Schiffbau

Russen kaufen die insolvente Sietas-Werft

Foto: Michael Rauhe

Pella Shipyard übernimmt Deutschlands ältestes Schiffbau-Unternehmen. Nach Information des Abendblatts soll die Produktion bei Sietas in Neuenfelde zügig wieder hochgefahren werden.

Hamburg. Nach mehr als zweijähriger Insolvenz zeichnet sich in letzter Minute Rettung für die Sietas-Werft ab. Nach Information des Abendblatts will der Hamburger Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann Deutschlands ältestes Schiffbau-Unternehmen am Montag an die in St. Petersburg ansässige russische Werft Pella Shipyard verkaufen. Pella hatte im Januar ein Angebot für Sietas abgegeben. Die Kanzlei Brinkmann & Partner nahm dazu am Sonntag nicht Stellung.

Bei Sietas arbeiten derzeit noch 100 Menschen an der Endausfertigung des Windpark-Errichterschiffs "Aeolus". Der größere Teil der Belegschaft ist bereits in eine Transfergesellschaft gewechselt. Die "Aeolus" hat Sietas für das niederländische Wasserbau-Unternehmen Van Oord gefertigt, sie soll die Werft noch im Februar verlassen. Sie gilt als mordernstes Offshore-Errichterschiff der Welt.

Für Sietas hatte sich zuletzt auch der chinesische Stahlbaukonzern ZPMC mit Sitz in Shanghai interessiert, Weltmarktführer bei der Herstellung von Containerbrücken. Nun haben offenbar die Russen das Rennen gemacht. Pella Shipyard hat unter anderem schon für den Mineralölkonzern Rosneft und die russische Marine gearbeitet. Die Werft baut unter anderem Schlepper und Lotsenboote. Auch Aufträge aus Norwegen, Litauen und Italien hat Pella Shipyard bereits abgearbeitet. Nach Information des Abendblatts will das russische Unternehmen die Belegschaft und die Produktion bei Sietas in Neuenfelde zügig wieder hochfahren.

Der deutsche Schiffbau genießt in Russland hohes Ansehen. Insbesondere die Verbindungen der Werftindustrie in Mecklenburg-Vorpommern nach Russland sind, geprägt durch die DDR-Zeit, noch immer eng. Die Doppelwerft Nordic Yards in Wismar und Rostock, damals noch Waden Yards, wurde von der Kanzlei Brinkmann & Partner 2009 aus der Insolvenz an den russischen Investor Witali Jussufow verkauft.

Nordic Yards ist heute das erfolgreichste deutsche Werftunternehmen beim Bau von Offshore-Umspannwerken für die Windkraft-Industrie. Das Unternehmen fertigt obendrein eisgängige Spezialschiffe für den Einsatz im russischen Nordmeer.

Sietas ringt seit dem Jahr 2009 um eine wirtschaftliche Trendwende. Der Familieneigner Hinrich Sietas war seinerzeit, vor allem auf Druck seiner Hausbank HSH Nordbank, aus dem Unternehmen gedrängt worden, um den drohenden Untergang zu verhindern. Ende 2011 musste Sietas dennoch Insolvenz anmelden. Bis dahin hatte die lange Zeit auf Containerschiffe konzentrierte Werft ein neues Programm von Spezialschiffen aufgelegt. Darunter ist auch die mehr als 120 Millionen Euro teure "Aeolus" für Van Oord.