Wirtschaft
Merkel-Sarkozy-Treffen
Merkel und Sarzkozy suchen Strategien
09.01.2012, 10:10
Uhr
09.01.2012, 10:10
Uhr
Andreas Rinke
Ob Wege aus der Finanzkrise, Transaktionssteuer oder Italien: Die Kanzlerin und der französische Präsident haben viel zu besprechen.
Treffen in Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Kanzleramt. Das Gespräch dient zur Vorbereitung für den nächsten EU-Sondergipfel Ende Januar
Foto: dapd/DAPD
Berlin.
Die Winterpause ist vorbei und der deutsch-französische Motor läuft wieder: Am
Montag (9. Januar) wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs
Präsident Nicolas Sarkozy in Berlin die nächsten Schritte aus der
Schuldenkrise in Europa besprechen. Neben den Dauersorgen um die
Refinanzierung der verschuldeten Euro-Südländer soll diesmal aber ein
anderes Thema im Vordergrund stehen. Denn nach den ständigen Rettungs- und
Sanierungsmaßnahmen in der Euro-Zone 2011 soll es nach Angaben aus deutschen
Regierungskreisen auch um die Frage gehen, wie mehr Wachstum und
Beschäftigung in der Euro-Zone erreicht werden kann.
Während an den Finanzmärkten weiter Unsicherheit herrscht, ob und zu welchen
Konditionen sich etwa Italien oder Spanien neues Geld beschaffen können,
verschiebt sich damit der Fokus der deutsch-französischen Abstimmung. Denn
in Berlin ist man überzeugt, mit dem Fiskal-Pakt für mehr nationale
Haushaltsdisziplin nun die nötigen Rahmenbedingungen für eine solidere
Haushaltspolitik erreicht zu haben. Die Gespräche über den im Dezember
anvisierten zwischenstaatlichen Vertrag sind dabei wesentlich schneller
vorangekommen als ursprünglich geplant. „Eine fachliche Einigung bereits bei
der nächsten Sitzung am Donnerstag ist nicht ausgeschlossen“, sagte der
Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU) am Sonntag der Nachrichtenagentur
Reuters.
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Schuldenkrise: Merkel und Sarkozy beraten sich in Berlin +++
Auch die Debatte über die Instrumente zur Unterstützung angeschlagener
Euro-Staaten bei der Refinanzierung ihrer Schulden ist aus Berliner Sicht in
den vergangenen Wochen erheblich weitergekommen. Merkel hat bei den
Verhandlungen über den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM beim umstrittenen
Punkt der Gläubigerhaftung eingelenkt. Auch dieser Vertrag soll möglichst
noch im Januar beschlossen werden. Offen ist noch die Frage, ob es zunächst
beim vorgesehenen Haftungsrahmen mit einer Obergrenze von 500 Milliarden
Euro bleiben wird oder ob der ESM bereits jetzt aufgestockt werden soll.
Dies hatte die Bundesregierung – anders als Frankreich – bisher abgelehnt.
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Dennoch dürften Merkel und Sarkozy auch über die
Schuldenkrise in Italien und Spanien beraten. Das in Berlin favorisierte
Vorgehen war bisher, den IWF mit zusätzlichen Finanzspritzen zu stärken,
damit dieser im Notfall Euro-Staaten größere Kreditlinien eröffnen kann –
gegen strikte Auflagen.
Weil aus Sicht der Bundesregierung zumindest das Gerüst für eine straffere
Haushaltsdisziplin der Euro-Länder steht, könne es jetzt um andere Themen
gehen. Das kommt auch Sarkozy gelegen, dem im französischen
Präsidentschaftswahlkampf vorgeworfen wurde, er folge zu sehr einer
deutschen Politik, die allein auf „Austerität“ setze. Schon im Dezember war
vereinbart worden, dass auf monatlichen Sondertreffen der 17 Euro-Staaten
künftig Themen wie stärkere Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder
Wachstumsstrategien im Vordergrund stehen sollen.
Allerdings ist nicht zu erwarten, dass Merkel und Sarkozy am Montag neue große
EU-Programme ankündigen. Die EU-Kommission soll vielmehr aufgefordert
werden, etwa die sehr unterschiedlich hohe Jugendarbeitslosigkeit in den
Euro-Ländern zu analysieren und eventuell Vorschläge für nationale Reformen
vorzulegen.
Teil der gemeinsamen Überlegungen ist zudem, wie kleinen und mittleren
Unternehmen in der EU besser geholfen werden kann und wie die EU-Struktur-
und Kohäsionsfonds-Mittel in Milliardenhöhe besser für eine Ankurbelung des
Wachstums in den Euro-Staaten eingesetzt werden können. Die Bundesregierung
hatte bereits vorgeschlagen, künftig nicht-abgerufene Gelder in einem Topf
unter Kontrolle der EU-Kommission zu sammeln.
Auf der Agenda wird auch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer stehen,
die der britische Premierminister David Cameron am Wochenende erneut
vehement ablehnte. Frankreich hatte angekündigt, diese notfalls auch im
nationalen Alleingang einführen zu wollen. Sarkozys Berater Henri Guaino
hatte am Freitag betont, dass Paris gerne zusammen mit Berlin marschieren
möchte. „Aber Frankreich ist auch bereit, voranzugehen.“ Die Bundesregierung
will eine Entscheidung noch im ersten Halbjahr, favorisiert aber ein
Vorgehen zumindest der Länder der Euro-Zone. Eine gemeinsame Position der
beiden größten europäischen Volkswirtschaften wurde bisher angesichts dieser
Differenz erst zum deutsch-französischen Ministerrat Anfang Februar
erwartet.
Das Treffen Merkels und Sarkozys ist der Auftakt für die Vorbereitung des
EU-Sondergipfels Ende Januar, der sich ebenfalls mit dem Thema eines
besseren Wachstums in der EU beschäftigen soll, zumal derzeit die
Volkswirtschaften vieler Euro-Länder in eine Rezession abgleiten. Merkel und
Sarkozy treffen am 20. Januar auch mit Italiens Regierungschef Mario Monti
zusammen. (Reuters/abendblatt.de)
Die Maßnahmen in Sachen Euro-Rettung:
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