27.07.12

Zweistellige Wachstumsraten

Porsche fährt weiter auf Erfolgsspur

Die weltweite Nachfrage nach schnellen Flitzern beschert Porsche weiter glänzende Zahlen. Sportwagenbauer bleibt bei Jahresprognose.

Foto: dpa/DPA
Porsche Produktion

Stuttgart. Porsche profitiert weiter von dem ungebrochenen Ansturm auf Luxusautos in den USA und in China. Auch auf dem Heimatmarkt schrieben die Stuttgarter glänzende Zahlen. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29,3 Prozent auf rund 6,76 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 20,6 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro zu. Das teilte die Porsche AG am Freitag in Stuttgart mit.

Getrieben wurde das Geschäft des Sportwagenbauers vor allem von den USA als größtem Einzelmarkt und von China als Nummer 2. Weltweit setzte Porsche von Januar bis Juni 68 940 Fahrzeuge ab – ein Plus von 22,5 Prozent. Allein in Deutschland stieg der Absatz um 24 Prozent auf 8335 Fahrzeuge.

+++ Autobauer Porsche bricht alle Rekorde +++

+++ Chef hat zur Porsche-Übernahme Sonnenschein im Gepäck +++

Porsche sieht sich damit für das Gesamtjahr auf Rekordkurs: Der Autobauer wolle das Vorjahresergebnis trotz hoher Entwicklungs- und Strukturaufwendungen für neue Modelle übertreffen, sagte Finanzvorstand Lutz Meschke. 2011 hatte das operative Ergebnis bei mehr als 2 Milliarden Euro gelegen.

"Wir bieten unseren Kunden herausragende Sportwagen, die höchsten Ansprüchen gerecht werden", sagte Porsche-Chef Matthias Müller. "So können wir auch in konjunkturell schwierigen Zeiten in der Erfolgsspur bleiben." Anderen Herstellern macht die schwache Konjunktur in Europa dagegen zunehmend zu schaffen.

+++ Volkswagen übernimmt die Porsche AG komplett +++

Auch der Autobauer Daimler hatte bereits am Vortag die jüngsten Zahlen vorgelegt und einen satten Gewinnrückgang verkündet - allerdings entgegen Spekulationen auf eine reduzierte Gewinnprognose vorerst verzichtet. Porsche schreibt weiter gute Zahlen, da das Geschäft mit Luxusautos weniger abhängig von der weltweiten Konjunktur ist.

Der Autobauer Volkswagen, deren zwölfte Tochter Porsche werden so ll, ließ am Vortag bei der Präsentation seiner Quartalszahlen zwar vorsichtigere Töne anklingen, profitiert allerdings von seiner weltweiten Aufstellung. Ähnlich wie Porsche sichert sich auch VW Zuwächse durch das starke Asien- und Amerikageschäft.

+++ Service: Hier finden Sie die aktuellen Börsenkurse im Detail +++

Die Wolfsburger hatten Anfang Juli angekündigt, zügig die übrigen 50,1 Prozent des operativen Sportwagengeschäfts der Stuttgarter übernehmen zu wollen. 49,9 Prozent gehören den Wolfsburgern schon. Wohl bereits zum 1. August will VW die noch fehlenden Aktien erwerben. Dafür will der Autobauer rund 4,46 Milliarden Euro zahlen.

Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE
Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE
Die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE (PSE) hortet zwei Schätze unter ihrem Dach.
Erstens halten die Schwaben gut 50 Prozent der Volkswagen-Stammaktien, also der stimmberechtigten Anteilsscheine des Wolfsburger Konzerns.
Zweitens gehört der PSE gut die Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft.
Diese Konstellation ist das Ergebnis eines Burgfriedens, den die Stuttgarter und die Wolfsburger nach einer Übernahmeschlacht vor rund drei Jahren schlossen.
Die PSE hatte sich beim Versuch, mit riskanten Finanzgeschäften die Macht bei VW an sich zu reißen, derart verschuldet, dass am Ende ausgerechnet VW die letzte Rettung war.
In einem ersten Schritt der Hilfe kauften die Wolfsburger 2009 knapp die Hälfte am reinen Sportwagengeschäft aus der Porsche AG.
Es flossen knapp 4 Milliarden Euro in den Süden, die den gut 11 Milliarden Euro großen Schuldenberg der PSE ein Stück weit abtrugen.
So schnell wie möglich soll nun die zweite Hälfte der Porsche AG auch an VW gehen. Unter dem Dach der PSE blieben dann die VW-Anteile.
Doch das ist ihren Besitzern – allen voran die Familien Porsche und Piëch, gefolgt vom Emirat Katar – offenbar zu wenig. Im Juni 2012 beschloss die Hauptversammlung eine Satzungsänderung.
Kern der neuen Basis für die PSE: Sie kann künftig beispielsweise auch mit Rohstoffen handeln, Wind- oder Solarenergie erzeugen und damit handeln oder im großen Stil ins Immobiliengeschäft einsteigen.
Die Mittel dafür kämen auch aus dem Dividendenanspruch der VW-Aktien. Automobilexperten vermuten, dass die PSE strategische Positionen in der Welt der Autobauer besetzen soll und VW als Kunden einbindet. (dpa)
Der schwierige Weg von Porsche und VW
Es war ein langer, schmutziger und harter Kampf: Porsche wollte VW einst übernehmen, verhob sich daran und blickt nun als Folge der verlorenen Schlacht auf eine Flutwelle an Klagen. Wichtige Daten:
25. September 2005: Porsche gibt Pläne für einen Einstieg bei VW bekannt. Die Schwaben sichern sich zunächst 20 Prozent der VW-Stammaktien.
26. Juni 2007: Der Sportwagenhersteller bündelt die Porsche AG und die damals knapp 31 Prozent der VW-Stammaktien in der Europäischen Aktiengesellschaft Porsche Automobil Holding SE.
26. Oktober 2008: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verkündet, den Anteil an VW nicht nur auf 50 Prozent, sondern sogar auf 75 Prozent der Stammaktien ausbauen zu wollen. Gleichzeitig gibt er bekannt, dass Porsche seinen Anteil auf 42,6 Prozent aufgestockt hat und zusätzlich 31,5 Prozent in Form von Optionen zur Kurssicherung hält. Die Nachricht löst einen Kursanstieg der VW-Aktie bis auf über 1000 Euro aus. Leerverkäufer haben sich mit geliehenen Aktien verspekuliert.
05. Januar 2009: Porsche sichert sich die Mehrheit an Volkswagen. Die Beteiligung ist auf 50,76 Prozent der Stammaktien gestiegen.
06. Mai 2009: Porsche begräbt seine waghalsigen Pläne zur Übernahme von VW. Die beiden Autobauer sollen nun einen integrierten Autokonzern bilden.
23. Juli 2009: Volkswagen triumphiert endgültig über Porsche. Porsche-Chef Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter müssen gehen. Porsche soll unter das VW-Dach schlüpfen. Das Hauptproblem: Die Stuttgarter haben bei dem waghalsigen Versuch, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft.
13. August 2009: VW und Porsche ebnen den Weg für ein neues Autoimperium. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen stimmen einer Vereinbarung zu, die das Zusammengehen regelt. Die Wunschlösung ist eine Verschmelzung der Porsche SE mit der VW AG 2011.
20. August 2009: Es wird bekannt, dass Wiedeking nach dem Übernahmedrama ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist. Auch gegen Ex-Finanzchef Holger Härter wird ermittelt.
7. Dezember 2009: Volkswagen übernimmt knapp die Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäfts. Die Wolfsburger beteiligen sich mit 49,9 Prozent an der Porsche AG und zahlen dafür 3,9 Milliarden Euro.
Ende Januar 2010: Die Übernahmeschlacht um Volkswagen holt Porsche in den USA ein. Eine Gruppe von US-Investmentfonds verklagt die Porsche SE und deren ehemalige Vorstände wegen undurchsichtiger Aktiengeschäfte auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Später kommen weitere Klagen hinzu. Der Ausgang ist offen.
8. September 2011: Die beiden Autobauer verkünden, dass eine Fusion 2011 nicht mehr gelingt. Plan B könnte dagegen verwirklicht werden. Demnach kann VW frühestens ab 15. November 2012 das Porsche-Sportwagengeschäft komplett übernehmen. Beide Unternehmen kündigen aber an, weitere Möglichkeiten zu prüfen.
29. September 2012: Das Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet, dass VW-Patriarch Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der Porsche SE verletzt hat. Im Mai 2009 habe er sinngemäß gesagt, er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte von Porsche verschaffen können und wisse nicht, wie hoch die Risiken seien. Das Gericht erklärte die Entlastung des gesamten Aufsichtsrates für das Geschäftsjahr 2008/09 für nichtig.
6. März 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt wegen Kreditbetrugs Anklage gegen drei Manager aus dem Finanzbereich der Porsche SE. Eine richtet sich gegen Ex-Finanzchef Härter.
27. Juni 2012: Vor dem Braunschweiger Landgericht werden die ersten zwei von fünf Investorenklagen verhandelt. Dabei geht es um die Folgen der Übernahmeschlacht zwischen den beiden Unternehmen – nach Darstellung der Kläger verheimlichte die damalige Porsche-Spitze ihre später gescheiterte Absicht, VW zu schlucken. Dadurch sollen den Anlegern beträchtliche Gewinne entgangen sein. (dpa)
Satzungsänderungen der Porsche-Muttergesellschaft
Satzungsänderungen der Porsche-Muttergesellschaft
Die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE (kurz PSE) hortet zwei Schätze unter ihrem Dach. Erstens halten die Schwaben gut 50 Prozent der Volkswagen-Stammaktien, also der stimmberechtigten Anteilsscheine des Wolfsburger Konzerns. Zweitens gehört der Dachgesellschaft gut die Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft.
Diese Konstellation ist das Ergebnis eines Burgfriedens, den die Stuttgarter und die Wolfsburger nach einer Übernahmeschlacht vor rund drei Jahren schlossen. Die PSE hatte sich beim Versuch, mit riskanten Finanzgeschäften die Macht bei VW an sich zu reißen, kräftig verhoben und derart viele Schulden angehäuft, dass am Ende ausgerechnet VW die letzte Rettung war.
In einem ersten Schritt der Hilfe kauften die Wolfsburger 2009 knapp die Hälfte am reinen Sportwagengeschäft aus der Porsche AG. Es flossen knapp 4 Milliarden Euro in den Süden, die den gut 11 Milliarden Euro großen Schuldenberg der PSE ein Stück weit abtrugen.
So schnell wie möglich soll nun die zweite Hälfte der Porsche AG auch an VW gehen. Unter dem Dach der PSE blieben dann noch die VW-Anteile. Doch das ist ihren Besitzern – allen voran die Familien Porsche und Piëch, gefolgt vom Emirat Katar – offenbar zu wenig. Daher sollten die Aktionäre am Montag eine umfassende Satzungsänderung beschließen.
Kern der neuen Basis für die PSE: Sie kann künftig beispielsweise auch mit Rohstoffen handeln, Wind- oder Solarenergie erzeugen und damit handeln oder im großen Stil ins Immobiliengeschäft einsteigen. Die Mittel dafür kämen auch aus dem Dividendenanspruch der VW-Aktien. Winterkorn erklärte am Montag, dass das Geld in der PSE in Zukunft "für weitere strategische Beteiligungen" genutzt werden solle.
Automobilexperten sehen darin ein Indiz dafür, dass die PSE strategische Positionen in der Welt der Autobauer besetzen soll - etwa bei Energie oder Materialeinkauf – und diese Stellung mit einem Geschäftsmodell in Richtung VW verknüpft. Deren Chef sagte am Montag: "Volkswagen bleibt auch in Zukunft das Kerninvestment der Porsche SE. Die Porsche SE ist und bleibt untrennbar mit der Automobilindustrie verbunden."
Alle denkbaren neuen Geschäftsfelder bewegten sich "entlang der automobilen Wertschöpfungskette" – die PSE bleibe also der Autowelt treu. Details nannte Winterkorn am Montag nicht. (dpa)
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