterdurchschnittlichen Aktienkursentwicklung in diesem Jahr demnächst nicht mehr zu den 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen zählen. Eine Überraschung könnte es allenfalls geben, falls sich in letzter Zeit, quasi unbemerkt, der Streubesitz der Metro-Stammaktie erhöht hat. "Sollte er von zuletzt 40 Prozent auf rund 43 Prozent gestiegen sein, dann würde Metro im Dax bleiben und Lanxess müsste weiter warten", sagte Streich.
Bei MAN sank vor allem der Streubesitz nach den Zukäufen durch den VW-Konzern stark, so dass es für einen Verbleib im Leitindex Dax nicht mehr reichen dürfte. Die Wolfsburgern besitzen inzwischen mehr als 75 Prozent des Traditionskonzerns – andere Anteilseigner halten nur noch Aktien für 2,6 Milliarden Euro. Und auch der Börsenumsatz sank, weil die Minderheitsaktionäre bei MAN nicht mehr viel zu melden haben – VW kann jederzeit einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag machen, der der Muttergesellschaft den direkten Zugriff auf die Gewinne und die Unternehmensführung sichert.
Schon zwei Jahre nach der Firmengründung im Jahr 1871 waren Aktien von Continental an der Börse Hannover notiert.
Damals wurden im niedersächsischen Stammwerk Weichgummi-Waren produziert. Conti bot außerdem Massivreifen für Kutschen und Fahrräder an.
Als sich das Automobil zunehmend durchsetzte, kamen ab 1898 luftgefüllte Reifen hinzu.
Anfang der 1950er Jahre weitete Continental sein Geschäft auf Maschinenbau, Fördersysteme und Autotechnologie aus. Sicherheits-, Informations-, Fahrwerks- und Antriebstechnik sollen als zweite Säule neben der Reifensparte noch weiter ausgebaut werden.
Als 1988 der Dax eingeführt wurde, gehörten die Hannoveraner zu den Gründungsmitgliedern. 1996 musste sich Conti für sieben Jahre aus der Börsen-Bundesliga verabschieden, weil seine Marktkapitalisierung – gemessen am Kurs mal Aktienzahl im frei gehandelten Streubesitz - nach den Frankfurter Standards zu gering war.
Der Rückversicherer Munich Re stieg stattdessen in den Dax auf. 2003 gelang Conti die Rückkehr, der Finanzdienstleister MLP machte den Niedersachsen Platz.
Im Dezember 2008 musste der nach Bosch zweitgrößte Autozulieferer erneut in die zweite Garde der Börsenfirmen zurücktreten.
Im Zuge des umkämpften Einstiegs des Mehrheitsaktionärs Schaeffler hatte sich der Aktien-Streubesitz verringert, für Conti rückte der Nivea-Hersteller Beiersdorf aus Hamburg in den Dax auf.
Mittlerweile sieht sich der Spezialist für Reifen und Autotechnik auch bei der zweiten Kenngröße– dem Börsenhandelsumsatz – auf der Zielgeraden für den Wiedereinstieg.
Continental beschäftigt derzeit rund 169 000 Mitarbeiter an 270 Standorten in 46 Ländern.
2011 fuhr der Konzern nach mehreren durchwachsenen Jahren einen Rekordgewinn von 1,242 Milliarden Euro ein. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro.
In den ersten sechs Monaten 2012 verdiente Conti rund eine Milliarde Euro – und damit knapp um die Hälfte mehr als im Vorjahreszeitraum. (dpa)
Lanxess: Ein Chemiespezialist nimmt Fahrt auf
Kunststoffe und Kautschuke – das ist das Lebenselexier von Axel Heitmann. Seit der Abspaltung der traditionsreichen Chemiesparte vom Bayer-Konzern und ihrer Umbenennung in Lanxess steht der Manager an der Spitze des Chemiespezialisten.
Der Konzern mit heute weltweit knapp 17.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 8,8 Milliarden durchlief in den vergangenen Jahren ein hartes Sanierungsprogramm.
Unternehmensteile wurden abgestoßen, Arbeitsplätze gestrichen und die ertragsschwachen Segmente auf Rendite getrimmt.
Der 51-jährige Heitmann fokussierte Lanxess auf Kunststoffe, Kautschuke und Spezialchemiekalien.
Wichtigste Abnehmerbranchen: die Auto- und Reifenindustrie. Und seine Strategie ging auf. Lanxess steht vor dem Aufstieg in den Dax.
Nur wenige Experten hatten an eine schnelle Wiederbelebung der behäbigen Chemie geglaubt.
Doch das neue Unternehmen wurde eine Erfolgsgeschichte: Im zweiten Börsensegment MDAX lief sich Lanxess für die erste Börsenliga warm.
Heitmann lieferte ab, was Börsianer forderten. Das Unternehmen, das Mitte 2013 seinen Firmensitz von Leverkusen nach Köln verlegt, kam schneller aus der Verlustzone als geplant.
Immer wieder kursierten Gerüchte, Lanxess wolle die im Bayer-Konzern verbliebene attraktive Sparte MaterialScience übernehmen oder sich mit dem Konkurrenten Evonik zusammenschließen.
Doch Heitmann winkte ab und vertraute auf internes Wachstum. Die Lanxess-Aktie bekam Flügel. Heute notiert das Papier knapp unter 60 Euro und liegt damit um ein Vierfaches über seinem Ausgabekurs.
Nur die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 riss Lanxess mit. Umsatzeinbußen und einem Kurseinbruch vorübergehend in ein Tief. Danach ging es wieder stetig bergauf. (dpa)
Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Der Handelsriese Metro hat viele Baustellen. Vorstandschef Olaf Koch hat dem rund 280 000 Mitarbeiter zählenden Düsseldorfer Konzern im Frühjahr eine neue Strategie verpasst.
Mit gezielten Preissenkungen auf der einen und Kosteneinsparungen auf der anderen Seite soll es mit Umsatz und Gewinn wieder aufwärtsgehen.
Die Metro AG muss in Krisenzeiten aggressiver um Kunden werben. Sparprogramme infolge der Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit dämpfen in vielen Ländern Europas die Konsumfreude.
Die neue Strategie zeigt nach Metro-Einschätzung mit einem Umsatzanstieg im zweiten Quartal 2012 schon Wirkung. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr 2012 durch Preissenkungen und Sondereffekte ein Verlust.
Traditionell fährt der Handelskonzern aber den Großteil seiner Gewinne in der zweiten Jahreshälfte ein. Eine steigende Nachfrage und Kosteneinsparungen sollen im Gesamtjahr 2012 das bereinigte operative Ergebnis stabil halten.
In Verwaltungsbereichen des Konzerns ist der Abbau von weltweit rund 1200 Stellen geplant.
Kern des Konzerns ist das Metro-Großhandelsgeschäft, das für fast die Hälfte des Konzernumsatzes von 67 Milliarden Euro (2011) steht.
Media-Saturn ("Media Markt", "Saturn", "Redcoon") ist die zweitgrößte Tochter, die erst spät auf den Internetboom aufgesprungen ist.
Beim Lebensmittelhändler Real spricht Metro unbestätigten Informationen zufolge mit Interessenten über einen Verkauf des Auslandsgeschäftes.
Nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro zählt bereits seit Jahren die Warenhaustochter Kaufhof, deren Verkauf aber derzeit auf Eis liegt. (dpa)