Tradition 425 Jahre: Die zweitälteste Bank der Welt feiert Jubiläum

Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg, zwischen den Porträts von Joh. Heinrich Gossler und Johann Berenberg

Foto: Andreas Laible

Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg, zwischen den Porträts von Joh. Heinrich Gossler und Johann Berenberg

Hamburger Handelshaus Berenberg feiert in diesem Jahr ihr 425. Jubiläum. Das Institut hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Hamburg. Die ältesten in der Hamburger Innenstadt noch in der ursprünglichen Form erhaltenen Gebäude stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit bestand das von Hans und Paul Berenberg gegründete Handelshaus bereits seit mehreren Jahrzehnten. Am 31. August feiert das heutige Privatbankhaus Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG im Mehr! Theater am Großmarkt sein 425-jähriges Firmenjubiläum. Rund 400 Gäste werden erwartet, auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz soll auf der Veranstaltung sprechen.

Das heutige Domizil der Bank verrät von außen allerdings nicht, dass hier eines der ältesten Unternehmen der Hansestadt residiert: Die Lage am Neuen Jungfernstieg mit Blick auf die Binnenalster ist zwar prominent, das Gebäude selbst ist aber ein unscheinbarer Zweckbau aus den 1960er-Jahren. Erst wenn man durch die Glastüren eingetreten ist, kann man die Tradition erahnen. Links in der Eingangshalle hängen zwei in Öl gemalte Porträts: Sie zeigen Heinrich Gossler (1805-1877) und Johann Berenberg (1718-1772), die beide eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Firma spielten.

Seit dem 17. Jahrhundert setzt das Unternehmen auf europäische Handelspartner

"Eine jahrhundertelange Tradition schafft eine solide Unternehmenskultur und ein sicheres Wertegerüst", sagt Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter (PHG) von Berenberg. "Eines ist aber auch klar: Man darf sich nicht auf der Historie und dem Erreichten ausruhen." Man müsse sich insbesondere mit der Gegenwart und der Zukunft beschäftigen und den Wandel aktiv gestalten: "Sonst hat die Tradition schnell ein Ende."

Gewandelt hat sich Berenberg schon in der frühen Phase der Firmengeschichte. In den ersten Jahren nach 1590 betrieben die Gebrüder Berenberg, deren Familie ursprünglich aus dem Bergischen Land stammte und die als Protestanten aus religiösen Gründen Antwerpen – damals die reichste Handelsstadt Europas und Teil der Spanischen Niederlande – verlassen mussten, ihr Unternehmen als Tuchhandel sowie als allgemeines Import- und Exportgeschäft. Zu dieser Zeit hatte Hamburg erst weniger als 40.000 Einwohner, etwa so viele wie Itzehoe heute, darunter 1000 Niederländer. Weil es an leistungsfähigen Banken mangelte, betätigten sich die Berenbergs immer mehr auch als Bankiers.

Nachdem das Unternehmen bereits im 17. Jahrhundert ein weitgespanntes Netz von Handelspartnern in Europa, etwa in Spanien, Oberitalien, Skandinavien und Russland aufgebaut hatte, folgte um 1830 der Schritt in die Neue Welt – man eröffnete eine Vertretung in Boston. Heute hat Berenberg 19 Standorte, darunter vier Büros in den USA. In London arbeiten schon fast 250 Menschen für die Firma.

"Wir sind wohl die Bank mit der stärksten internationalen Wahrnehmung in Hamburg", sagt Peters. Genau das sei hanseatische Tradition: "Von Hamburg in die Welt." Schon aufgrund der beeindruckenden Firmenhistorie ist Berenberg eng verbunden mit der Entwicklung der Stadt. So gehört die Bank zu den Gründern der Hapag und des Norddeutschen Lloyd, die im Jahr 1970 zur heutigen Großreederei Hapag-Lloyd fusionierten, und der Vereinsbank, die später in der HypoVereinsbank aufging.

Trotz Finanzkrise wuchs die Beschäftigenanzahl

Während andere Privatbankhäuser ihren Tätigkeitsschwerpunkt eindeutig auf das "Private Banking", also die Betreuung vermögender Privatkunden, gelegt haben, ist Berenberg zuletzt im Investmentbanking stark gewachsen. So hat man in London ein Team von 80 Aktienanalysten, die fast 600 Titel im Blick haben, aufgebaut. Dies ist eine der größten Research-Abteilungen in Europa. Außerdem organisiert Berenberg Börsengänge – zuletzt gemeinsam mit anderen Banken etwa den von Rocket Internet – und Kapitalerhöhungen und sucht Investoren für Unternehmen.

"Die Vermögensberatung und -verwaltung ist ein sehr diskretes Geschäft, über Kapitalmarkttransaktionen hingegen liest man ständig in der Zeitung", sagt Peters dazu. "Daher entsteht vielleicht der Eindruck, wir würden uns auf dieses Geschäft konzentrieren." Das sei aber nicht zutreffend: "Wir sind im Private Banking sehr erfolgreich, bauen dieses Geschäft stetig aus und haben einen sehr erfreulichen Kundenzuwachs."

Mit dieser breiten Aufstellung ist Berenberg jedenfalls gut durch die Finanzkrise gekommen. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Beschäftigtenzahl auf 1250 Personen mehr als verdreifacht, in Hamburg arbeiten rund 750 von ihnen. Auch im laufenden Jubiläumsjahr 2015 werde Berenberg wachsen, sagt Peters.

Wie schon der heutige Firmenname zeigt, ist die Bank, die als zweitälteste der Welt nach der Banca Monte dei Paschi di Siena gilt, längst nicht mehr allein in der Hand der Gründerfamilie Berenberg. Bereits im Jahr 1769 nahm man, da es keine männlichen Erben gab, den Hamburger Kaufmann Johann Hinrich Gossler als Teilhaber auf – nachdem er eine Berenberg-Erbin geheiratet hatte. Im 20. Jahrhundert kamen neben Privatpersonen wie Jan Philipp Reemtsma und Erbprinz zu Fürstenberg auch die belgische Beteiligungsgesellschaft Compagnie du Bois Sauvage sowie seit 1973 die Nord/LB als Gesellschafter hinzu. Im Jahr 2010 verkaufte die Landesbank ihren Anteil jedoch an die PHG's Peters und Hendrik Riehmer, denen nun zusammen 26,1 Prozent am Privatbankhaus gehören. Seitdem halten die Familie und die beiden PHG's gemeinsam wieder die Mehrheit am Unternehmen.

Im Führungsgremium der Bank kam es 2005 zu einer Zäsur

Im Führungsgremium der Bank war es allerdings im Jahr 2005 zu einer Zäsur gekommen: Als sich Joachim von Berenberg-Consbruch, der die Bank in zwölfter Generation geleitet hatte, in den Ruhestand verabschiedete, übernahm erstmals seit 1590 ein komplett familienfremdes Management das Ruder. Das könnte sich in einigen Jahren wieder ändern: Ein Sohn Joachim von Berenberg-Consbruchs arbeitet in der Londoner Niederlassung.