28.08.12Rechte der Lufthansa-Kunden
Airline muss sich um gestrandete Reisende kümmern
Was kommt auf die Passagiere zu, wenn 19.000 Flugbegleiter streiken – welche Ansprüche haben sie? Die wichtigsten Fragen und Anworten.
Foto: dapd/DAPD
Wenn die 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa streiken, haben die Kunden der Airline auch Rechte, die sie einfordern können
Berlin. Nach der Streikankündigung der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO müssen sich viele Reisende zum Ende der Ferienzeit auf Flugausfälle einstellen. Mögliche Auswirkungen eines Streiks und was Verbraucher beachten sollten, beantwortet der Reiserechtsexperte Kay Rodegra.
Was droht dem Fluggast bei einem Streik der Flugbegleiter?
Dem Verbraucher könnte vor allem eine Verspätungswelle drohen. Nicht nur der Lufthansa-Passagier könnte stundenlang am Flughafen festsitzen. Auch Fluggäste anderer Gesellschaften könnten betroffen sein, sollte der Streik länger andauern. Flieger könnten später abfliegen oder landen, Anschlussflüge könnten verpasst werden, und Zubringerflüge könnten verspätet ankommen. Dann sind Fluggäste aller Airlines betroffen.
+++ Flugbegleiter streiken zum Ende der Ferienzeit +++
+++ Hintergrund: Flugbegleitern geht es um viel mehr als
höhere Löhne +++
Welche Rechte haben die Fluggäste?
Wer am Flughafen festsitzt – egal ob in Frankfurt oder in der übrigen EU -, hat Ansprüche, die in der Fluggastrechte-Verordnung geregelt sind. Wer mehrere Stunden auf seinen Flieger warten muss, hat Anrecht auf Betreuung – einschließlich Verpflegung – durch die Airline.
+++ Flugbegleiter-Streik: So kann er Hamburg treffen +++
Dieser Betreuungsanspruch tritt ab zwei Stunden Verspätung bei Kurzstreckenflügen in Kraft, ab drei Stunden Verspätung auf einem Flug der Mittelstrecke und ab vier Stunden Verspätung auf Langstreckenflügen. Sollte die Flugverspätung bis in die Nacht reichen, muss die Fluggesellschaft ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen und auch den Transfer dorthin bezahlen. In Absprache mit der Gesellschaft können Passagiere möglicherweise auch auf den Zug umsteigen.
Müssen Fluggäste für die Betreuungskosten zuerst selbst aufkommen?
Die Verordnung sieht vor, dass die Betreuung kostenlos bereitgestellt wird. Das klappt aber oft nicht. Sollte die Airline trotz Nachfrage keine Betreuung bereitstellen können, muss sich der Fluggast selbst um Verpflegung und möglicherweise ein Hotelzimmer kümmern, alle Belege aufbewahren und die Kosten anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen. Diese Kosten sind verschuldensunabhängig. Die Airline muss dem Fluggast also helfen, egal ob die Verspätung durch eine Aschewolke, einen Sturm oder eben einen Streik der Flugbegleiter entstanden ist.
Können Fluggäste aufgrund einer Verspätung Flüge stornieren?
Wenn der Flieger mehr als fünf Stunden verspätet ist, kann der Passagier den Flug stornieren und sein Geld zurück erhalten – ohne Bearbeitungs- und Stornogebühren. Ein Pauschaltourist muss etwas mehr Geduld aufbringen: Er muss sechs oder sieben Stunden warten, hat zwar Anspruch auf dieselben Betreuungsleistungen wie ein Individualtourist, kann aber nicht kostenfrei von dem Flug zurücktreten. (dapd)
Kostenpflichtiger Kundenservice der Lufthansa: 01805 805 805
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
Bei der Lufthansa Passage betreuen rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere.
Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage.
Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.
Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen.
Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.
Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein "angemessenes Körpergewicht", wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (dpa)
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein.
Im ersten Halbjahr 2012 blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).
Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert.
Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.
Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet.
Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan.
Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120.000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.
Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren. (dpa)
Die Deutsche Lufthansa AG gehört zu mehr als zwei Dritteln tatsächlich Deutschen.
Das geht aus der zuletzt am 2. April veröffentlichen Eigentümerstruktur des DAX-Konzerns hervor.
Danach gehörten 67,8 Prozent der 457 937 572 Stückaktien natürlichen oder juristischen Personen aus Deutschland.
Es folgt Luxemburg mit 9,8 Prozent vor den USA mit 8,1 Prozent und Großbritannien mit 3,2 Prozent.
Auf die übrigen Länder entfallen zusammen 11,1 Prozent.
Größte Einzeleigentümer sind der Finanzinvestor Black Rock und die Fondsgesellschaft Templeton Global Advisors mit jeweils rund 5 Prozent.
Lufthansa hat rund 352 000 Aktionäre.
Der Vorstand hat der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2011 eine Dividende von 25 Euro-Cent pro Aktie empfohlen.
Im Jahr zuvor waren es 60 Cent, 2009 gingen die Eigner leer aus. 2008 gab es 70 Cent. (dpa)