Berlin

Rheinmetall will türkische Panzer nachrüsten

Berlin. Die 105-Millimeter-Kanone eines Kampfpanzers Leopard empfing am Dienstag die Rheinmetall-Aktionäre vor dem Berliner Hotel "Maritim". Das schwere Kriegsgerät hatten Friedensgruppen aufgefahren, aus Protest gegen mögliche Waffendeals des größten deutschen Rüstungskonzerns mit der Türkei. "Keine Panzer für Erdogan" und "Entrüstet euch, entrüstet Rheinmetall" riefen 150 Aktivisten. Den "Leo" hatte die Initiative Campact in einem Lager für ausgemusterte Militärfahrzeuge gemietet.

Am Tage der Hauptversammlung wurden Bemühungen des Konzerns bekannt, die türkische Armee aufzurüsten. Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, bestätigte einen entsprechenden Vorstoß bei der Bundesregierung. "Vertreter von Rheinmetall haben eine mögliche Nachrüstung von Leopard-Kampfpanzern des türkischen Militärs am Rande eines Gesprächs mit Ministerin Zypries am 15. März 2017 thematisiert", schrieb Machnig in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken. "Die Pläne der Rheinmetall AG sind eine unternehmerische Entscheidung", betonte er. Eine angefragte Stellungnahme von Rheinmetall gab es bis Redaktionsschluss nicht.

Ein Rheinmetall-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, geplant sei, vorhandene Leopard-II-Panzer des türkischen Militärs mit zusätzlicher Schutztechnologie zu modernisieren. Das Projekt sei noch nicht realisiert, werde noch vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft.

Die Rüstungssparte war 2016 mit einem Umsatzplus von 14 Prozent größter Wachstumstreiber des MDax-Konzerns. Die Autozuliefersparte hinkte mit 2,5 Prozent hinterher. Rheinmetall steigerte den Jahresumsatz um acht Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Konzernchef Papperger will 2017 im Rüstungssegment die Drei-Milliarden-Umsatzmarke "ziemlich sicher übertreffen". Neu in den Aufsichtsrat wählten die Aktionäre Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU).

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