28.06.12

Arbeitslosenzahlen

Arbeitsmarkt schwächelt – keine Wende zum Schlechten

Auch wenn im Juni der Arbeitsmarkt schwächelt, bleibt der BA-Chef für 2012 postiv. Hamburg hat sogar niedrigsten Juni-Wert seit 2001.

Foto: dpa
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni 2012 um 46.000 auf 2, 809 Millionen Menschen gesunken. Das waren 84.000 weniger als vor einem Jahr
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni 2012 um 46.000 auf 2, 809 Millionen Menschen gesunken. Das waren 84.000 weniger als vor einem Jahr

Hamburg/Nürnberg/Hannover. Im Juni ist die Zahl der Arbeitsuchenden in Deutschland erneut nicht so stark gesunken wie für die Jahreszeit üblich. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren in diesem Monat 2,809 Millionen Erwerbslose registriert, wie die Behörde am Donnerstag in Nürnberg mitteilte.

Das seien 46.000 weniger als im Mai und 84.000 weniger als im Juni vorigen Jahres. Die Arbeitslosenquote betrug 6,6 Prozent. "Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es im Juni Anzeichen einer schwächeren Entwicklung", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. Die Zahl der arbeitslosen Menschen sei weniger stark gesunken als im Juni üblich, und die Nachfrage nach Arbeitskräften habe nachgegeben. Saisonbereinigt stieg die Erwerbslosenzahl im Monatsvergleich um 7000 Arbeitslose.

+++ Zahl der Arbeitsuchenden sinkt auf 2,809 Millionen +++

+++ Arbeitslosigkeit: niedrigster Juni-Wert seit 2001 +++

BA-Chef Weise: Keine Trendwende am Arbeitsmarkt

Trotz des abgeschwächten Jobaufschwungs in Deutschland rechnet die BA)für dieses Jahr nicht mit einer Trendwende. "Wir haben viele belegbare Fakten, wie die gute Lage der Bauwirtschaft und die gute Binnenkonjunktur, die deutlich machen, dass sich da in diesem Jahr nichts ändern wird", sagte Weise.

Unklar sei allerdings die Entwicklung im Jahr 2013. Weiter bestehende Risiken im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise könnten dazu führen, dass sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im kommenden Jahr verschlechtere.

Niedrigster Juni-Wert sei 2001 Hamburg

Auch in der Hansestadt ist die Arbeitslosigkeit im Juni leicht zurückgegangen. 70.269 Menschen waren in Hamburg arbeitslos gemeldet, wie die Arbeitsagentur am Donnerstag mitteilte - 0,4 Prozent weniger als im Vormonat. Im Vergleich zum Juni 2011 sank die Zahl um 2,2 Prozent. "Das ist der niedrigste Juni-Wert seit 2001 mit 68.294", sagte Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit in Hamburg.

Die Arbeitslosenquote bleibt – wie im Mai 2012 – bei 7,4 Prozent. "Mit Blick auf den Hamburger Arbeitsmarkt ziehe ich nach der ersten Hälfte des Jahres eine positive Bilanz", erklärte Sönke Fock, der Vorsitzende der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit. "Deutlichen Rückenwind spüren wir auch auf dem Hamburger Ausbildungsmarkt."

+++ Die Zahl der offenen Arbeitsstellen nimmt ab +++

Noch 3950 freie Ausbildungsplätze

Hamburger Ausbildungsunternehmen haben der Arbeitsagentur seit Oktober 2011 insgesamt 9751 Lehrstellen zur Besetzung gemeldet, dies entspricht einem Zuwachs von 20,1 Prozent zum vergleichbaren Vorjahrszeitraum. Aktuell stehen jungen Bewerbern noch 3.950 freie Ausbildungsstellen zur Verfügung.

Bestehende Beschäftigung in Hamburger Betrieben ist insgesamt sicherer geworden. Im Juni haben 5574 Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verloren und mussten sich bei uns in der Arbeitsagentur melden. Im Mai waren es noch 6614, also 1050 mehr als im aktuellen Monat. Gleichzeitig hat sich aber das Einstellungsverhalten Hamburger Unternehmen etwas abgekühlt. So nahmen zwar 5323 Arbeitslose eine Erwerbstätigkeit auf, im Mai waren es allerdings 6047 und damit 724 oder 12 Prozent mehr. "Die Zurückhaltung sehen wir in der beginnenden Ferien- und Urlaubszeit begründet, die sich üblicherweise dämpfend auf die Dynamik des Arbeitsmarktes auswirkt", sagte Fock.

Weniger Jobsuchende in Niedersachsen – Nachfrage lässt nach

Die Lage auf dem niedersächsischen Arbeitsmarkt hat sich im Juni weiter entspannt. Wie die BA am Donnerstag berichtete, waren in diesem Monat landesweit etwas mehr als 253.000 Erwerbslose registriert.

Das waren 5,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Mai sank die Zahl der Menschen ohne Job um 1,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote ging von 6,4 Prozent im Vormonat auf 6,2 Prozent zurück. BA-Regionalchef Klaus Stietenroth sprach von einer erfreulichen Entwicklung.

Jedoch schwächte sich die Nachfrage vieler Unternehmen nach Personal ab: Die Zahl der im Juni neu gemeldeten Stellen nahm bezogen auf den Mai um 10,9 Prozent ab, Bauwirtschaft und Gastronomie boten weniger Jobs an.

Stabile Nachrfrage nach Arbeitskräften im Norden

Die Arbeitslosigkeit hat in Schleswig-Holstein weiter abgenommen. Im Juni waren im nördlichsten Bundesland 96 600 Menschen ohne festen Job und damit 3200 weniger als vor einem Jahr, teilte die Agentur für Arbeit am Donnerstag in Kiel mit. Dies ist die niedrigste Arbeitslosenzahl in einem Juni seit 18 Jahren.

Die Quote sank auf 6,6 Prozent, nachdem sie vor einem Jahr noch bei 7,0 Prozent lag. Unverändert stabil ist die Nachfrage nach Arbeitskräften. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen hat weiter zugenommen.

Der Nordosten profitiert vom Sommer

Der Sommer zeigt sich weiter als Verbündeter auf dem Arbeitsmarkt Mecklenburg-Vorpommerns: Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Mai um 4300 auf 95 000 gesunken. Die Arbeitslosenquote lag zum Monatsende bei 11,2 Prozent, wie die Regionaldirektion Nord der BA am Donnerstag in Schwerin mitteilte.

Im Mai waren es noch 11,7 Prozent. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres sank die Zahl der Arbeitslosen um 6500 oder 6,4 Prozent. Damit habe der zu Ende gehende Monat die niedrigste Arbeitslosenzahl eines Juni seit der Wende, sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann. Von der abnehmenden Arbeitslosigkeit hätten alle Altersgruppen profitiert. (dpa/Reuters/abendblatt.de)

Was der Exportnation Deutschland zu schaffen macht
Was der Exportnation Deutschland zu schaffen macht
Schuldenkrise und schwächelnde Weltkonjunktur belasten die deutsche Wirtschaft immer stärker. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sackte im Juni auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren ab. Hauptgrund dafür: Die Industrie schraubte ihre Exporterwartungen deutlich zurück, weil es in der Weltwirtschaft so laut knirscht wie während der Finanzkrise 2009 nicht mehr.
Selbst in boomenden Schwellenländern wie China läuft es nicht mehr rund. Ein Überblick über Lage und Aussichten wichtiger Handelspartner:
USA:
Trotz Nullzinspolitik und gigantischer Finanzspritzen durch die Notenbank Fed stockt der Aufschwung. Die Fed nahm diese Woche ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,75 auf 2,1 Prozent zurück. Schon im ersten Quartal war der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Welt die Puste ausgegangen. Sie wuchs nur noch um 1,9 Prozent, nachdem es Ende 2011 noch drei Prozent waren.
Für das Frühjahr deutet sich eine erneute Abschwächung ab: Im Mai wurden nur noch 69.000 Stellen geschaffen – so wenige wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,2 Prozent. Damit droht der private Konsum als Konjunkturmotor auszufallen. Etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung der USA hängen von den Konsumausgaben ab. Die Vereinigten Staaten gehören zu den Hauptkunden des Export-Vizeweltmeisters Deutschland.
China:
Auch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mehren sich die Anzeichen für eine spürbare Konjunkturabkühlung. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Juni auf ein Sieben-Monats-Tief. Dem Exportweltmeister setzt die Krise in seinem wichtigsten Absatzmarkt Europa zu.
Für das Gesamtjahr sagen Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent voraus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999. Für zahlreiche deutsche Unternehmen ist China inzwischen der wichtigste Kunde, etwa für Volkswagen und Porsche.
Eurozone:
Das größte Sorgenkind der Weltwirtschaft ist die Europäische Währungsunion, deren Fortbestand wegen der Krise in Griechenland und anderen Ländern infrage gestellt wird. Wirtschaftlich liegt die Eurozone am Boden. Italien und Spanien stecken in der Rezession, von Griechenland ganz zu schweigen.
Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie nie zuvor. 17,4 Millionen Menschen sind derzeit ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von elf Prozent entspricht. Rasche Besserung ist nicht in Sicht, weil die Industrie der Euro-Länder immer tiefer in die Krise schlittert: Ihr Einkaufsmanagerindex verharrte im Juni auf den schlechtesten Wert seit drei Jahren.
Die EU-Kommission befürchtet, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,3 Prozent fallen wird. Knapp 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die Währungsunion.
Russland:
Einer der am schnellsten wachsenden deutschen Auslandsmärkte gerät durch den Verfall der Rohstoffpreise unter Druck. Der Preis für Öl – dem wichtigsten Exportschlager Russlands – fiel klar unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Bleibt das so, fehlen dem industriell unterentwickelten Land viele Milliarden.
Der Rubel fiel deshalb zeitweise auf den tiefsten Stand seit drei Jahren, was wiederum Importe merklich verteuert. Das sind schlechte Nachrichten für die deutschen Exporteure, die ihren Umsatz in Russland 2011 um fast ein Drittel steigerten.
Indien:
Das aufstrebende Schwellenland ist im ersten Quartal so langsam gewachsen wie seit neun Jahren nicht mehr. Von Januar bis März legte das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.
In den Jahren vor der Finanzkrise hatte Indien noch mit Wachstumsraten von mehr als neun Prozent geglänzt und sich ein Wettrennen mit China um das am schnellsten aufholende Schwellenland geliefert. Sorge bereitet vor allem das verarbeitende Gewerbe, das sogar um 0,3 Prozent schrumpfte.
Der Industrie macht die schwache Währung zu schaffen, die Importe verteuert. Die Zentralbank versucht, die Inflation mit hohen Zinsen zu dämpfen. Dadurch werden aber auch Kredite teurer, was Investitionen und Konsum belastet.
Brasilien:
Neben China und Indien schwächelt mit Brasilien auch das dritte große Schwellenland. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal mit 0,2 Prozent zum Vorquartal nur halb so stark zu wie erwartet. Ökonomen gehen davon aus, dass die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt 2012 erneut um weniger als drei Prozent wachsen wird.
Zum Vergleich: 2010 waren es noch 7,5 Prozent. Dem Land zu schaffen machen die noch immer schlechte Infrastruktur, eine überbewertete Währung und schlecht ausgebildete, aber vergleichsweise teure Arbeitskräfte. (Reuters)
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