Flugzeughersteller

Hunderte Zeitarbeiter bei Airbus müssen gehen

Airbus will die Zahl der Leihkräfte reduzieren. In Unternehmenskreisen ist von bis zu 1000 Stellen die Rede. Auch Entwicklungs-Ingenieure betroffen. IG Metall Küste warnt: Zukunft nicht verspielen

Hamburg. Noch nie war der Auftragsbestand von Airbus so groß wie in diesem Jahr. Doch die Hoffnung vieler der 2800 Zeitarbeiter am Standort Hamburg, angesichts der Verkaufserfolge des Flugzeugbauers in eine feste Anstellung dort überwechseln zu können, dürften sich in den nächsten Monaten zerschlagen: Airbus will im Jahr 2014 die Zahl der Leihkräfte reduzieren. In Unternehmenskreisen ist von bis zu 1000 Stellen die Rede.

Schon aus dem im Jahr 2012 mit den Arbeitnehmervertretern geschlossenen Zukunftstarifvertrag ergibt sich ein Abbau in erheblichem Umfang: Damals hatte man für Airbus Deutschland eine Zeitarbeitsquote von maximal 15 Prozent im Jahr 2015 festgelegt. Bei einer Stammbelegschaft von 13.300 Personen in Hamburg wären somit höchstens knapp 2000 Leihkräfte zulässig.

Von dem geplanten Abbau, den Airbus nicht beziffert, dürften nicht zuletzt Ingenieure im Entwicklungsbereich betroffen sein. "Nach den hohen Aufwänden mehrerer paralleler Flugzeugentwicklungen normalisiert sich der Bedarf an Entwicklungskapazitäten derzeit", sagt ein Firmensprecher. So sind die Entwurfsarbeiten am neuen Langstreckenjet A350 weitgehend abgeschlossen. Das gleiche gilt für den A320neo, eine modernisierte und besonders sparsame Variante der bewährten Kurz- und Mittelstreckenflieger des Konzerns.

Neue große Aufgaben für die Entwicklungs-Ingenieure sind derzeit nicht in Sichtweite: "Für die nächsten zehn Jahre stehen keine kompletten Neuentwicklungen, sondern nur Weiterentwicklungen bestehender Programme an", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. "Das ist eine neue Situation für Airbus." Modernisierungsprojekte, etwa eine von Kunden geforderte Überarbeitung des doppelstöckigen A380, hätten einen Umfang von zwei Milliarden bis drei Milliarden Euro, während es zehn Milliarden bis zwölf Milliarden Euro koste, ein völlig neues Flugzeug zu entwickeln.

Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, warnt davor, aus Kostengründen Zukunftsperspektiven zu verspielen: "Wenn man heute nicht für morgen forscht, hat man übermorgen keine Produktion mehr."

Offenbar sollen aber auch in der Fertigung weniger Zeitarbeiter eingesetzt werden. Man verzeichne "gute Fortschritte bei der Steigerung der Produktionseffizienz", sagt der Firmensprecher. "Airbus strengt sich kräftig an, die Fertigungskosten bei der A320-Familie zu senken", beobachtet Großbongardt, "schließlich machen die Beschäftigten in der Produktion den größten Teil der Belegschaft aus."

Die Sparanstrengungen resultieren auch aus dem Ziel von Tom Enders, Chef des Mutterkonzerns Airbus Group, die Umsatzrendite von zuletzt sechs Prozent bis 2015 auf zehn Prozent zu steigern.

"Den Druck spürt man schon", sagt dazu Jan-Marcus Hinz, der Vorsitzende des Airbus-Betriebsrats in Hamburg. Er geht allerdings nicht davon aus, dass die Gesamtbeschäftigung – bestehend aus der Stammbelegschaft, den Leih- und den Werkvertragskräften – in diesem Jahr unter dem Strich sinkt.

Schließlich will Airbus in den nächsten drei Jahren europaweit allein 1500 Mitarbeitern der unter Auftragsmangel leidenden Rüstungs- und Raumfahrtsparte der Airbus Group einen Arbeitsplatz anbieten. "Darüber hinaus werden die auslernenden Auszubildenden und dualen Studenten an allen deutschen Standorten unbefristet übernommen", heißt es vom Unternehmen. In den vergangenen drei Jahren habe Airbus in Deutschland mehr als 3500 Menschen eingestellt. Rund die Hälfte von ihnen seien Zeitarbeiter gewesen, die von Airbus übernommen wurden.