Analyse des Automarktes
Toyota untermauert seinen Führungsanspruch
Die Absatzprognose wurde angehoben. Bestes Quartalsergebnis seit vier Jahren. Auswirkungen der Beben-Katastrophe sind überwunden.
Tokio/Hamburg. Toyota meldet sich ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima mit einem Paukenschlag zurück. Der Konzern aus der gleichnamigen Autostadt südwestlich von Tokio hob am Freitag wegen der weltweit guten Nachfrage seine Absatzprognose an und untermauerte damit den Führungsanspruch im Rennen mit Volkswagen und General Motors. 2012 will die japanische Autobauer-Gruppe einschließlich der Töchter Daihatsu und Hino rund um den Globus 9,76 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Das sind 200.000 Wagen mehr, als sich der Vorstand bisher vorgenommen hatte.
Angetrieben wird der japanische Konzern durch den Verkaufserfolg seines Hybridautos Prius und den Mittelklassewagen Camry, der in den USA der meistverkaufte Pkw ist. Auch in Asien wächst der Konzern weiter. "Mit ein bisschen Glück könnte Toyota in diesem Jahr sogar die Marke von zehn Millionen verkauften Autos knacken", meint Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Damit hätten die Japaner bereits die Größe erreicht, die sich der Rivale VW erst in einigen Jahren zutraut. Der ehrgeizige Konzern aus Wolfsburg, der sich jüngst den Sportwagenbauer Porsche als zwölfte Marke einverleibte, hat seine Produktion in den vergangenen Jahren weltweit stark hochgefahren und strebt seinerseits den Titel des weltgrößten Autoherstellers an.
Den will sich Toyota nicht so schnell entreißen lassen. Der Vorstand lässt sich dabei auch nicht von einer neuerlichen Rückrufaktion beirren. Aus den Fehlern der Vergangenheit haben die Japaner gelernt. Technische Probleme werden nicht mehr verdeckt. Dies hatte in der Vergangenheit Toyotas Ruf als Hersteller zuverlässiger Autos angekratzt. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe kam hinzu und führte dazu, dass die Opel-Mutter GM vorübergehend dem Rivalen vorbeizog.
Inzwischen geht es Toyota so gut wie lange nicht mehr: Von April bis Juni fuhr der Konzern operativ in die Gewinnzone zurück – mit einem Ergebnis von umgerechnet fast 3,7 Milliarden Euro. Das ist nicht nur deutlich mehr als von Analysten erwartet, sondern auch der höchste Quartalsgewinn seit vier Jahren. Vor einem Jahr hatten Produktionsunterbrechungen infolge der Naturkatastrophe noch zu einem Verlust von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro geführt. Der Konzernumsatz stieg um 60 Prozent auf umgerechnet gut 57 Milliarden Euro. Der Anstieg fällt besonders hoch aus, weil sich Toyota nach dem Beben in der Heimat, auf das kurze Zeit später noch die Flutkatastrophe in Thailand folgte, aus einem tiefen Tal herausgearbeitet hat.
+++Toyota ruft 1,5 Millionen Autos in die Werkstätten+++
Während Toyota und Volkswagen vor Kraft wieder strotzen und das Geschäft bei GM leidlich gut läuft, d roht vielen anderen Massenherstellern in Europa die Luft auszugehen. Helmut Becker, der das Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München leitet, schätzt, dass die Zahl der Autobauer in den nächsten Jahren wegen des Absatzeinbruchs in Südeuropa schrumpfen wird: "Was wir jetzt erleben, ist das letzte Gefecht. Wir befinden uns mitten in einem Ausleseprozess." Zu den Unternehmen, die in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden dürften, zählt der Experte die GM-Tochter Opel sowie Peugeot und Fiat-Chrysler. Auch die französische Nummer zwei Renault sei gefährdet, habe allerdings mit Daimler einen starken Partner. Becker erwartet insgesamt sechs Allianzen oder Gruppen von Herstellern: Toyota in seiner Zusammenarbeit mit BMW, das Mehrmarkenreich von VW, Daimler im Bund mit Renault und Nissan , das aufstrebende koreanische Schwesternpaar Hyundai und Kia und schließlich die amerikanischen Autobauer GM und Ford.
Anders als die Massenhersteller steuern die Premiummarken BMW, Audi und Daimler in diesem Jahr noch Spitzenbilanzen an. Doch auch sie bekommen die Folgen der Krise in Europa immer stärker zu spüren, was in den Vorstandsetagen die Alarmglocken schrillen lässt. "Die Risiken nehmen eher zu als ab", warnte BMW-Chef Norbert Reithofer jüngst bei der Präsentation der Rekordbilanz für das zweite Quartal. Ähnlich äußerte sich Daimler. Auch Volkswagen – durch die Tochter Audi selbst ein Premiumhersteller – stellt sich auf eine holprigere Wegstrecke ein. Europas größter Autokonzern muss in den kommenden Monaten zudem hohe Kosten für neue Modelle wie den Golf in siebter Generation schultern. Einsparungen durch eines Produktionssystem, das VW gerade einführt, sind dagegen erst in einigen Jahren zu erwarten. Ein Selbstläufer ist der Weg an die Weltmarktspitze also nicht.
+++Daimler verzeichnet erstes Absatzminus seit 2009+++
Schwope rechnet in diese Jahr mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen von Volkswagen und General Motors um Rang zwei hinter Toyota. "Beide könnten im Bereich von 9,2 Millionen Fahrzeuge landen." VW könnte dabei die Nase vorn haben, weil sich die Wolfsburger den Absatz von Porsche und MAN in diesem Jahr ganz anrechnen können. Die Rangfolge ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Denn erst in einigen Jahren entscheidet sich, wer am Ende am besten dasteht, wenn die Europakrise überstanden ist.
(Reuters)

















