30.05.12

Konjunkturerwartungen

DIW sieht gedämpftes Wachstum – Firmen optimistischer

Der Aufschwung setzt sich fort, aber langsamer, so die DIW-Experten. Deutche Firmen sind laut einer DIHK-Umfrage positiver gestimmt.

Foto: dapd/DAPD
Nach Einschätzung der DIW-Experten wird die deutsche Wirtschaft von April bis Juni nicht ganz so stark wie bisher erwartet. Das DIW änderte seinePrognose deshalb von 0,4 Prozent auf 0,3 Prozent
Nach Einschätzung der DIW-Experten wird die deutsche Wirtschaft von April bis Juni nicht ganz so stark wie bisher erwartet. Das DIW änderte seinePrognose deshalb von 0,4 Prozent auf 0,3 Prozent

Berlin. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet nach einem ersten starken Quartal für die deutsche Wirtschaft zwar mit einer Fortsetzung des Aufschwungs. Allerdings wird die deutsche Wirtschaft laut der DIW-Prognose im zweiten Quartal nicht mehr so stark wachsen wie bislang gedacht. Die DIW-Experten änderten deshalb ihre Prognose am Mittwoch von 0,4 Prozent auf 0,3 Prozent.

"Die Unternehmensstimmung hat sich zuletzt zwar eingetrübt, die Industrie wird ihre Produktion aber wohl weiter ausdehnen", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde den Konsum hierzulande weiter stützen, erklärte Fichtner. Zudem dürften die kräftigen Lohnabschlüsse in den diesjährigen Tarifrunden das Einkommen der Haushalte erhöhen.

+++ Teuerungsrate sinkt erstmals seit 2010 unter 2,0 Prozent +++

+++ Außenhandel stützt deutsches Wirtschaftswachstum +++

"Kräftige Zuwächse bei der Beschäftigung, wie wir sie in den vergangenen Monaten gesehen haben, sind aber vorerst kein Thema", auch wenn ein Einbruch am Arbeitsmarkt nicht bevorstehe, schränkte DIW-Konjunkturexperte Simon Junker ein.

Mit erneut deutlichen Impulsen für die heimische Wirtschaft vom Außenhandel rechnet das Institut im laufen Quartal jedoch nicht. "Die deutschen Unternehmen profitieren zwar weiterhin von den kräftig wachsenden Schwellenländern, aber die Ausfuhren in die Länder der Eurozone bleiben wegen der Krise vorerst gedämpft, erklärte das DIW.

DIHK-Umfrage: Unternehmen optimistischer

Ungeachtet der Finanzkrise im Euroraum sieht die deutsche Wirtschaft laut einer DIHK-Umfrage die nächsten Monate positiv und setzt auf das Auslandsgeschäft . Für Impulse sorgten die Wachstumsmärkte Asiens, während die Rezession bei manchem Euro-Partner die Exportzuwächse bremse. Die 25.000 befragten Unternehmen rechnen weiterhin mit guten Geschäften und steigenden Exporten – sie beurteilen die Lage als "insgesamt außergewöhnlich gut". Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erhöhte deshalb seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft 2012 auf 1,3 von 1,0 Prozent.

+++ Konjunktur in der Eurozone: Keine Rezession, aber Stillstand in der EU +++

"Die konjunkturelle Formkurve zeigt wieder nach oben", heißt es in der am Mittwoch in Berlin vorgelegten Konjunktur-Umfrage weiter. Der Ausblick auf die kommenden Monate sei spürbar optimistischer. Die Exporterwartungen hellen sich den Angaben zufolge erstmals seit einem Jahr auf. Insgesamt rechnet der DIHK für das laufende Jahr mit einem Zuwachs der deutschen Wirtschaft um 1,3 Prozent und einem weiteren Rückgang der Zahl der Arbeitslosen auf 2,83 Millionen.

Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland mit 0,5 Prozent zwar unerwartet stark gestiegen. Zuletzt hatten Umfragen des Ifo-Instituts und unter Einkaufsmanagern jedoch wachsende Skepsis der Unternehmen zum weiteren Konjunkturverlauf an den Tag gebracht. Zudem sorgten die Lage in Griechenland und Spanien in den vergangenen Tagen zunehmend für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Die DIHK-Umfrage wurde bereits Anfang Mai abgeschlossen.

Die Kammerorganisation betonte nun, die Sparpakete und Reformschritte in vielen europäischen Ländern dämpften die Nachfrage nach Waren "Made in Germany". "Die robuste Entwicklung anderer Exportmärkte sowie die stabile Binnenkonjunktur verhindern aber Schlimmeres."

Wirtschaft könnte Euro-Austritt der Griechen verkraften

Nach Einschätzung des DIHK könnte die deutsche Wirtschaft einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone vorläufig wegstecken. Sein Verband gehe in seinem Normalszenario für die Konjunktur davon aus, dass Griechenland letztlich die Währungsunion verlassen werde, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben Der Verband befürworte ein solchen Schritt nicht, darüber würden aber die Griechen selbst entscheiden. "Von dem (Rückschlag) muss sich dann die Konjunktur im Jahresverlauf erholen." Das könnte kurzfristig zu gewissen Irritationen führen, stelle aber keine Gefahr für die Wachstumsprognose des DIHK dar. "Das wird Griechenland nicht infrage stellen", betonte Wansleben.

Langfristig stelle ein Austritt Griechenlands jedoch einen politischen Schaden dar, von dem man noch nicht wisse, wie er sich auf die Konjunktur auswirke. (dapd/dpa/Reuters/abendblatt.de)

Die vier größten Inflationsrisiken für Deutschland
Die vier größten Inflationsrisiken für Deutschland
Fallende Kraftstoffpreise haben die deutsche Inflationsrate im Mai 2012 erstmals seit rund anderthalb Jahren unter die Marke von zwei Prozent gedrückt. Experten befürchten aber, dass die Entspannung nicht von Dauer sein wird und die Preise in Deutschland künftig schneller steigen werden als in der Euro-Zone. Das sind die größten Inflationsrisiken für Deutschland:
Lohn-Preis-Spirale:
Wegen der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent mehr, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus.
Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Kosten aufzufangen, in dem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben.
Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.
Lockere EZB-Geldpolitik:
Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte.
Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.
Schwacher Euro:
Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar war er vorige Woche so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr.
Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.
Enorme Liquidität:
Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen.
Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billionen Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden. (Reuters)
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