19.06.12

Verbraucherorganisation Foodwatch

Negativpreis für zuckerige Kindertees von Hipp

Hipp-Kindertee enthält zweieinhalb Stück Würfelzucker pro 200-Milliliter-Tasse. Hipp will nach Abstimmung im Netz reagieren.

Foto: dapd
Zu viel Zucker im Kindertee: Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode fordert die Regierung auf, den Markt für Kinderlebensmittel zu regulieren. Mit einem entsprechenden Gesetz hätte es Hipps Zucker-Tees für Kleinkinder gar nicht erst gegeben
Zu viel Zucker im Kindertee: Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode fordert die Regierung auf, den Markt für Kinderlebensmittel zu regulieren. Mit einem entsprechenden Gesetz hätte es Hipps Zucker-Tees für Kleinkinder gar nicht erst gegeben

Berlin. Zuckrige Kindertees der Firma Hipp sind von der Verbraucherorganisation Foodwatch mit dem Negativpreis "Goldener Windbeutel" ausgezeichnet worden. Bei der am Dienstag zu Ende gegangenen Online-Abstimmung hätten mehr als 44.000 Verbraucher (34,1 Prozent) für die Zuckergranulat-Tees "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse" von Hipp gestimmt, teilte die Organisation mit. Insgesamt beteiligten sich 129.229 Menschen auf der Internetseite abgespeist.de, um über die dreisteste Werbelüge 2012 abzustimmen.

Hipp bewerbe die Instant-Tees als geeignete Getränke für Kleinkinder ab dem 12. Monat, teilte Foodwatch mit. Der Kindertee bringe es aber auf umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker pro 200-Milliliter-Tasse. Experten würden empfehlen, Kindern nur ungesüßte Tees zu geben.

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Foodwatch-Mitarbeiter Oliver Huizinga sagte: "Eltern ein solches Produkt für Kleinkinder zu empfehlen, ist unverantwortlich und passt in keiner Weise zu dem so oft betonten Anspruch von Hipp, 'kindgerechte' und 'gesunde' Produkte anzubieten." Nach Bekanntgabe der Nominierung für den "Goldenen Windbeutel" habe der Hersteller versprochen, die Produkte bis Ende des Jahres durch neue Produkte ohne Zuckerzusatz ersetzen zu wollen. Der Preis sollte noch am Dienstag am Unternehmenssitz des Herstellers im bayerischen Pfaffenhofen übergeben werden.

+++ Foodwatch-Report 2012 als pdf-Download (2,9 MB) +++

Auf Platz zwei der Etikettenschwindelliste schaffte es die Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung von Netto (27,5 Prozent). Auf Rang drei folgte Becel pro activ von Unilever (22,2 Prozent) vor Clausthaler von Radeberger (10,1 Prozent). Auf Rang fünf lag von Teekanne "Landlust Mirabelle & Birne" (6,1 Prozent). Der "Goldene Windbeutel" wurde zum vierten Mal vergeben. Nominiert waren fünf Produkte, die vom 22. Mai bis 18. Juni gewählt werden konnten.

Aufgabe des Preises ist es Foodwatch zufolge, gemeinsam mit den Verbrauchern Druck auf die Lebensmittelindustrie auszuüben, damit diese ihre "irreführenden Werbepraktiken" aufgibt. Die bisherigen Gewinner waren Milch-Schnitte von Ferrero (2011), Monte Drink von Zott (23010) und Actimel von Danone (2009). Ferrero hatte den Preis im vergangenen Jahr abgelehnt: Es gebe keine Hinweise, dass die Verbraucher die Werbung als irreführend empfänden.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode forderte die Bundesregierung auf, den Markt für Kinderlebensmittel zu regulieren . "Es dürfen nur noch Produkte, die wirklich geeignet für Kinder sind, als solche beworben werden", sagte er . Mit einem entsprechenden Gesetz hätte es Hipps Zucker-Tees für Kleinkinder gar nicht erst gegeben.

Die vielen Fälle von Verbrauchertäuschung sagten nicht nur etwas über die Praktiken der Unternehmen, sondern auch über das Versagen des Staates beim Schutz der Verbraucher, erklärte Bode. Täuschung sei im Lebensmittelrecht zwar verboten – in der Praxis aber sehe es anders aus. "Es fehlt überall an Transparenz, bei den Herkunftsangaben, bei den Zutaten, der Tierhaltung, beim Einsatz von Gentechnik", sagte Bode. Benötigt würden Gesetze, die endlich den legalen Etikettenschwindel illegal machten.

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Bode kritisierte auch die Werbung von Fußball-Nationalspielern für ungesunde Lebensmittel. "Die Herren Schweinsteiger, Müller und Co. würden ihrer Vorbildrolle gerade für Kinder eher gerecht, wenn sie sich nicht mehr für die Werbung von Chips und Salami mehr hergeben", sagte er. Der Deutsche Fußballbund verstoße ohne Scham gegen seine eigene Satzung als gemeinnütziger Verein, "in der ein Vereinszweck die Förderung gesunder Ernährung ist". Dazu passe es nicht, wenn der DFB sich von einem Süßwarenhersteller wie Ferrero finanzieren lasse, indem er mit seinem guten Namen die Vermarktung von Süßigkeiten als sportlich-leichte Zwischenmahlzeiten unterstütze.

Foodwatch wurde im Oktober 2002 als eingetragener Verein mit Sitz in Berlin vom früheren Greenpeace-Chef Thilo Bode gegründet, der seitdem als Geschäftsführer fungiert. (dapd/abendblatt.de)

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