Hamburg

HSH Nordbank macht Gewinn und glaubt an den Verkauf

Stefan Ermisch Vorstandschef HSH Nordbank

Foto: Andreas Laible

Stefan Ermisch Vorstandschef HSH Nordbank

Der Bankchef legt gute Quartalszahlen vor und weist auf möglichen Teilverkauf hin. Harsche Kritik von der Opposition.

Hamburg. Die HSH Nordbank hat die ersten drei Monate des Jahres mit einem Gewinn von 128 Millionen Euro abgeschlossen und ist zuversichtlich, dass der geplante Verkauf an einen privaten Investor gelingen wird. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres hatte der Verlust vor Steuern noch bei 36 Millionen Euro gelegen. Das gute Ergebnis entspreche den internen Planungen der Bank. Es basiere auf einem intensiven Neugeschäft, verringerten Altbeständen und Einsparungen auf der Kostenseite, teilte die HSH Nordbank am Freitag mit. Von CDU, FDP und Linken kam scharfe Kritik.

"Wir sind mit diesem Quartalsergebnis zufriedenstellend in das wichtige Jahr 2017 gestartet und haben die erste Phase des Privatisierungsverfahrens positiv abgeschlossen", sagte Vorstandschef Stefan Ermisch. Für das Gesamtjahr erwarte die Bank unverändert ein positives Ergebnis vor Steuern von rund 100 Millionen Euro. Diese, gemessen am Quartalsgewinn, relativ geringe Gewinnerwartung liegt an den Rückstellungen für Schiffskredite, die in diesem Jahr noch einmal kräftig steigen dürften. Die Reederei Rickmers hatte kürzlich Insolvenz angemeldet, weil die HSH als ihr Hauptkreditgeber die Reißleine gezogen hatte.

Verbindlichkeiten der Bank weiter gewachsen?

CDU und FDP warfen dem Senat vor, die Befassung des Parlaments mit der Zukunft der ländereigenen Bank zu blockieren. Auch habe sich der Senat zu der vor zehn Wochen einstimmig beschlossenen Aktenvorlage der Wirtschaftsprüferberichte noch nicht einmal geäußert, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thilo Kleibauer. Der Linken-Abgeordnete Norbert Hackbusch sagte, die Verbindlichkeiten der Bank seien seit Dezember um drei Milliarden Euro gewachsen. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein stehen für die faulen Kredite der angeschlagenen Bank im Risiko.

Die HSH Nordbank, die bis zum Februar des nächsten Jahres verkauft werden muss, besteht aus einer gesunden Kernbank und einer mit Altlasten behafteten Abbaubank unter einem gemeinsamen Dach. Der Gewinn der Kernbank lag vor Steuern bei 262 (Vorjahr: 118) Millionen Euro. Die Abbaubank hat dagegen 101 Millionen Euro verloren. Die HSH Nordbank hat 2,2 Milliarden Euro neue Kredite vergeben, rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Das könnte für mögliche Interessenten ein wichtiger Hinweis auf das geschäftliche Potenzial der HSH Nordbank sein.

Zehn Milliarden Euro problematischer Kredite

Auf der anderen Seite steht die Abbaubank, in der allein rund zehn Milliarden Euro problematische Schiffskredite gebündelt sind. Die Schifffahrtskrise geht ins neunte Jahr und macht möglicherweise eine weiterhin wachsende Risikovorsorge erforderlich. Im ersten Quartal waren es 198 Millionen Euro, davon 187 Millionen Euro in der Abbaubank. Ein möglicher Käufer soll laut Senat beide Teile der Bank übernehmen. Ermisch erinnerte jedoch vor kurzem im "Handelsblatt" daran, dass die Auflagen der EU auch Teilverkäufe ermöglichen. Die Länder als Eigentümer müssten dann eine Lösung für die Abbaubank finden.

"Uns ist sehr bewusst, dass der Eigentümerwechsel in einem schwierigen Spannungsfeld stattfindet", sagte Ermisch. "Wir sind zuversichtlich, dass eine gesamthafte, tragfähige Privatisierungslösung gelingt und werden die Ländereigner dabei weiter nach Kräften unterstützen."

Abbau der Altlasten stockt

Die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein als HSH-Eigentümer haben für die Altlasten zwar Garantien abgegeben, doch sind diese bereits aufgebraucht. Damit fiel ein Teil der auf fast 200 Millionen Euro mehr als verdreifachten Risikovorsorge für faule Schiffskredite zum ersten Mal wieder der HSH selbst zur Last. Sie musste im ersten Quartal 56 Millionen Euro auf faule Kredite abschreiben. Beim Abbau der leistungsgestörten Darlehen kommt die Landesbank kaum voran: In den ersten drei Monaten reduzierte sich ihr Volumen nur um 300 Millionen auf 14,3 Milliarden Euro.