28.08.12Hintergrund
Flugbegleitern geht es um viel mehr als höhere Löhne
Das Kabinenpersonal von Lufthansa streikt. Mit dem Arbeitskampf wollen sich die 19.000 Miarbeiter vor allem dem Sparkurs widersetzen.
Foto: dapd/DAPD
Die Flugbegleitergewerkschaft UFO will "ab sofort" die Lufthansa an allen deutschen Flughäfen unbefristet bestreiken
Frankfurt/Main. Im langwierigen Tarifstreit mit der Lufthansa geht es den rund 19.000 Flugbegleitern und deren Gewerkschaft UFO nur vordergründig um mehr Geld. UFO verlangt fünf Prozent mehr für das Kabinenpersonal. Doch vor allem ist es der strikte Sparkurs der Lufthansa mit seinen Folgen für die Flugbegleiter, dem sich die Gewerkschaft hartnäckig und massiv widersetzt.
Die Lufthansa steht enorm unter dem Druck, ihre Kosten zu senken. Konkurrenten aus der arabischen Welt wie Emirates oder Etihad Airways setzen Deutschlands größter Fluggesellschaft auf den Mittel- und Langstrecken zu. Dazu kommen der Wettbewerb mit Billigfliegern, steigende Treibstoffkosten sowie die deutsche Luftverkehrssteuer.
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Im ersten Halbjahr flog die Lufthansa einen operativen Verlust von 20 Millionen Euro ein, nach einem Gewinn von 114 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Mit dem massiven Sparprogramm "Score" steuert die Lufthansa gegen die Verluste an, um 1,5 Milliarden Euro soll sich das operative Ergebnis damit bis Ende 2014 verbessern.
Da bei der Lufthansa das Personal allein 22 Prozent der Kosten ausmacht und damit deutlich mehr als bei der Konkurrenz, setzt die Fluggesellschaft auch hier den Rotstift an.
Die Flugbegleiter befürchten dadurch nicht nur Einbußen beim Geld und anderen Leistungen wie Urlaubstagen, sondern vor allem den Einsatz von kostengünstigen Leiharbeitern sowie laut UFO die Auslagerung von etwa 2.000 Mitarbeitern in eine Billigtochter, bei der die Beschäftigten weniger verdienen.
Bei ihrer Tochter Austrian Airlines (AUA) hat die Lufthansa vorgemacht, wie die Strategie funktionieren soll. Zum 1. Juli lagerte der Konzern Piloten und Flugbegleiter der AUA gegen deren Willen in die Billigtochter Tyrolean Airways aus. Prompt flog Tyrolean wieder in die schwarzen Zahlen. (dapd)
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein.
Im ersten Halbjahr 2012 blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).
Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert.
Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.
Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet.
Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan.
Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120.000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.
Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren. (dpa)
Die Deutsche Lufthansa AG gehört zu mehr als zwei Dritteln tatsächlich Deutschen.
Das geht aus der zuletzt am 2. April veröffentlichen Eigentümerstruktur des DAX-Konzerns hervor.
Danach gehörten 67,8 Prozent der 457 937 572 Stückaktien natürlichen oder juristischen Personen aus Deutschland.
Es folgt Luxemburg mit 9,8 Prozent vor den USA mit 8,1 Prozent und Großbritannien mit 3,2 Prozent.
Auf die übrigen Länder entfallen zusammen 11,1 Prozent.
Größte Einzeleigentümer sind der Finanzinvestor Black Rock und die Fondsgesellschaft Templeton Global Advisors mit jeweils rund 5 Prozent.
Lufthansa hat rund 352 000 Aktionäre.
Der Vorstand hat der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2011 eine Dividende von 25 Euro-Cent pro Aktie empfohlen.
Im Jahr zuvor waren es 60 Cent, 2009 gingen die Eigner leer aus. 2008 gab es 70 Cent. (dpa)