18.06.12

Energiekonzern RWE

Umweltschützer kritisieren RWE-Pläne als unzureichend

Keine neuen AKWs im Ausland: Neuer RWE-Chef will seinem Konzern ein grüneres Image verpassen. Umweltschützern reicht das nicht.

Foto: dapd
Peter Terium
Der neue RWE-Chef Peter Terium will auf den Neubau von AKWs im Ausland verzichten. Eine echte Atomwende hierzulande würde der Energiekonzern jedoch nicht vollziehen, so Umweltschützer

Hamburg/Essen. Der Energiekonzern RWE bleibt nach Ansicht von Atomkraftgegnern nach seiner Ankündigung zum Rückzug aus dem internationalen AKW-Geschäft den Nachweis für eine echte Atomwende im Inland schuldig. Noch bis 2021 wolle der Konzern im bayerischen Gundremmingen ein AKW vom Fukushima-Typ weiterbetreiben, sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt" am Montag in Hamburg.

Und bis 2022 solle in Lingen ein Reaktor laufen, der nicht gegen den Absturz einer großen Verkehrsmaschine gesichert sei. "Wir erwarten von RWE, dass diese Risiko-Kraftwerke bereits jetzt stillgelegt werden", sagte Stay.

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern hatte zuvor einen Medienbericht bestätigt, er wolle künftig auch im Ausland keine AKW mehr bauen. RWE prüfe stattdessen stärkere Investitionen in der Solarbranche.

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Der neue RWE-Chef Peter Terium legte bereits zwei Wochen vor seinem Amtsantritt den Kurs nach dem Atomausstieg fest und legte verabschiedete sich damit auch von dem Atomkurs seines Vorgängers Jürgen Großmann . "Wir werden nicht mehr in neue Kernkraftwerke investieren", sagte der Niederländer zu Journalisten in Essen. Die Anlagen seien zu teuer, der gegenwärtige Strompreis zu niedrig und die politischen Rahmenbedingungen zu unsicher. Auch weitere Großkraftwerke, etwa Kohle- oder Gaskraftwerke, werde RWE vorerst nicht bauen. Ältere, unrentable Anlagen will Terium abschalten.

Was Terium nüchtern ankündigt, kommt bei RWE einer Revolution gleich. Unter Großmann war der Konzern der lautstärkste Verfechter der Kernenergie. Kein anderer Manager hat sich so energisch wie der Zwei-Meter-Mann für die Atomkraft in die Bresche geworfen. Letztlich vergebens: Im Zuge der Atomwende musste der Essener Versorger 2011 die beiden Meiler im hessischen Biblis abschalten. In zehn Jahren soll das letzte AKW in Deutschland vom Netz. Darüber hinaus ist RWE nur noch in den Niederlanden an dem AKW Borssele beteiligt. Großmann träumte von einem weiteren Kraftwerk. Auch hier macht Terium jedoch kurzen Prozess: "Wir planen auch in den Niederlanden kein neues Kernkraftwerk. Das finanzielle Risiko und die Rahmenbedingungen für Kernkraftwerke können wir uns nicht mehr leisten."

RWE kämpft wie der Düsseldorfer Konkurrent Eon nach der Atomwende mit Gewinneinbußen. Den Konzern drücken Nettoschulden von über 30 Milliarden Euro. Die Kosten für neue Kernkraftwerke sind in die Höhe geschossen, RWE dürfte mit dem Rückzieher auch bei Ratingagenturen auf ein positives Echo stoßen. Die Pläne, zusammen mit Eon in Großbritannien für 18 Milliarden Euro mehrere Meiler hochzuziehen, hatte RWE bereits vor Wochen zu den Akten gelegt. Zuvor hatte Großmann Bauvorhaben in Bulgarien und Rumänien abgeblasen. Eon-Chef Johannes Teyssen hält derweil an Plänen zum AKW-Bau in Finnland fest.

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Terium will RWE ein grüneres Image verpassen und das unter Großmann nur begrenzt geschätzte Geschäft mit Solarenergie ausbauen. "Wir werden uns mehr mit Photovoltaik befassen." Der Konzern habe dabei vor allem Spanien, Italien und Nordafrika im Blick. "Die Kosten für Photovoltaik sind deutlich günstiger als vor Jahren gedacht." RWE wolle gemeinsam mit Stadtwerken Solarparks bauen. "Wir suchen aktiv nach Partnerschaften, kleine oder große." Die Stadtwerke blieben natürlicher Partner für RWE. Über die bekannten Verkäufe von Beteiligungen an kommunalen Versorgern wie der Süwag und der VSE hinaus wolle er auch keine Stadtwerke abstoßen. "Den Kranz der Stadtwerke werden wir behalten." Den Geschäftskunden will Terium beim Kraftwerksbau Dienstleistungen anbieten. "Wir haben das Know-how."

Unter der Führung des 48-Jährigen gelernten Wirtschaftsprüfers wird RWE auch verstärkt auf die Kosten achten. "Auch bei RWE stehen harte Entscheidungen an." Dem dürften auch weitere Stellen zum Opfer fallen. "Wir werden mittel- bis langfristig das Geschäft mit weniger Personal betreiben können und müssen." Es gebe aber keine Zahl für einen Stellenabbau. "Das läuft alles sozialverträglich", versichert der Manager, der sich selbst als ausgeprägten Teamplayer sieht. Bereits vor einigen Monaten war aus Konzernkreisen verlautet, dass RWE rund 8000 der 72.000 Stellen abbauen will, auch durch Beteiligungsverkäufe.

Die Zeit, in der RWE Milliardenbeträge in neue Kraftwerke investiert, ist Terium zufolge nicht nur bei der Kernenergie vorbei. "Wir werden in absehbarer Zeit auch keine neuen Großkraftwerke mehr bauen." Wie lange, könne er nicht sagen. Dies gelte auch für ein geplantes neues Braunkohlekraftwerk am Standort Niederaußem im Rheinland. Die Planungen würden zwar fortgesetzt, einen Baubeschluss werde es vorerst aber nicht geben. "Die Planungen gehen nicht über die Schublade hinaus."

Stattdessen könne es sein, dass RWE weitere ältere Anlagen abschaltet, weil sich ihr Betrieb nicht mehr lohnt. Möglich sei, dass das Unternehmen ältere Kohlekraftwerke einmotte. Er lasse derzeit Anlagen in ganz Europa überprüfen. Eine Lösung, in der RWE alte Anlagen am Netz lässt, um die Versorgung in Deutschland nach der Atomwende zu sichern, will Terium nicht ausschließen. Dies müsse aber honoriert werden. Wie lässt er offen. "Subventionen sind eine Lösung, für mich aber die letzte." (dapd/Reuters/abendblatt.de)

Ökostromanteile der Energieriesen ist ausbaufähig
Nach der Energiewende: Ökostromanteile der Energieriesen ist auch im Jahr 2012 noch ausbaufähig.
Der Anteil der vier großen Stromkonzerne in Deutschland an den regenerativen Erzeugungskapazitäten liegt zum Teil noch im einstelligen Prozentbereich.
Wind und Wasser sind dabei die wichtigsten Quellen.
Mit einer Kraftwerkskapazität von rund 5 Prozent (2010) an der gesamten Erzeugung hat vor allem der Branchenriese RWE noch erheblichen Ausbaubedarf.
Eon und die baden-württembergische EnBW kommen jeweils auf gut 10 Prozent.
Nur die deutsche Tochter der schwedischen Vattenfall erreicht nach eigenen Angaben mit 20 Prozent am Erzeugungsmix etwa den Anteil, der auch bundesweit auf die erneuerbaren Energien entfällt.
RWE und Eon haben für die kommenden Jahre Milliardeninvestitionen in den Ausbau vor allem für Windparks angekündigt. (dpa)
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