Hamburg

Gesundheitswirtschaft stellt jeden siebten Arbeitsplatz in Hamburg

Hamburg.  Arztkittel, Schwesterntracht und Pflegeranzug haben als Berufskleidung in Hamburg große Zukunft. So lassen sich die Ergebnisse einer Studie zur Gesundheitswirtschaft in der Hansestadt zusammenfassen, die die Handelskammer und die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Demnach sind 162.000 Menschen in der Stadt in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt, das ist mithin jeder siebte Arbeitsplatz. Damit ist die Bedeutung dieser Branche für den Arbeitsmarkt höher als die des Hafens, wo nur jeder zehnte Hamburger Arbeitsplatz bereitgestellt wird.

Und die Entwicklung der Gesundheitswirtschaft geht rasant weiter, prognostiziert Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks: "Nach einer Prognose des Wirtschaftsministeriums wird in 15 Jahren in Deutschland jeder Fünfte in der Gesundheitswirtschaft tätig sein." Allein zwischen 2005 und 2013 seien 23.000 neue Arbeitsplätze in Hamburg in diesem Segment entstanden. Und die Wertschöpfung der Gesundheitsbranche ist seit 2005 doppelt so stark gewachsen wie in der Hamburger Wirtschaft insgesamt. Mit der hohen Dichte von 50 Krankenhäusern und Kliniken und fast 5000 niedergelassenen Ärzten übernimmt Hamburg Versorgungsaufgaben bis weit in das Umland hinein. Jeder dritte Patient in den Krankenhäusern kommt von jenseits der Stadtgrenzen.

Auch in der Wirtschaftskrise konnte die Gesundheitswirtschaft wachsen

Auch Wirtschaftskrisen haben die positive Entwicklung der Branche nicht bremsen können, ergab das Gutachten des Forschungsinstituts WifOR. "In den Jahren der Wirtschaftskrise 2008 bis 2010 sind mit fast 10.000 zusätzlichen Erwerbstätigen knapp 40 Prozent aller neuen Arbeitsplätze in Hamburg in der Gesundheitswirtschaft entstanden", so Gesundheitssenatorin Prüfer Storcks. "Wir müssen die demografische Entwicklung als Chance begreifen und uns in Hamburg darauf einrichten." Mit dem Älterwerden der Gesellschaft steige auch der Bedarf an gesundheitlichen und pflegerischen Dienstleistungen. Die Demografie selbst könne daher zu einem großen Jobmotor der kommenden Jahrzehnte werden, so die Senatorin.

Wachsender Wohlstand gibt der Branche zusätzlichen Auftrieb

Davon profitieren beileibe nicht nur Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime. Auch die pharmazeutische und die medizinisch-technische Industrie gehören zur Gesundheitswirtschaft. Hinzu kommen Krankenkassen, Reformhäuser und alle Branchen, die im weitetesten dem Erhalt der Gesundheit dienen, wie Ernährungsberater, Fitnessstudios und Anbieter von Sportartikeln. Sogar der Tourismus verdient an der Branche, wie die Studie zeigt. Mit ihr wird laut WifOR-Geschäftsführer Dennis Ostwald erstmals die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche umfassend und statistisch belastbar, sowie vergleichbar für Hamburg ermittelt.

Neben dem ersten Gesundheitsmarkt, der im Wesentlichen den gesetzlichen Regelkreis medizinischer Behandlung und deren Finanzierung umfasst, hat sich ein zweiter, wichtiger Gesundheitsmarkt für alle privat finanzierten Gesundheitsgüter herausgebildet, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Wesentliche Wachstumstreiber dieses Marktes seien ein verändertes Gesundheitsbewusstsein und der wachsende Wohlstand.

Laut Schmidt-Trenz gilt das auch für die Schwellenländer, wo viel in die Gesundheitsinfrastruktur investiert wird. Davon profitieren exportorientierte Firmen. Der Gesamtwert der Exporte gesundheitsorientierter Güter habe sich in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als 2,7 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

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