28.08.12

Air Berlin

Mehdorn: Abschied 2013 "stand von Anfang an fest"

Rückkehr in den Aufsichtsrat ausgeschlossen. Airline-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe – eine Sanierung geht nicht einfach über Nacht.

Foto: dapd/DAPD
Air Berlin zieht Bilanz
Der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn trat am 1. September 2011 als Nachfolger des Firmengründers Joachim Hunold das Amt des Vorstandschefs bei Air Berlin an

Berlin. Hartmut Mehdorn will nach dem Auslaufen seines Vorstandsamts bei Air Berlin nicht in deren Aufsichtsrat zurück. Dass er 2013 seinen Abschied bei der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands nehmen würde, "stand von Anfang an fest", sagte der 70-jährige Manager. Er wehrte sich zugleich gegen Vorwürfe, die Sanierung bei Air Berlin komme nur schleppend voran.

Vor einem Jahr, am 1. September 2011, wurde Mehdorn als Nachfolger des Firmengründers Joachim Hunold in das Amt des Vorstandschefs der finanziell klammen Fluggesellschaft berufen. Seitdem besetzte er den Vorstand weitgehend neu, schloss die finanzielle Beteiligung der arabischen Airline Etihad mit 29 Prozent ab und leitete ein umfangreiches Sanierungsprogramm namens "Shape & Size" in die Wege. Air Berlin ist mit rund 500 Millionen Euro verschuldet.

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Er bereue nichts, sagte Mehdorn im Interview. "Warum soll ich?" Air Berlin habe "derzeit ordentlich Gegenwind". Er habe gewusst, was ihn erwarte. Auf Vorwürfe, die Sanierung komme nicht voran, erwiderte er: "Man muss akzeptieren, dass solche Sachen nicht über 'Licht an – Licht aus' funktionieren, sondern dass das auch wachsen muss." Es müsse geschult werden, Systeme müssten angepasst werden. "Dass einige Leute heute schon eine Messlatte ansetzen, als ob wir mit der Umstrukturierung fünf Jahre unterwegs wären, das geht eben einfach nicht."

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So sei erst im September 2011 begonnen worden, ein Vertriebssteuerungssystem einzuführen, wie es Wettbewerber längst hoch professionell betreiben. Das System vergleicht Flugpreise mit der Konkurrenz und orientiert sie sehr zeitnah an der Nachfrage. Eine manuelle Steuerung des hochkomplexen Flugplans sei unmöglich. "Die Buchung für einen Flug ist 180 Tage offen, Air Berlin hatte immer einen Durchschnittspreis. Wir haben auch die letzten Tickets immer noch zum selben Preis verkauft, obwohl man zum Schluss höhere Preise verlangen kann", erklärte er.

Im "Shape & Size"-Sanierungsprogramm wolle Air Berlin mehr als 200 Millionen Euro einsparen. "Das Programm ist gut unterwegs. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende", sagte Mehdorn. Mit dem beachtlichen Kapitaldienst auf die rund 500 Millionen Euro Schulden könne Air Berlin "temporär leben, aber wir müssen da runterkommen, das ist klar". Wenn im kommenden Jahr der Zielvorgabe gemäß die Profitabilität wieder hergestellt sei, "kommen wir dann auch in den Schuldentilgungsprozess".

Zu seinem Verbleib auf dem Chefsessel sagte der frühere Bahnchef: "Es war von Anfang an klar, dass das kein langfristiges Engagement werden würde. Das ist eine Übergangsverantwortung bis 2013." Für die Neuausrichtung gebe es ebenso wenig ein konkretes Datum wie für seine Nachfolge.

Auf die Frage, ob er danach weiter bei Air Berlin bleibe, antwortete Mehdorn: "Davon sollten Sie nicht ausgehen. Hinter mir liegt ein reiches Berufsleben. Ich bleibe so lange bei Air Berlin, wie ich hier gebraucht werde und bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist. Das stand übrigens genauso von Anfang an fest." (dapd)

Air Berlin: Zahlen & Daten
Air Berlin: Zahlen & Daten
Zahl der Mitarbeiter: 9.300
Zahl der Flugzeuge: rund 150 Flugzeuge, durchschnittlich fünf Jahre alt
Größter Anteilseigener der nach britischem Aktienrecht verfassten Air Berlin plc ist Etihad, eine Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit rund 29 Prozent am Aktienkapital
Air Berlin fliegt eigenen Angaben zufolge zu 170 Destinationen in 40 Ländern.
Im Jahr 2011 wurden mehr als 35 Millionen Fluggäste befördert.
2011 machte Air Berlin einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro; im ersten Halbjahr 2012 von 1,948 (Vorjahreszeitraum 1,897) Milliarden Euro
Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) verbesserte sich im ersten Halbjahr 2012 auf minus 178,7 Millionen Euro (minus 220,5 Millionen) (dapd)
Air Berlin: Fluggesellschaft in Turbulenzen
Air Berlin: Fluggesellschaft in Turbulenzen
Nach jahrelangem rasanten Wachstum steckt Air Berlin in der Klemme
Vier verlustreiche Jahre in Folge haben den Schuldenberg bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft zum Geschäftsjahresende 2011 auf 813 Millionen Euro wachsen lassen und die Eigenkapitalquote ist auf 11,2 Prozent geschrumpft.
Der Börsenwert schmolz auf aktuell etwa 208 Millionen Euro.
Ein Sparprogramm soll helfen, das Unternehmen mit 9100 Beschäftigten wieder profitabel zu machen.
2012 erkleinert Air Berlin seine Flotte um 18 Flugzeuge auf 152.
Unrentable Strecken fallen weg, Betriebsabläufe sollen besser werden, Kosten in Verwaltung, Einkauf und Vertrieb sinken, Nebeneinkünfte aus Zuschlägen steigen.
Einen Personalabbau schließt Unternehmenschef Hartmut Mehdorn nicht aus. (dpa)
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