Investor Berggruen
Mr. Karstadt stehen noch harte Verhandlungen bevor
Der Karstadt-Retter Nicolas Berggruen will aus "persönlichen Gründen" kaufen. Vorher muss er aber die Frage der Mieten klären.
Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen in der Essener Zentrale seiner neuen Warenhauskette.
Foto: dpa
Hamburg/Essen. Für die Karstadt-Beschäftigten muss es wie ein Märchen klingen: Plötzlich taucht der reiche Onkel aus Amerika auf, der an sie glaubt und viel Geld in ihre Zukunft investieren will. Doch genau dies hat Nicolas Berggruen, Kunstsammler, Investor und Milliardär, eigenem Bekunden nach wirklich vor. Karstadt, so versprach er unlängst in einem Interview, solle mit seiner Hilfe glamouröser werden.
Die Übernahme der Warenhauskette Karstadt hat Berggruen auch mit persönlichen Motiven begründet. Seine Eltern stammten beide aus Berlin, sagte er dem Sender rbb. Karstadt sei eine wichtige Marke in Deutschland. Auch das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe sei weltberühmt. Diesen Namen habe er schon sehr früh gekannt. Für ihn sei der Kauf deshalb „eine sehr persönliche Sache“.
Welcher Herausforderung er sich mit dem Kauf der angeschlagenen Warenhauskette stellt, dürfte Berggruen bewusst sein. Schließlich hat der 48-jährige Deutsch-Amerikaner bereits reichlich Erfahrung mit Sanierungsfällen. Mit seiner Investmentfirma Berggruen Holdings investiert er Milliarden in Firmen wie etwa zuletzt in das angeschlagene spanische Medienunternehmen Grupo Prisa, zu dem unter anderem die traditionsreiche Tageszeitung „El País“ gehört.
Daneben finden sich auch zahlreiche Immobilien in seinem Besitz. Seine deutsche Niederlassung in Berlin ist für ihre denkmalpflegerischen Renovierungen bekannt, hat unter anderem das traditionsreiche Café Moskau an der Karl-Marx-Allee sowie die Sarotti-Höfe in Kreuzberg wieder herrichten lassen.
Und nun also Karstadt – die deutsche Warenhauskette, der in den vergangenen Jahren immer mehr der Muff der Vergangenheit anhaftet und die im Kampf gegen Billig-Modeketten und gigantische Elektrofachgeschäften unterzugehen droht. Sein eigenes Vermögen, das auf rund 1,8 Milliarden Euro geschätzt wird, wolle er nun in das Unternehmen stecken; an einer langfristigen Investition sei er interessiert, wird Berggruen nicht müde zu betonen. Als Partner will er die BCBG Max Azria Gruppe heranziehen, ausgewiesene Mode- und Vermarktungsexperten, wie er sagt. Karstadt solle damit nicht nur erneuert, sondern auch verjüngt werden.
Für den Kauf sind nach Angaben der Investoren sofort 70 Millionen Euro fällig. Fünf Millionen Euro gingen direkt an die Gläubiger und weitere 65 Millionen Euro seien nötig, um den Betrieb der Karstadt-Filialen aufrechtzuerhalten, sagte David Jehan vom Berggruen-Partner BCBG Max Azria. Diese Summen müssen aufgewendet werden, bevor Karstadt den Besitzer wechsle, sagte Jehan, der die internationalen Geschäfte der BCBG-Gruppe leitet. Für die Modernisierung der Verkaufsflächen seien zudem in den kommenden drei Jahren Investitionen von jährlich 60 Millionen Euro geplant.
Die Investoren hatten mit Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Dienstag den Kaufvertrag für Karstadt besiegelt. Für die Übernahme gründeten der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen und die BCBG-Gruppe ein gemeinsames Unternehmen, an dem Berggruen zu 80 Prozent und der kleinere Partner zu 20 Prozent beteiligt sind, wie Jehan erläuterte. Berggruen und BCBG hatten am Montag im Gläubigerausschuss den Zuschlag für Karstadt bekommen.
Damit der Kauf aber wirksam werden kann, muss noch ein wesentliches Problem aus der Welt geschafft werden: Die hohen Mieten, die nach Berggruens Einschätzung für die Schieflage der Warenhauskette maßgeblich verantwortlich sind. Hier muss sich der Investor mit dem Vermieterkonsortium Highstreet einigen. Das hatte pikanterweise ebenfalls für Karstadt geboten und lange als aussichtsreichster Kandidat gegolten.
Highstreet hat dem neuen Eigner nun ein Gesprächsangebot unterbreitet. „Wir haben Herrn Berggruen eingeladen, sein Konzept am Donnerstag in London Highstreet und unseren Investoren zu präsentieren“, sagte ein Highstreet-Sprecher am Mittwoch. Berggruen sei zu Gesprächen bereit, sagte dessen Sprecher, ohne sich aber auf einen genauen Termin festzulegen.
Berggruen hatte Mietnachlässe für die Warenhäuser gefordert, die zum Großteil dem Konsortium Highstreet um die Investmentbank Goldman Sachs gehören. Öffentlich beziffert hat er diese Nachlässe bislang nicht. Den Vermietern sei unklar, was Berggruen genau wolle, hieß es im Umfeld des Konsortiums. Bei Highstreet lägen keine genauen Forderungen des Investors auf dem Tisch.
Glückt die Karstadt-Rettung, wäre sie für Berggruen, den Sohn des berühmten jüdischen Kunstsammlers Heinz Berggruen, ein neuer Puzzlestein in seinem Image als Gutmensch. Immerhin rettet er durch sein Engagement 25.000 Arbeitsplätze. Ansonsten engagiert sich der Milliardär unter anderem auch für Windkraft-Projekte in der Türkei und investiert laut Medienberichten in Reisfarmen in Kambodscha. Laut seinem Pressestab dokumentieren die Investitionen „regelmäßig seine hohe soziale Verantwortung und gesellschaftliche Verpflichtung“.
Dazu gehört auch seine eigene Kunstsammlung, die er sich unabhängig von seinem Vater aufbaute, der Picassos, Klees und Matisses besaß und sie später in einem nach ihm benannten Museum am Schloss Charlottenburg unterbrachte. Sein Sinn für Schönheit zeigt sich auch in zahlreichen Immobilien, die er von Stararchitekten wie Norman Foster oder David Chipperfield betreuen ließ.
In dieses Umfeld passen die heutigen Karstadt-Häuser wahrlich nicht hinein. Doch das dürfte den Karstadt-Beschäftigten herzlich egal sein. Für sie geht es vor allem um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Und die zumindest will Berggruen ihnen geben.



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